Archiv der Kategorie: Technik

Die Zukunft piepst uns was


Mir scheint, unsere elektrische Zukunft wird piepsig.

  • Das Netzteil meines elektronischen Bilderrahmens fiepst.
  • Eine meiner neuen LED Lampen fiepst.
  • Das Elektroauto des Nachbarn ein paar Häuser weiter fiepst bei langsamer Fahrt

Ja, ich weiss, das liegt an den getakteten Spannungswandlern und Leistungssteuerungen. Nein, ich glaube nicht, dass es hilft, das Piepsen in den Ultraschallbereich zu verlegen. Dann nervt man nur die Katzen, Hunde und all die andere Tiere, die hohe Frequenzen noch hören können.

Hoffentlich wird das noch besser, denn so mag ich die neue Technik nicht, auch wenn das Licht der LEDs sehr schön wäre, der Bilderrahmen ein Schmuckstück und das Auto umweltfreundlich. Aber zumindest die LED und den Bilderrahmen kann ich so nicht betreiben, das Gefiepe in der Wohnung nervt zu sehr.

Advertisements

Der Stählerne Säbelzahn, oder, wenn Katzen Raumschiffe bauen


Vor einige Zeit hat mich ein Bekannter gefragt, ob ich Interesse hätte an einem sehr freien Rollenspiel, mehr in der Art einer gemeinsam erzählten Geschichte ohne viel Regelwerk. Ich bin nicht mehr ganz sicher wie wir auf das Thema „Bergbau im Weltraum“ gekommen sind, aber es war etwas, das uns beide interessierte, und für mich, trotz meiner psychischen Probleme, die damals wieder mal recht heftig waren, machbar erschien.

Der Stählerne Säbelzahn, oder, wenn Katzen Raumschiffe bauen weiterlesen

Bildmanipulation wird immer besser


Es fällt Menschen schon beim heutigen Stand der Technik schwer, manipulierte Fotos zu erkennen:

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Bildbearbeitung-Menschen-fallen-leicht-auf-manipulierte-Fotos-herein-3773950.html

Ich muss sagen, ich habe auch schon manches Bild im Internet betrachtet, und konnte nicht sicher sagen, ob es „echt“ war, editiert oder gar vom Computer generiert. Und das, obwohl ich selbst viel mit Fotos und generierten Grafiken arbeite.

Auch viele Produktgrafiken in der Werbung sind gar keine Fotos mehr, sondern auf 3D Modellen basierende Darstellungen, die ein Computer berechnet hat … ich glaube, wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass etwas, das wie ein Foto aussieht auch ein Abbild der Ralität ist – wobei auch schon Fotos irreführend sein konnten, da sie weder 3D noch Farbecht sind, und das Linsensystem im Objektiv auch schon perspektivische Korrekturen durchführt.

 

Das gute alte Apfelmännchen


Irgendwie hatte ich die schön bunten Fraktalbilder aus den 1980er und 90er Jahren vermisst, und da ich für den Texturgenerator erst vor kurzen so einen netten Farbgradienteneinsteller programmiert hatte, habe ich auch gleich noch den Generator für die Mandelbrotmenge dazu programmiert. Ist noch nicht ganz perfekt, aber schon sehr hübsch anzuschauen.

Mandelbrotmenge, Ausschnitt
Mandelbrotmenge, Ausschnitt

Irgendwie fühlt es sich jedoch seltsam an – ich erinnere mich noch gut, dass damals auf meinem Atari ST die Berechnungen in BASIC Stunden dauerten, und auch meine spätere Assembler-Implementierung immer noch im Minutenbereich lag. Und jetzt geht es in Java in Sekundenbruchteilen. Nicht dass ich mich beklagen würde, an diesen Dingen merkt man es dann wirklich wie viel schneller die Computer heute eigentlich sind – und wenn sie dennoch langsam wirken, mit wie viel Ballast sie zugemüllt sind.

PS: Und noch eines, mit einem anderen Farbschema:

Mandelbrotmenge, Ausschnitt
Mandelbrotmenge, Ausschnitt

Polymerbeton mit Wüstensand


Im Gegensatz zu viele anderen Sanden, die recht gezackte oder kantige Körner haben, sind die Körner von Wüstensand ziemlich rund. Das hat zur Folge dass sie gut übereinander rollen und schlecht gegeneinander verkeilen oder verzahnen, was sie als Zusatz zu Beton für Bauzwecke wertlos macht – Beton aus Wüstensand wird nicht fest genug.

Wüstensand gibt es zwar überreichlich, er ist beim Bau aber unbrauchbar, der Wind schleift die Körner so rund und glatt, dass sie schlecht haften.

Quelle: http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/Der-Sand-wird-knapp/story/24574400

Diese Tage fand ich dann den folgenden Artikel – wenn man den richtigen Binder verwendet, kann man auch mit den runden Wüstensandkörnern stabile Bausteine herstellen:

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Mit-einem-neuen-Verfahren-wird-aus-Wuestensand-ein-Baumaterial-3745747.html

In meiner Zeit als Modellbauer konnte ich einige Erfahrungen mit Polyester- und Epoxidharzen sammeln. Mein Eindruck ist, dass diese Harze an sich schon so stabil sind, dass sie mit fast jedem Füllmaterial als Baustoff taugen sollten. Sie sind allerdings teuer – das erwähnt auch der Artikel, dass die Bausteine aus Polymerbeton recht teuer sind.

Ein Zitat aus dem Artikel:

Zwar sind die Steine aus Polymerbeton relativ teuer, doch laut Dust werden Häuser damit trotzdem billiger als gewöhnliche. Seine Begründung: Man braucht dafür weder einen Kran noch Bauprofis und zudem weniger Material. Eine schlüsselfertige 37-Quadratmeter-Unterkunft soll sich auf diese Weise für rund 15.000 Euro errichten lassen, der Rohbau sogar für nur 5.000 Euro.

In Ägypten, Tunesien, Algerien und Marokko kann ich mir vorstellen, dass das Verfahren im Vergleich zum Bauen mit importierten Sand und Beton konkurrenzfähig ist. In den südlichen Sahara-Anreinerstaaten eher weniger, dort werden 15.000 Euro für ein kleines Haus vermutlich für viele zu teuer sein.

Viele arabische Staaten sind eher reich, und haben reichlich Wüstensand. Dort dürfte das Verfahren auch interessant sein, ebenso in China mit der Wüste Gobi.

Was mich jetzt noch interessieren würde, sind die Ausdünstungen, welche die kunstharzgebundenen Bausteine an die Raumluft in den Häusern abgeben. Auf meinen Dosen mit Polyester- und Epoxidharz prangten immer schöne Warnzeichen wie „Reizend„, d.h. zumindest im Rohzustand sind diese Harze nicht so gut verträglich.

Leider sagt der Artikel dazu nichts, nicht einmal welche Art von Harzen verwendet wird – verständlich einerseits, das ist vermutlich das Kerngeheimnis des Geschäfts; wenn man die Harze kennt, kann das vermutlich jeder machen. Schade aber, denn auf diese Weise kann man nicht recherchieren, was über die gesundheitlichen Auswirkungen dieser Harze bekannt ist.

Mein Fazit – Schön, dass die Sandknappheit gelindert werden kann, indem man Bausteine aus Wüstensand mit Polymerbinder herstellt. Schade, dass über die Wirkungen der Harze bzw. der Ausdünstungen auf den Menschen nichts berichtet wird.

PS: Noch ein zweiter Artikel zum Thema, kurz und dennoch informativ:

http://www.trendsderzukunft.de/neues-kunstharz-statt-zement-stabile-haeuser-aus-wuestensand-erstmals-moeglich/2016/11/18/

Grenfell Tower – Giftige Gase durch Fassadenbrand


Es ist ja schon schlimm genug, dass man Gebäude mit brennbaren Materialen verkleidet, so dass ein Feuer sich recht schnell entlang der Fassade am Gebäude hochfressen kann. So reicht eine brennende Mülltonne, die an einer Steinwand gerade mal einen Rußfleck hinterlassen würde, nun als Auslöser für einen Großbrand.

Schlimmer ist es jedoch, wenn das verwendete Material beim Brand auch noch giftige Gase erzeugt, welche die Bewohner des Hauses lähmen oder anderweitig handlungsunfähig machen, so dass sie im Brandfall nicht einmal mehr aus eigener Kraft fliehen können.

http://www.telegraph.co.uk/news/2017/06/22/grenfell-tower-victims-poisoned-cyanide-insulation-released/

Das am Grenfell Tower verwendete Dämmaterial Polyisocyanurat setzt beim Brand Blausäure und Kohlenmonoxid fei.

Zum Kohlenmonoxid weiß Wikipedia:

Das Gas ist giftig, da es viel stärker an Hämoglobin bindet als Sauerstoff und so den Sauerstofftransport durch das Blut unterbindet. Die Kohlenstoffmonoxidintoxikation ist häufig ein Teilvorgang der Rauchgasvergiftung […]; sie kann innerhalb kurzer Zeit tödlich sein.

Kurz gesagt, dieses Gas erstickt die Opfer, weil das Blut keinen Sauerstoff mehr transportieren kann. Durch den Sauerstoffmangel verliert das Opfer relativ schnell das Bewusstsein und kann sich damit nicht mehr selbst helfen, selbst wenn es bis zum Eintritt des Todes noch etwas dauert und eine Rettung möglich wäre.

Zur Blausäure sagt Wikipedia:

Blausäure ist extrem giftig, schon 1–2 mg Blausäure pro kg Körpermasse wirken tödlich. Die Aufnahme kann, neben der direkten Einnahme, auch über die Atemwege und die Haut erfolgen. Letzteres wird durch Schweiß begünstigt, da Blausäure eine hohe Wasserlöslichkeit besitzt.

Auch dieses Gas wirkt erstickend, aber auf einer anderen, der zellulären Ebene. Die Zellen können keinen Sauerstoff mehr verwerten, da die entsprechenden Enzyme blockiert werden. Das führt sehr schnell zum Tod.

Die Fassade am Grenfell Tower war also nicht nur brennbar, sondern setzte auch giftige Gase frei, die im Falle der Bläusaure schon in geringer Konzentration tödlich sind, auch Kohlenmonoxidvergiftungen sind nicht zu unterschätzen, zu viele Menschen sind daran schon gestorben.

Ich frage mich, ob Deutschland in diesem Zitat aus dem Artikel, im Satz, “ and most of the EU“ mit gemeint ist:

The UK and most of Europe have no regulations on the toxicity of fire smoke from construction products, even though escape from a high-rise building may be equally impossible

Prof Richard Hull

In der EU wird so viel reguliert, inklusive der maximalen Stromaufnahme eines Staubsaugers, aber Baustoffe, die im Brandfall giftige Gase freisetzen, nicht? Ich glaube, da muss ich noch mal extra recherchieren.

Im Prinzip bin ich für Wärmedämmung an Gebäuden, aber diese sollte nicht zur potentiellen Todesfalle für die Bewohner werden. Vor allem, wenn es z.B. mit Glas- oder Steinwolle ungiftige und nicht brennbare Dämmstoffe gibt, die auch bei der Entsorgung kein Problem sind – das bei uns so gern verwendete, brandgehemmte Styropor ist streng genommen wegen der für den Brandschutz verwendeten Chemikalien Sondermüll, auch wenn es Ausnahmereglungen speziell für Styropor als Baumaterial gibt. Giftig bleibt es trotz der Sonderlocke für die Entsorger.

 

Solarkraft in Marokko


Ich oute mich jetzt mal als großen Fan der Nutzung von Sonnenenergie, nicht nur zur Stromerzeugung sondern auch als Wärmequelle. Eigentlich interessiert mich sogar mehr die Wärme als der Strom, weil der Wirkungsgrad der Verstromung je nach Technologie bei 15-30% liegt, die Sonne als Wärmequelle jedoch zu praktisch 100% genutzt werden kann – ok, Verluste gibt es auch hier, aber die Energieform muss nicht gewandelt werden, d.h. die Verluste sind prinzipiell viel geringer als bei der Verstromung.

Es wird schon ein Jahr her sein, oder mehr, als mich ein Artikel auf den Neubau eines Kraftwerksparks in Marokko aufmerksam machte. Dort werden vier Solarkraftwerke, Noor I bis Noor IV, errichtet, die drei verschiedene Technologien nutzen werden.

  • Zwei Parabolrinnenkraftwerke (Noor I und II)
  • Ein Solarturmkraftwerk (Noor III)
  • Einmal Photovoltaik mit Solarzellen (Noor IV)

Spannend an den ersten beiden Technologien ist es, dass die tagsüber gesammelte Wärme gespeichert (*) werden kann, und man den Dampf für die Turbinen in den Abendstunden mit der gespeicherten Wärme erzeugen kann, so dass diese Kraftwerke nicht nur tagsüber, sondern auch in den Abendstunden Strom erzeugen könnnen. Für das Turmkraftwerk Noor III ist der Speicher laut der Planung auf 7 Stunden bei Vollast ausgelegt, d.h. noch 7 Stunden nach Sonnenuntergang kann dieses Kraftwerk seine volle Leistung zur Verfügung stellen. Salopp gesagt reicht das, um Abends Fernsehen zu gucken und die Bude zu beleuchten bis man dann ins Bett geht.

Besonders spannend finde ich das Turmkraftwerk auch noch aus einem anderen Grund. Hier wird eine Salzschmelze auf rund 700°C Arbeitstemperatur erwärmt. Das ist eine Temperatur, die auch als Prozesswärme für die chemische Industrie interessant ist. D.h. neben der Verstromung könnte man die Wärme eines solchen Kraftwerks auch direkt für chemische Prozesse nutzen, und damit fossile Brennstoffe als Wärmequelle einsparen.

Der Focus hat ein schönes Luftbild der im Bau befindlichen Anlage veröffentlicht, Stand 03.04.2017:

http://www.focus.de/fotos/das-solarkraftwerk-noor-3-in-der-naehe-von-ouarzazate-marokko_id_6882029.html

Mit solchen Solartürmen können noch höhere Temperaturen erzielt werden. Bis etwa 1300° gehen technisch sinnvolle Anwendungen um Arbeitsmedien zu erwärmen, darüber werden die Materialien für die Absorber und Leitungen knapp. Viele Metalle schmelzen bei diesen Temperaturen oder werden weich, und man muss auf  keramische Elemente oder hochtemperaturfeste Gläser zurückgreifen.

In speziellen Solarschmelzöfen werden routinemässigTemperaturen bis 3.800°C erreicht, was für die Metallverarbeitung bzw. die Keramikherstellung interessant ist. Die Herstellung hochreiner Schmelzen ist hier tendenziell einfacher als in Verbrennungsöfen, da keine Abgase aus einer Verbrennung den Prozess stören.

Gut finde ich, dass hier am gleichen Standort drei Technologien in relativ großem Maßstab erprobt werden, damit hat man gute Vergleichsmöglichkeiten, was die Wirtschaftlichkeit und Zuverlässigkeit der Technologien angeht.

(*) Mit mineralischen Speichern, z.B. Keramik oder Gestein, kann auch thermische Energie von über 1500°C gespeichert werden, d.h. man hat hier Temperaturen im Speicher, die für viele industrielle Prozesse interessant sind.