Lesetipp: Kritisches zu LehrerInnen, Jungen und Mädchenförderung


Auch wenn ich mit Herrn Klein von den Science-Files persönlich nicht kann, er bringt immer wieder gute Artikel. Hier etwas, das als Rundumschlag gegen die Frauenförderung verstanden werden kann, aber interessanterweise viele Quellen zitiert, die genau diese Aussagen belegen.

https://sciencefiles.org/2017/10/12/sinnlose-zerstorung-mit-dem-staatsfeminismus-in-die-armut/

Ein Punkt, der mir in diesem Zusammenhang nicht gefällt ist, dass der „gesellschaftliche“ Nutzen von Ausbildung lediglich daran gemessen wird, wie viel an Steuern zusätzlich eingenommen werden kann, wenn die Ausgebildeten dann auch gemäß der Ausbildung berufstätig werden. Aber Ausgaben/Einnahmen sind im Gegensatz von anderem gesellschaftlichen Nutzen eindeutig fassbar, somit ist es verständlich, dass Einnahmen und Ausgaben hier als Basis genommen werden – das ist wenigstens eindeutig Belegbar und der Diskussion insofern förderlich, dass der Punkt nicht strittig ist.

Persönlich würde ich mir dennoch wünschen, wenn man noch andere Aspekte einer besseren Ausbildung im Sinne von gesellschaftlichem Nutzen quantifizieren könnte, und das Bild damit abrunden. Da ich mir allerdings selbst schwer tue, nur einen einzigen solchen Aspekt klar zu benennen, fürchte ich, das wird nix. Eines kann ich jedoch aus eigener Erfahrung sagen – ab dem Punkt, an dem Eltern beginnen zu sagen „Das kann ich Dir auch nicht erklären“ oder „Das habe ich nie gelernt“, wird Schule ein ganzes Stück schwerer. Zumindest indirekt müsste sich die Ausbildung der Eltern also im besseren Lernerfolg der Kinder niederschlagen.

 

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Frauenfortbildung bringt weniger als Männerfortbildung?


Science Files titelt: „Frauenförderung lohnt sich nicht: Gesellschaftlicher Nutzen tertiärer Bildung für Männer dreimal so hoch“

https://sciencefiles.org/2017/10/02/frauenforderung-lohnt-sich-nicht-gesellschaftlicher-nutzen-tertiarer-bildung-fur-manner-dreimal-so-hoch/

Ein interessante Fragestellung, sicherlich. Leider werde ich aus der OECD Studie, die als Grundlage dieser Schlussfolgerung dient nicht richtig schlau.

Was mich jetzt beschäftigt, ist die Frage: Wie kommt das? Was genau ist gesellschaftlicher oder privater Nutzen einer Fortbildung, und warum scheinen Männer so viel mehr Nutzen aus einer Fortbildung zu ziehen?

Sogar der private Nutzen, also Fortbildungen, die man nur für sein eigenes Interesse absolviert, ist bei den Männern nach dieser Studie etwa um den Faktor 1.7 höher als bei Frauen. Ich hatte zumindest hier, beim privaten Nutzen, einen Wert nahe bei der 1.0 erwartet. Ich vermute, die Erklärung liegt darin, wie der Nutzen gemessen und bewertet wird … im Moment versuche ich mich als Künstler weiter zu entwickeln, der „Nutzen“ daraus, z.B. von dem, was ich für Fachliteratur und Kurse ausgebe, lässt sich aber in Euro nicht beziffern, da ich mit meiner Kunst auf absehbare Zeit kein Geld verdienen werde. Für mich persönlich ist ein Nutzen dieser Ausgaben aber sichtbar, meine Bilder und Grafiken werden besser.

Wieder mal so ein Rätsel …

PS: Hier wird es ein bischen klarer, zumindest der sogenannte gesellschaftliche Nutzen:

http://www.danisch.de/blog/2017/10/01/kosten-und-nutzen-der-frauenfoerderung/

Das ist also die Quote an Ausbildungskosten zu Steuer(mehr-)einnahmen durch die Arbeit der Ausgebildeten. Wie sich der private Nutzen errechnet bleibt aber auch hier offen.

Das auf die Steuereinnahmen zu reduzieren und dann von gesellschaftlichem Nutzen zu sprechen scheint mir etwas schräg. Kunst und Kultur bringt sicher nicht viel Steuereinnahmen, wurde aber fast immer als gesellschaftlich wertvoll betrachtet. Gesang und Musik, Schauspiel, Theater, Akrobatik, Lyrik, Prosa, Poesie … wenn wir nur noch Techniker und Ingenieure Fördern weil die am meisten Steuern abführen, dann wird das Leben aber ganz schön öde.

 

Lesetipp: Interessantes zur Geschichte der Schulpflicht


Science Files hat ein paar interessante Details zu Geschichte der Schulpflicht gesammelt:

https://sciencefiles.org/2017/09/28/fakenews-oder-geschichtsfalschung-deutschlandfunk-feiert-300-jahre-schulpflicht/

Es sollen, soviel möglich, alle Kinder, Knaben und Mägdelein, mit allem Ernst und Fleiß zur Schule gehalten werden, damit sie je zum wenigsten neben dem heiligen Katechismus, christlichen Gesängen und Gebeten recht lernen lesen und etwas schreiben

„Weimarische Schulordnung“ (1619)

Interessant zu sehen, dass die heute so viel diskutierte Gleichberechtigung wieder mal gar keine neue Idee ist, da schon vor fast 400 Jahren „alle Kinder, Knaben und Mägdelein“ zum Schulbesuch angehalten wurden – das ist in der Formulierung kurioserweise sogar LGBTQ* konform, lange bevor diese Idee erfunden wurde, da „Kinder“ auch die nicht-Knaben und nicht-Mägdelein einschließt und hier niemand bevorzugt oder ausgeschlossen wird. Auch wenn der weltliche Lehrplan mit der Minimalforderung Lesen und Schreiben noch etwas dünn war … das ist immerhin mal eine Grundlage sich später selbst weiter bilden zu können.

 

 

Übungen mit Wasserfarbe II


Eine Szene aus der „Bergbau im Weltraum“ Geschichte – ein Hotelaufenthalt auf einem von Echsenwesen bevölkerten Planeten. Die Echsen liebten steinige Umgebungen, und so waren auch die Räume gestaltet – die Wände mit Natursteinplatten verkleidet, der Boden mit Schotter oder Kies bedeckt, die Schlafstätten steinere Einfassungen, die mit feinem Sand gefüllt waren.

Vor einige Zeit versuchte ich, ein Hotelzimmer in diesem Design zu skizzieren, passend zu der Szene aus der Geschichte.

Hotelzimmer der Drehkar
Hotelzimmer der Drehkar

Eigentlich wollte ich die Szene anschließend mit Wasserfarben ausgestalten, aber mir wurde bei der Skizze klar, dass meine Fähigkeiten dazu bei weiten nicht ausreichen. Allein schon die Steinplatten an den Wänden schienen eine Herausforderung zu sein, von der Lampe links oder dem Springbrunnen rechts hinten ganz zu schweigen.

Ich beschloss dann, zuerst einmal einzelne Elemente der Szene zu üben. Hier nun das erste Resultat – eine Studie des Springbrunnens in der Ecke, mit den Steinplatten für die Wände und einem Test, wie man einen solchen, mit Kies bestreuten Boden, mit Wasserfarben darstellen könnte.

Übung, Drehkar Zimmerspringbrunnen
Übung, Drehkar Zimmerspringbrunnen

Leider habe ich die Perspektive falsch angelegt, und der Brunnen wirkt schief. Zudem dachte ich am Anfang, das wird eine schnelle Übung und habe viele Linien für das Mauerwerk mit den graublauen Steinen zu schlampig gezogen … aber mit allen Fehlern war es rückblickend doch eine gute Übung. Etwa 10 Stunden habe ich investiert.

Im Moment fühle ich mich sehr unsicher ob ich mich jemals an das komplette Zimmer wagen werde, aber die Szene mit der Lampe links und der Kristallkaraffe auf dem steinernen Tisch reizt mich. Vor allem, wenn ich es schaffe den Raum abgedunkelt zu gestalten, der Schein der Lampe erhellt die Wand und den Tisch, und die Kristallkaraffe funkelt im Licht der Lampe. Angesichts meiner Fähigkeiten muss ich wohl sagen: Nun, man wird ja noch träumen dürfen! Aber mal sehen, wie weit hier Wunsch und Wirklichkeit zusammenkommen können.

 

 

Lesetipp: Die Hälfte der Lehramtsstudenden als Lehrer nicht geeignet


Gerade in einer alten Ausgabe der Süddeutschen Zeitung entdeckt:

Laut der Untersuchung, die am Freitag in Stuttgart vorgestellt wurde, weisen die Hälfte der Lehramtsstudenten und Referendare Verhaltensmuster auf, die ihn zur Bewältigung der psychischen Anforderungen des Lehrerberufs ungeeignet machen.

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/karriere/berufswahl-zum-lehrer-nicht-geeignet-1.350804

 

 

Sprache formt die Wirklichkeit ?!?!


Diese Woche im Spiegel stolperte ich über den Satz, „Sprache formt die Wirklichkeit“ (Ausgabe 37/2017, Seite 59). Er stand einfach so da, ohne weitere Begründung, als wäre diese Behauptung das selbstverständlichste der Welt und ohne weitere Erklärung einsichtig.

Mir ist das nicht einsichtig. Ich denke sogar, das ist falsch. Wenn überhaupt eine Beziehung besteht, dann in der Art, dass die Wirklichkeit die Sprache formt, aber nicht umgekehrt. Doch zuerst ein Gegenbeispiel, warum die Sprache nicht die Wirklichkeit formt (um eine Behauptung zu widerlegen ist ein einziges Gegenbeispiel ausreichend).

Nehmen wir an, da steht ein Baum. Das ist die Wirklichkeit. Dieser Baum wird ein Baum bleiben, ob ich ihn nun Baum, überhängendes Großgrün oder Scheißgewächs nenne. Er ist dort, immer noch derselbe Baum, seine Wirklichkeit in all ihren Details ist völlig unberührt davon in welcher Sprache und mit welchen Worten ich ihn bezeichne.

Andersherum, wenn ich etwas wahrnehme, und will anderen davon mitteilen, dann brauche ich Worte. Meist basiert die Wahrnehmung auf der Wirklichkeit, und auf diesem Weg formt die Wirklichkeit die Sprache – man nimmt etwas wahr, will sich darüber anderen Menschen mitteilen und braucht nun Worte um dies zu tun. Ist die Wahrnehmung, oder gar der wahrgenommene Gegenstand neu(artig), dann werden auch rasch neue Worte dafür erfunden oder alte Worte in ihrer Bedeutung erweitert.

Nimmt man die Wahrnehmung mit hinzu, dann lässt sich auch der zu Anfang kritisierte Satz „Die Sprache formt die Wirklichkeit“ zu etwas sinnvollem erweitern, „die Sprache formt die Wahrnehmung der Wirklichkeit“. Wir können die Sprache nutzen, um Dingen eine Bedeutung zuzuschreiben, eine positive, „Der Baum sorgt für frische Luft“ oder eine negative, „Der Baum stiehlt mir das Sonnenlicht“. Ab dem Moment, an dem der Sprecher eine dieser Aussagen etabliert hat, ist der besagte Baum nicht mehr wertfrei in der Wahrnehmung des Zuhörers, sondern entweder der gute Frischluftproduzent oder der böse Sonnendieb. Die Wirklichkeit, der Baum, ist aber immer noch dieselbe! Die Sprache formt auch hier nicht die Wirklichkeit, bestenfalls, wie Menschen die Wirklichkeit wahrnehmen.

Und wenn ich gerade dabei bin, will ich mich auch noch zu einem anderen Unfug äußern, der in diesem Zusammenhang gerne behauptet wird: es sei unmöglich Dinge zu denken, für die es keine Worte gibt.

Ich will hier auf die Sci-Fi und fantasy-Autoren hinweisen, die Geschichten schreiben über Dinge die es nicht gibt, nie gab und vielleicht nie geben wird. Dinge, die vorher noch gar keinen Namen hatten. Z.B. das Wort Roboter in der Bedeutung „mechanischer Arbeiter“ – ich bin ziemlich sicher dass die Idee zuerst da war, und der Autor ein Wort suchte, um seine Idee dem Auditorium mitzuteilen, er wählte dafür „Roboter“.

Das Gleiche in der Fantasy-Literatur, das Wort „Ork“ existierte nicht, bevor Tolkien darüber schrieb. Er erfand es, um seine Idee einer dunklen, bösen und niederen Kreatur bezeichnen zu können – und es ist seitdem in der Fantasy-Welt ziemlich fest etabliert.

Auch hier kam das Wort nicht vor dem Gedanken. Der Ork wurde zuerst gedacht, noch unbenannt, und dann wurde ein Wort gewählt, um das Konzept anderen Leuten „in einem Wort“ mitteilen zu können.

Für mich sind das starke Hinweise, dass man durchaus Dinge denken kann für die es (noch) keine Worte gibt. Sobald darüber gesprochen oder geschrieben wird, werden dann Worte dafür gesucht und gefunden, oder neu erfunden, wenn sich kein passendes Wort finden lässt.

 

 

 

 

Neues, Altes und Gedanken darüber