Narzißmus oder Das Internet macht unglücklich


Unlängst wurde eine Studie publiziert, nach der Facebook Benutzer nach einem Besuch auf Facebook etwas unglücklicher sind als vor dem Besuch.

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.psychologie-facebook-macht-etwas-ungluecklich.1504b35b-3a79-42b2-82f3-a50fdc7b29d0.html

Aus persönlicher Erfahrung würde ich das auch auf Foren und ähnliche Orte der Kommunikation im Internet ausdehnen. Die Diskussionen in den Foren haben relativ wenig Relevanz, wenn es um die Wirklichkeit geht, sind aber emotional belastend, und zudem Zeitfresser. Zumindest was mich angeht.

Was mich wundert, ist, dass ich trotz dieser Erkenntnis immer wieder an diesen Diskussionen teilnehme, und mich am Ende dann doch wieder ausgelaugt oder sogar frustriert fühle. Ist es wirklich nur die Langeweile? Oder existiert Internetsucht wirklich?

Heute habe ich auch wieder viele Kommentare in Blogs geschrieben, bei einigen bin ich beunruhigt, weil sie das Potential haben, sich zu einem Kleinkrieg zu entwickeln. Ich hätte das nicht tun müssen. Ich war mir bewusst, dass es heikle Themen sind, und dass ich nicht unbedingt die Mehrheitsmeinung vertrete. Ich gehe auch davon aus, dass meine Kommentare nicht wirklich etwas ändern werden. Warum mache ich das dann?

Warum tue ich etwas was (a) mir in der Vergangenheit schon genug Ärger eingebracht hat und (b) Erfahrungsgemäß wenig sinnvoll ist und zudem (c) ich andere Beschäftigungen  kenne, die weniger Konfliktpotential haben?

Das erinnert mich an meine alten Softwareprojekte. Jedesmal wenn eines in Frustration endete, habe ich dennoch wieder einen Versuch gemacht.  Erst nach 10 oder mehr Fehlversuchen ist in meinem Kopf jetzt der Anker „Lass es, es bringt nichts, Du hast es oft genug versucht“, der verhindert, dass ich es nochmal versuche. Aber auch dieser Anker ist nicht 100%, er verhindert nur einen ernsthaften, langandauernden neuen Versuch.

Persönlichkeitstrukturanalysen haben mir immer einen guten Teil Narzißmus bescheinigt, und das ist vermutlich auch richtig. Ich stelle mich gerne selbst dar, auf der anderen Seite bin ich sehr empfindlich gegenüber Kritik, oder allem was das sorgfältig aufgebaute „Image“ schädigen könnte.

Die gute Seite ist, der Wunsch nach positiver Aussenwirkung macht kreativ. Ich versuche, Dinge zu tun, die das Interesse von anderen erwecken, Dinge die Anerkennung bringen (sollen), oder ganz einfach dazu dienen, das Image zu polieren.

Dazu gehört auch eine Maske des „netten Menschen“, die Kraft kostet. Nett sein ist Pflicht, um gemocht zu werden, was Narzißten immer wollen, aber sie sind es eigentlich nicht. Ich vermute, ich empfinde Kommunikation deshalb so anstrengend, weil es einer großen Selbstkontrolle bedarf, die negativen Seiten des Narzißmus zu unterdrücken, und immer nur die schöne, gute Seite zu zeigen.

Und dann passieren Tage wie gestern – ich war müde und frustriert, und fühlte mich in einem Forum angegriffen und gekränkt. Mit mehr stärke hatte ich die Maske halten können, aber gestern brach es dann aus mir heraus, all das was ich hatte Schlucken müssen, wogegen der nette Mensch nichts tun und sagen durfte, was der  Narzist aber nicht verzeihen kann.

Ergebnis 1: Zwei Wochen Sperre im Forum.

Ergebnis 2: Es haben Leute gegen die Entscheidung protestiert.

Ich hatte es zu 99% geschafft, immer alles richtig zu machen. Und dann, in einem Moment als mit die Beherrschung verloren ging, (fast) alles zunichte gemacht.

Das ist jetzt schon immer wieder passiert, meist zerstöre ich Freundschaften auf diese Weise, und halte deshalb Abstand, um erst gar nicht die Nähe aufkommen zu lassen, die eine Freundschaft entstehen ließe, weil ich weiss, ich mache es wieder kaputt, früher oder später, wenn ich die Maske nicht mehr halten kann.

Ich glaube, das ist auch das Problem der Projekte und der Kommentare – Werbung für mich selbst. Immer wieder der Versuch, etwas zu machen oder erschaffen, das mir Aufmerksamkeit bringt, immer mit dem Risiko mich dabei zu verausgaben, und dann in einem Moment der Kritik und des unkontrollierten Temperaments alles zu zerstören, was ich aufgebaut hatte.

Für mich ist das Internet eine Verlockung und eine Gefahr – es ist eine riesengroße Bühne für die Selbstdarstellung. Schreiben, Dichten, Fotos, Grafik, Software usw – alles schon versucht, in allen Disziplinen schon gescheitert. Aber ich kann davon nicht lassen – auch dieses Blog ist davon getrieben . Zuvor hatte ich eine Zeitlang keine Präsenz im Internet, was friedvoll war, aber unzufriedenstellend.

Jetzt habe ich wieder eine, und es ist dennoch nicht gut, eben auf eine andere Weise schlecht – anstrengend, emotional belastend.

Jetzt noch das Problem von oben: Wenn ich es besser weiss, warum tue ich es dann dennoch? Und wie kann ich es besser machen, und einen Weg zum Frieden finden, Frieden mit mir selbst und der Welt?

 

 

 

 

 

 

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