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Ich glaube, ich hatte Glück mit der Schule und dem Studium


Ob das wahr ist? Wenn ja, dann gute Nacht, Deutschland. Außer Grips haben wir nämlich praktisch keine Resourcen, die wir im Internationalen Wettbewerb zu Geld machen können.

https://de.richarddawkins.net/articles/ich-bin-im-ghetto-gelandet

 

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Deutschlands Rohstoff ist Erfindergeist und Schaffenskraft


Irgendwann in der Schule wurde mir erklärt, dass Deutschland keine nennenswerten Bodenschätze oder andere Rohstoffe hat, die man gewinnbringend verkaufen könnte, und dass es unsere einzige Chance ist, gute Produkte herzustellen, die wir teurer verkaufen können, als die Rohstoffe, die zur Produktion notwendig sind (und die wir Mangels eigener Rohstoffe oft importieren müssen).

Da es beim Verkauf von Produkten einen inzwischen weltweiten Wettbewerb gibt, hat man zwei Möglichkeiten: man kann billiger anbieten als die Mitbewerber, oder so gute Produkte anbieten, dass es praktische keine Mitbewerber mehr gibt.

Billig zu produzieren funktioniert in Deutschland zwar seit Harz IV erstaunlich gut, aber mein Lehrer war damals eher der Meinung, unsere Entscheidung sollte auf höchstklassige Produkte lauten, der Ramschmarkt gibt einfach nicht genug her. Ich stimme ihm hier voll zu, und damit komme ich jetzt zum eigentlichen Thema.

Um hochwertige Produkte zu fertigen, höherwertige als die Mitbewerber, braucht man gut ausgebildete Leute. Egal, ob Designer, Techniker oder Entwickler, ohne gute Ausbildung, ohne das Hirn, hat Deutschland eben nichts, was andere Länder nicht auch hätten. „Billig“ können die anderen auch.

Und nun lese ich das hier:

https://sciencefiles.org/2018/03/21/systematische-zerstorung-fluchtlinge-bekommen-in-bremen-den-hauptschulabschluss-geschenkt/

Scheinbar hat man die Schulbildung zumindest in Bremen jetzt aufgegeben. Es geht nicht mehr darum, Ziele zu erreichen, sondern nur noch darum, das, was da ist, einzuteilen. Das ist aber nicht der Sinn der Schule. Die soll Schüler fit machen für das Leben, und dazu gehört eben auch das Arbeitsleben. Auch ein einfacher Handwerker braucht Mathe und Deutsch, der muss auch mal ausrechnen wie viel Material er für eine Aufgabe braucht, muss mal einen Brief schreiben oder etwas Lesen.

Meine Prognose: So wird das nichts mit der Zukunft von Deutschland. Wir brauchen richtig gute Leute, einige ganz in der Spitze, als Erfinder und Treiber neuer Entwicklungen, aber auch in der Breite, denn die Qualität der Produkte hängt an jedem einzelnen Arbeiter. Wie oben gesagt, billig können viele.  Da gehen wir über kurz oder lang unter.

PS: Gilt analog auch für Dienstleistungen.

 

Frauenfortbildung bringt weniger als Männerfortbildung?


Science Files titelt: „Frauenförderung lohnt sich nicht: Gesellschaftlicher Nutzen tertiärer Bildung für Männer dreimal so hoch“

https://sciencefiles.org/2017/10/02/frauenforderung-lohnt-sich-nicht-gesellschaftlicher-nutzen-tertiarer-bildung-fur-manner-dreimal-so-hoch/

Ein interessante Fragestellung, sicherlich. Leider werde ich aus der OECD Studie, die als Grundlage dieser Schlussfolgerung dient nicht richtig schlau.

Was mich jetzt beschäftigt, ist die Frage: Wie kommt das? Was genau ist gesellschaftlicher oder privater Nutzen einer Fortbildung, und warum scheinen Männer so viel mehr Nutzen aus einer Fortbildung zu ziehen?

Sogar der private Nutzen, also Fortbildungen, die man nur für sein eigenes Interesse absolviert, ist bei den Männern nach dieser Studie etwa um den Faktor 1.7 höher als bei Frauen. Ich hatte zumindest hier, beim privaten Nutzen, einen Wert nahe bei der 1.0 erwartet. Ich vermute, die Erklärung liegt darin, wie der Nutzen gemessen und bewertet wird … im Moment versuche ich mich als Künstler weiter zu entwickeln, der „Nutzen“ daraus, z.B. von dem, was ich für Fachliteratur und Kurse ausgebe, lässt sich aber in Euro nicht beziffern, da ich mit meiner Kunst auf absehbare Zeit kein Geld verdienen werde. Für mich persönlich ist ein Nutzen dieser Ausgaben aber sichtbar, meine Bilder und Grafiken werden besser.

Wieder mal so ein Rätsel …

PS: Hier wird es ein bischen klarer, zumindest der sogenannte gesellschaftliche Nutzen:

http://www.danisch.de/blog/2017/10/01/kosten-und-nutzen-der-frauenfoerderung/

Das ist also die Quote an Ausbildungskosten zu Steuer(mehr-)einnahmen durch die Arbeit der Ausgebildeten. Wie sich der private Nutzen errechnet bleibt aber auch hier offen.

Das auf die Steuereinnahmen zu reduzieren und dann von gesellschaftlichem Nutzen zu sprechen scheint mir etwas schräg. Kunst und Kultur bringt sicher nicht viel Steuereinnahmen, wurde aber fast immer als gesellschaftlich wertvoll betrachtet. Gesang und Musik, Schauspiel, Theater, Akrobatik, Lyrik, Prosa, Poesie … wenn wir nur noch Techniker und Ingenieure Fördern weil die am meisten Steuern abführen, dann wird das Leben aber ganz schön öde.

 

Lesetipp: Interessantes zur Geschichte der Schulpflicht


Science Files hat ein paar interessante Details zu Geschichte der Schulpflicht gesammelt:

https://sciencefiles.org/2017/09/28/fakenews-oder-geschichtsfalschung-deutschlandfunk-feiert-300-jahre-schulpflicht/

Es sollen, soviel möglich, alle Kinder, Knaben und Mägdelein, mit allem Ernst und Fleiß zur Schule gehalten werden, damit sie je zum wenigsten neben dem heiligen Katechismus, christlichen Gesängen und Gebeten recht lernen lesen und etwas schreiben

„Weimarische Schulordnung“ (1619)

Interessant zu sehen, dass die heute so viel diskutierte Gleichberechtigung wieder mal gar keine neue Idee ist, da schon vor fast 400 Jahren „alle Kinder, Knaben und Mägdelein“ zum Schulbesuch angehalten wurden – das ist in der Formulierung kurioserweise sogar LGBTQ* konform, lange bevor diese Idee erfunden wurde, da „Kinder“ auch die nicht-Knaben und nicht-Mägdelein einschließt und hier niemand bevorzugt oder ausgeschlossen wird. Auch wenn der weltliche Lehrplan mit der Minimalforderung Lesen und Schreiben noch etwas dünn war … das ist immerhin mal eine Grundlage sich später selbst weiter bilden zu können.