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Feinstaubquellen, Feinstaubsorten und das Diesel-Fahrverbot


Feinstaub ist im Moment in aller Munde, und es wird viel auf die Autos geschimpft, besonders auf den Diesel. Ich war mal stark an Chemie interessiert, auch an Physik, und es stört mich dass Feinstaub so undifferenziert betrachtet wird. Das sind ganz unterschiedliche Partikel, nicht nur von der Größe her, nach denen sie normalerweise klassifiziert werden sondern auch der Form nach, und vor allem der Substanz aus der sie bestehen. Der letzte Punkt ist derjenige warum ich diesen Artikel schreibe, manche Substanzen sind einfach gefährlicher als andere, aber in der Diskussion wird nur die Gesamtmenge des Staubs betrachtet, weil es dafür Grenzwerte gibt.

Zum Beispiel sind unsere geliebten Wälder ganz natürliche Feiunstaubquellen. Es sind aber andere Substanzen als die von den Autos abgegebenen. Dennoch sind nicht alle davon gesund, aber scheinbar hat sich der Mensch daran angepasst, bzw, die Evolution hat einfach alle aussortiert die durch natürliche Feinstäube zu früh gestorben sind, um sich vermehren zu können.

Entgegen der landläufigen Meinung, dass Feinstaub in erster Linie durch den Menschen verursacht wird, stammen grob geschätzt mehr als 85% der weltweit in die Atmosphäre eingetragenen Feinstaubmasse aus natürlichen Quellen. Neben den Ozeanen und Wüsten sind auch Wälder regional wichtige Quellen für Feinstaub.

Jedem ist der typische Nadelwaldduft während eines Waldspaziergangs vertraut. Dieser Duft ist eine komplexe Mischung verschiedenster chemischer Verbindungen, die von den Bäumen und anderen Pflanzen in die Luft abgegeben werden.

Quelle: http://www.schattenblick.de/infopool/umwelt/klima/uklfo366.html

Zurück zu den Autos. Die Motoren sind weder die einzige noch die größte Feinstubquelle:

In Stuttgart wurden 2015 durch Autos jeden Tag rund 475 Kilogramm Feinstaub freigesetzt. Davon entstehen rund 77 Kilogramm durch die Abgase. Rund 398 Kilogramm, also etwa 84 Prozent, entstehen aber durch den Abrieb von Reifen, Bremsen und durch Wiederaufwirbelung …

Quelle: https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.dekra-auto-chef-zu-feinstaub-in-stuttgart-es-gibt-besseres-als-fahrverbote.facef8e6-6e05-4a6b-8684-db78c242c5c2.html

Und jetzt wird’s knifflig. Dieselruß ist oft mit aromatischen Kohlenwasserstoffverbindungen „verseucht“, die zum größten Teil im Verdacht stehen, krebserregend zu sein, für manche wie Benzol ist das seit langem bewiesen. Solche Stäube halte ich für sehr ungesund. Aber sie sind gleichzeitig auch ein relativ geringer Anteil, und, was mich besonders ärgert, sie wären mit einer guten Abgasreinigung fast vollständig vermeidbar. Großdiesel wie in neuen LKWs sind kurioserweise mit leistungsfähigen Abgasreinigungsanlagen versehen, wärend man bei Diesel PKW daran gespart hat.

Gummiabrieb betrachte ich als ähnlich schädlich wie Rußpartikel, aus einem einfachen Grund – die schwarze Farbe der Gummireifen kommt von Rußpartikeln, die man dem Gummi zusetzt. D.h. da ist schon wieder Ruß dabei, aber schwer zu sagen, aus welchen Quellen der Ruß stammt.

Z.B. Ruß von Holz ist auch nicht ganz ohne:

Das Heizen mit Holz verursacht, auch wenn es sachgerecht vorgenommen wird, deutlich größere luftverschmutzende Emissionen als andere Energieträger wie Heizöl oder Erdgas. Es ist daher nicht auszuschließen, dass es in einigen Wohngebieten zu kurzzeitigen Belastungen mit Feinstaub und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) kommen kann – insbesondere dann, wenn in einem Wohngebiet viele Holzöfen und Kamine gleichzeitig betrieben werden

Quelle: https://www.umweltbundesamt.de/emissionen-aus-kleinfeuerungsanlagen-in#textpart-2

Oft werden die Bremsen als weitere Quelle von bösem Feinstaub angeführt:

Statt Abgasen sind Reifen und Bremsen eine Hauptquelle von Feinstaub

Quelle: http://www.zeit.de/mobilitaet/2017-02/feinstaub-motoren-luftverschmutzung-reifen-abrieb-bremsen

Um ehrlich zu sein, mit den Überlegungen zum Bremsenabrieb begann dieser Artikel in meinem Kopf zu reifen. Ich muss zugeben, mein KFZ Fachwissen ist veraltet, weil ich als Jugendlicher als den bereits alten Büchern meines Vaters gelernt habe, und das jetzt auch schon wieder 30 Jahre her ist. Ich hatte damals gelernt, dass Bremsscheiben und -backen aus Grauguss sind, eine Legierung hauptsächlich aus Eisen und Grafit. Und zumindest der Eisenanteil sollte, selbst wenn er eingeatmet wird, vom Körper gut abbaubar sein, und damit gesundheitlich ein viel geringeres Problem als Dieselruß.

Für meine Heimatstadt Stuttgart gibt es eine grobe Schätzung, dass 30% des menschgemachten Feinstaubs von der Industrie kommen (was für Stäube das sind, wird nie erklärt), 30% aus Heizungsanlagen, 30% vom Verkehr, und 10% aus anderen Quellen.

Von den 30% vom Verkehr ist viel Bremse und Reifen, sowie Dreck von der Fahrbahn, und wiederum nur 15% von den Motoren.

D.h. insgesamt beträgt der Anteil der Motoren etwa 4,5% am Gesamtfeinstaub.

Und jetzt kommen sie mit Fahrverboten für Diesel. Ehrlich, wer glaubt, dass das etwas bringt? Rund 60% kommen sowieso aus anderen Quellen als dem Verkehr, 85% der Stäube aus dem Verkehr kommen nicht vom Motor, sondern von Bremsen, Reifen und Fahrbahn, einige dieser Stäube (Eisen der Bremsen) sind vemutlich relativ harmlos, während die Industriestäube praktisch gar nicht diskutiert werden, und mit 30% anteilmäßig mindestens so schlimm sind wie der gesamte Verkehr.

Meine Vorhersage: Ein Fahrverbot bringt so wenig, dass in Stuttgart weiterhin alle Grenzwerte gerissen werden. Aber die Politik kann behaupten, sie tut was . Nun ja, sie ärgert zumindest die Dieselfahrer, so viel ist sicher. Ob es der Luft hilft? Ich glaub’s nicht.

 

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Zu Langsam! Nicht nur der Verkehr steht im Stau


Lokale Themen hatte ich bislang selten hier im Blog, vermutlich nahm ich es bislang einfach hin wie es ist – dazu gehört seit mindestens 20 Jahren Stau rund um das Gewerbegebiet Vahingen-Möhringen, am Südrand von Stuttgart. Zu viele Pendler wollen täglich dort hinein und wieder hinaus, und die Strassen schaffen es nicht. 60.000 Beschäftige, davon geschätzte 22.000 Pendler.

Es sind nicht nur die direkten Zugangsstraßen, sondern auch die Zubringer, die am Rande des Kollapses stehen. Und jetzt wird neu gebaut, rund 8000 Beschäftigte zusätzlich werden nach Fertigstellung der neuen Gebäude dazukommen. Zum bereits vorhandene Stau, denn die wollen ja auch zu ihren Arbeitsplätzen und am Abend wieder nach Hause. Und dass alle davon den ÖPNV nutzen ist eher unwahrscheinlich.

Da sich kurzfristig an den Strassen nicht viel ändern lässt, kam jemand auf die nachgerade geniale Idee, den Luftraum über den Strassen zu nutzen. In ich meine genial jetzt nicht ironisch, sondern lobend – denn der Raum über den Strassen ist weitgehend frei, und kann praktisch sofort für Hochbahnen oder Seilbahnen genutzt werden.

Die Gemeinderäte haben jetzt angefangen, die Idee einer Seilbahn zu diskutieren. Eine (!) Seilbahn. Und angefangen zu diskutieren. Zum einen hat eine einzige Seilbahn aber einfach nicht die Kapazität, um wirklich Abhilfe zu schaffen, zum anderen nimmt der Nutzen eines Verkehrsmittels stark mit der Anzahl der erreichbaren Orte zu. D.h. eigentlich müsste es ein ganzes Netz von Seilbahnen werden, in und um das Gewerbegebiet herum. (Es gibt dort bislang eine Buslinie, und eine Straßenbahnlinie)

Ich könnte mit vorstellen, dass die Idee der Seilbahn tatsächlich Befürworter im Gemeinderat findet. Eventuell findet sich auch Geld. Dann muss geplant werden, ausgeschrieben und gebaut. Erfahrungsgemäß dauert das gut 10 Jahre, gerne auch mal 20 oder mehr bis es dann fertig ist. Eine Linie. Noch kein Netz.

Die Gebäude sind geplant in 3 oder 4 Jahren bezugsfertig lese ich, der Baufortschritt war dieses Jahr zumindest bei dem einen Komplex  enorm, das sieht für mich eher nach bezugsfertig nächstes Jahr aus.

D.h. zwischen den Zuwachs am Verkehr und der Hoffnung auf die erste Hoch- oder Seilbahn klafft eine Lücke von 10 Jahren, realistisch eher 15, und bis zu einer echten Lösung eher 25 – bis es dann mal ein Netz von Hoch- und Seilbahnen gibt, mit nennenswerter Kapazität, vielen Haltestellen und einer guten Anbindung an die anderen Verkehrsträger.

Schade. Die Idee ist gut, und sollte angesichts der Verkehrskatastrophe sofort angegangen werden.

Ein wenig wundert es mich, dass sich die Firmen für den Standort entschieden haben, aber eventuell wurde nur die Theorie der Lage (nähe Autobahn, nähe S-Bahn, nähe Flughafen, geplanter naher Regionalbahnhalt) und nicht die tatsächliche Überlastung der Strassen betrachtet – und inzwischen auch der S-Bahn, bei der weder der Takt verdichtet noch die Züge weiter verlängert werden können, und die praktisch täglich mit Ausfällen der Technik und anderen Behinderungen auf den bis zum Limit ausgelasteten Strecken zu kämpfen hat.

Für mich als Technikfan – bitte ein Netz von Hochbahnen in Magnetschwebetechnik im bislang wenig genutzten Freiraum über den Strassen. Und jetzt. Nur so zum zeigen, dass Deutschland tatsächlich noch Lösungen zustande bringt. Moderne, kreative, effiziente und effektive Lösungen.

Wenn die Magnetschwebetechnik zu teuer ist, Seilbahnen. Das wäre immer noch kreativ, effektiv und effizient. Aber nicht erst in 15 Jahren. Denn dann isch’d Katz d‘ Bach nah, wie ma‘ hier so schee sagt.