Archiv der Kategorie: Soziales und Politik

Lesetipp: Die kulturelle Vielfalt erreicht jetzt auch die Gerichtssäle


Eine Bereicherung sei die kulturelle Vielfalt, wird uns immer wieder erzählt. Hier eine Gegenerzählung:

https://rheinneckarblog.de/05/ein-richter-am-rande-des-nervenzusammenbruchs/134692.html

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Zu Langsam! Nicht nur der Verkehr steht im Stau


Lokale Themen hatte ich bislang selten hier im Blog, vermutlich nahm ich es bislang einfach hin wie es ist – dazu gehört seit mindestens 20 Jahren Stau rund um das Gewerbegebiet Vahingen-Möhringen, am Südrand von Stuttgart. Zu viele Pendler wollen täglich dort hinein und wieder hinaus, und die Strassen schaffen es nicht. 60.000 Beschäftige, davon geschätzte 22.000 Pendler.

Es sind nicht nur die direkten Zugangsstraßen, sondern auch die Zubringer, die am Rande des Kollapses stehen. Und jetzt wird neu gebaut, rund 8000 Beschäftigte zusätzlich werden nach Fertigstellung der neuen Gebäude dazukommen. Zum bereits vorhandene Stau, denn die wollen ja auch zu ihren Arbeitsplätzen und am Abend wieder nach Hause. Und dass alle davon den ÖPNV nutzen ist eher unwahrscheinlich.

Da sich kurzfristig an den Strassen nicht viel ändern lässt, kam jemand auf die nachgerade geniale Idee, den Luftraum über den Strassen zu nutzen. In ich meine genial jetzt nicht ironisch, sondern lobend – denn der Raum über den Strassen ist weitgehend frei, und kann praktisch sofort für Hochbahnen oder Seilbahnen genutzt werden.

Die Gemeinderäte haben jetzt angefangen, die Idee einer Seilbahn zu diskutieren. Eine (!) Seilbahn. Und angefangen zu diskutieren. Zum einen hat eine einzige Seilbahn aber einfach nicht die Kapazität, um wirklich Abhilfe zu schaffen, zum anderen nimmt der Nutzen eines Verkehrsmittels stark mit der Anzahl der erreichbaren Orte zu. D.h. eigentlich müsste es ein ganzes Netz von Seilbahnen werden, in und um das Gewerbegebiet herum. (Es gibt dort bislang eine Buslinie, und eine Straßenbahnlinie)

Ich könnte mit vorstellen, dass die Idee der Seilbahn tatsächlich Befürworter im Gemeinderat findet. Eventuell findet sich auch Geld. Dann muss geplant werden, ausgeschrieben und gebaut. Erfahrungsgemäß dauert das gut 10 Jahre, gerne auch mal 20 oder mehr bis es dann fertig ist. Eine Linie. Noch kein Netz.

Die Gebäude sind geplant in 3 oder 4 Jahren bezugsfertig lese ich, der Baufortschritt war dieses Jahr zumindest bei dem einen Komplex  enorm, das sieht für mich eher nach bezugsfertig nächstes Jahr aus.

D.h. zwischen den Zuwachs am Verkehr und der Hoffnung auf die erste Hoch- oder Seilbahn klafft eine Lücke von 10 Jahren, realistisch eher 15, und bis zu einer echten Lösung eher 25 – bis es dann mal ein Netz von Hoch- und Seilbahnen gibt, mit nennenswerter Kapazität, vielen Haltestellen und einer guten Anbindung an die anderen Verkehrsträger.

Schade. Die Idee ist gut, und sollte angesichts der Verkehrskatastrophe sofort angegangen werden.

Ein wenig wundert es mich, dass sich die Firmen für den Standort entschieden haben, aber eventuell wurde nur die Theorie der Lage (nähe Autobahn, nähe S-Bahn, nähe Flughafen, geplanter naher Regionalbahnhalt) und nicht die tatsächliche Überlastung der Strassen betrachtet – und inzwischen auch der S-Bahn, bei der weder der Takt verdichtet noch die Züge weiter verlängert werden können, und die praktisch täglich mit Ausfällen der Technik und anderen Behinderungen auf den bis zum Limit ausgelasteten Strecken zu kämpfen hat.

Für mich als Technikfan – bitte ein Netz von Hochbahnen in Magnetschwebetechnik im bislang wenig genutzten Freiraum über den Strassen. Und jetzt. Nur so zum zeigen, dass Deutschland tatsächlich noch Lösungen zustande bringt. Moderne, kreative, effiziente und effektive Lösungen.

Wenn die Magnetschwebetechnik zu teuer ist, Seilbahnen. Das wäre immer noch kreativ, effektiv und effizient. Aber nicht erst in 15 Jahren. Denn dann isch’d Katz d‘ Bach nah, wie ma‘ hier so schee sagt.

 

 

Nachdenkliches zum Klimawandel


Bislang ging ich davon aus, dass die globale Erwärmung real ist. Wie viel Einfluss der Mensch daran hat, da hatte ich meine Zweifel, aber die Temperaturkurven, die mir immer wieder gezeigt wurden, sagten ziemlich klar: Es wird wärmer. Zumindest im Durchschnitt über den ganzen Globus. Ein wenig hat es mich zwar immer schon gewundert, wie man es schafft, für die gesamte Erde eine Durchschnittstemperatur zu ermitteln, aber für die anderen Planeten im Sonnensystem findet man bei der NASA auch entsprechende Zahlen. Also ging ich davon aus, dass man das im Griff hat.

Ausgehend von der Annahme, dass die globale Erwärmung real ist, aber mit den Zweifeln, wie viel Einfluss der Mensch daran hat, interessierten mich vor allem Lösungen, wie man mit den Folgen umgeht (Landwirtschaft, Ernährung, Dürre, Flut, Unwetter, und in der Folge Flucht …), während die Politik sich damit beschäftigte, wie man die Erwärmung begrenzen könnte – und ich mich immer wieder ärgerte, dass man keinen Plan hat, wie man mit den Folgen umgehen könnte, sich nicht mal Gedanken darüber machte, ausser ggf. die Grenzen noch dichter zu machen um die Leute, deren Heimat durch Hitze und Dürre unbwohnbar wird, draussen zu halten. Was meiner Meinung nach keine Lösung sein konnte.

Erdgeschichtlich gesehen ist es im Moment weder besonders warm noch kalt. Die Erde war schon mal komplett zugefroren, alles Land und alle Ozeane von Eis bedeckt. Sie war auch schon mal komplett und ganzjährig eisfrei. D.h. was wir im Moment haben, ist gar nichts besonderes, und zwei Grad mehr oder auch vier, wären erdgeschichtlich immer noch nichts besonderes. Das einzige Besondere könnte die Geschwindigkeit der Änderung sein, aber da fehlen die Daten zum Vergleich – manche historisch belegten Erwärmungen oder Abkühlungen erfolgten jedoch auch recht schnell. Die Erdtemperatur reagiert nicht notwendigerweise sehr träge, auf große Vulkanausbrüche z.B. reagiert sie praktisch sofort.

Und nun fand ich dieses Video  – kurz gesagt, hier wird gezeigt, wie klein die Abweichung vom langjährigen Mittel eigentlich ist, wie sehr sie vom Messverfahren abhängt und wie unklar es ist, was die optimale Temperatur für die Erde (bzw. für eine von Menschen besiedelte Erde) eigentlich ist – Z.B. mir persönlich und an meinem Wohnort wären zwei oder vier Grad mehr gar nicht unrecht.

Das Video macht mich jetzt doch sehr nachdenklich. Vor allem die eine Stelle, an der gezeigt wird, dass die behaupte Abhängigkeit der Durchschnittstemperatur von der CO2 Konzentration nicht direkt folgt – der Redner meint, einen klaren Bruch erkannt zu haben, aber vielleicht folgt die Temperatur verzögert oder in einem nichtlinearen Zusammenhang mit zeitlicher Komponente – ich kann das im Moment nicht bewerten. Auf jeden Fall ist der Zusammenhang nicht so klar und linear wie meist behauptet wird.

Hier werden etliche Punkte angesprochen, die Schwächen der Messung, der Rechnung und der Prognosen aufzeigen. Das sollte zum Nachdenken und eigener Recherche anregen.

 

 

 

Lesetipp: Kritisches zu LehrerInnen, Jungen und Mädchenförderung


Auch wenn ich mit Herrn Klein von den Science-Files persönlich nicht kann, er bringt immer wieder gute Artikel. Hier etwas, das als Rundumschlag gegen die Frauenförderung verstanden werden kann, aber interessanterweise viele Quellen zitiert, die genau diese Aussagen belegen.

https://sciencefiles.org/2017/10/12/sinnlose-zerstorung-mit-dem-staatsfeminismus-in-die-armut/

Ein Punkt, der mir in diesem Zusammenhang nicht gefällt ist, dass der „gesellschaftliche“ Nutzen von Ausbildung lediglich daran gemessen wird, wie viel an Steuern zusätzlich eingenommen werden kann, wenn die Ausgebildeten dann auch gemäß der Ausbildung berufstätig werden. Aber Ausgaben/Einnahmen sind im Gegensatz von anderem gesellschaftlichen Nutzen eindeutig fassbar, somit ist es verständlich, dass Einnahmen und Ausgaben hier als Basis genommen werden – das ist wenigstens eindeutig Belegbar und der Diskussion insofern förderlich, dass der Punkt nicht strittig ist.

Persönlich würde ich mir dennoch wünschen, wenn man noch andere Aspekte einer besseren Ausbildung im Sinne von gesellschaftlichem Nutzen quantifizieren könnte, und das Bild damit abrunden. Da ich mir allerdings selbst schwer tue, nur einen einzigen solchen Aspekt klar zu benennen, fürchte ich, das wird nix. Eines kann ich jedoch aus eigener Erfahrung sagen – ab dem Punkt, an dem Eltern beginnen zu sagen „Das kann ich Dir auch nicht erklären“ oder „Das habe ich nie gelernt“, wird Schule ein ganzes Stück schwerer. Zumindest indirekt müsste sich die Ausbildung der Eltern also im besseren Lernerfolg der Kinder niederschlagen.

 

Frauenfortbildung bringt weniger als Männerfortbildung?


Science Files titelt: „Frauenförderung lohnt sich nicht: Gesellschaftlicher Nutzen tertiärer Bildung für Männer dreimal so hoch“

https://sciencefiles.org/2017/10/02/frauenforderung-lohnt-sich-nicht-gesellschaftlicher-nutzen-tertiarer-bildung-fur-manner-dreimal-so-hoch/

Ein interessante Fragestellung, sicherlich. Leider werde ich aus der OECD Studie, die als Grundlage dieser Schlussfolgerung dient nicht richtig schlau.

Was mich jetzt beschäftigt, ist die Frage: Wie kommt das? Was genau ist gesellschaftlicher oder privater Nutzen einer Fortbildung, und warum scheinen Männer so viel mehr Nutzen aus einer Fortbildung zu ziehen?

Sogar der private Nutzen, also Fortbildungen, die man nur für sein eigenes Interesse absolviert, ist bei den Männern nach dieser Studie etwa um den Faktor 1.7 höher als bei Frauen. Ich hatte zumindest hier, beim privaten Nutzen, einen Wert nahe bei der 1.0 erwartet. Ich vermute, die Erklärung liegt darin, wie der Nutzen gemessen und bewertet wird … im Moment versuche ich mich als Künstler weiter zu entwickeln, der „Nutzen“ daraus, z.B. von dem, was ich für Fachliteratur und Kurse ausgebe, lässt sich aber in Euro nicht beziffern, da ich mit meiner Kunst auf absehbare Zeit kein Geld verdienen werde. Für mich persönlich ist ein Nutzen dieser Ausgaben aber sichtbar, meine Bilder und Grafiken werden besser.

Wieder mal so ein Rätsel …

PS: Hier wird es ein bischen klarer, zumindest der sogenannte gesellschaftliche Nutzen:

http://www.danisch.de/blog/2017/10/01/kosten-und-nutzen-der-frauenfoerderung/

Das ist also die Quote an Ausbildungskosten zu Steuer(mehr-)einnahmen durch die Arbeit der Ausgebildeten. Wie sich der private Nutzen errechnet bleibt aber auch hier offen.

Das auf die Steuereinnahmen zu reduzieren und dann von gesellschaftlichem Nutzen zu sprechen scheint mir etwas schräg. Kunst und Kultur bringt sicher nicht viel Steuereinnahmen, wurde aber fast immer als gesellschaftlich wertvoll betrachtet. Gesang und Musik, Schauspiel, Theater, Akrobatik, Lyrik, Prosa, Poesie … wenn wir nur noch Techniker und Ingenieure Fördern weil die am meisten Steuern abführen, dann wird das Leben aber ganz schön öde.

 

Lesetipp: Interessantes zur Geschichte der Schulpflicht


Science Files hat ein paar interessante Details zu Geschichte der Schulpflicht gesammelt:

https://sciencefiles.org/2017/09/28/fakenews-oder-geschichtsfalschung-deutschlandfunk-feiert-300-jahre-schulpflicht/

Es sollen, soviel möglich, alle Kinder, Knaben und Mägdelein, mit allem Ernst und Fleiß zur Schule gehalten werden, damit sie je zum wenigsten neben dem heiligen Katechismus, christlichen Gesängen und Gebeten recht lernen lesen und etwas schreiben

„Weimarische Schulordnung“ (1619)

Interessant zu sehen, dass die heute so viel diskutierte Gleichberechtigung wieder mal gar keine neue Idee ist, da schon vor fast 400 Jahren „alle Kinder, Knaben und Mägdelein“ zum Schulbesuch angehalten wurden – das ist in der Formulierung kurioserweise sogar LGBTQ* konform, lange bevor diese Idee erfunden wurde, da „Kinder“ auch die nicht-Knaben und nicht-Mägdelein einschließt und hier niemand bevorzugt oder ausgeschlossen wird. Auch wenn der weltliche Lehrplan mit der Minimalforderung Lesen und Schreiben noch etwas dünn war … das ist immerhin mal eine Grundlage sich später selbst weiter bilden zu können.