Giftiges Chrom?


Irgendwie bin ich letztes Jahr bei einer Recherche über Metalle auch am Chrom hängengeblieben. Ich habe den Artikel bei Wikipedia gelesen, mir aber nicht viel dabei gedacht. Was mich primär interessierte waren Chromvorkommen, bzw. ob und wie ich das Metall in einem Weltraum-Erforschungs-Spiel einsetzen könnte.

Im Gedächtnis geblieben ist mir auch, dass viele Chromverbindungen giftig sind, einige davon krebserregend.

http://de.wikipedia.org/wiki/Chrom#Sicherheitshinweise_und_biologische_Bedeutung

Aber abgesehen davon, dass ich es mir gemerkt habe, ist nicht viel passiert. In den letzten Wochen bin ich jedoch ins Grübeln gekommen. Wir verwenden immer mehr Edelstahl, auch in der Küche. Edelstahl enthält einen relativ großen Anteil an Chrom. Wasserhähne und Badarmaturen werden verchromt.

Werkzeug wird verchromt, auch Schmuckteile werden verchromt. Chromverbindungen sind oft stark gefärbt und werden als Pigmente in der Malerei eingesetzt.

Es gibt sicher viele Gründe warum Krebserkrankungen in den letzten 50 Jahren zugenommen haben. Spritzmittel, Konservierungstoffe, eine Vielzahl von Zusatzstoffen in Kunstoffen und der Bekleidung.

Eigentlich würde ich annehmen, dass alle bekannten Quellen krebserregender Substanzen nach und nach verboten werden und aus dem Verkehr gezogen werden.

Jetzt wundere ich mich, warum chromhaltiges Edelstahlessbesteck, Kochgeschirr, verchromte Armaturen in Küche und Bad kein Problem sind.

Gerade beim Kochen werden allerlei Säuren und Laugen verwendet (dem Koch oft nicht als solche bekannt, aber chemisch als solche wirksam), die das Chrom meines Wissens nach angreifen können.

Vielleicht ist die Antwort: „Liegt unterhalb des Grenzwertes, und ist daher unbedenklich“. Das mag sogar sein, wenn man Chrom für sich alleine betrachtet. Aber ich Frage mich, gerade da so viele ungesunde Substanzen in dieser Zeit auf uns einwirken, müsste man nicht eher die Gesamtbelastung betrachten, und eben auch kleine Quellen giftiger Substanzen eliminieren?

Chrom-Vanadium Werkzeuge im Handwerk sind vielleicht kein Problem. Die kommen mit Nahrung und Trinkwasser eher nicht in Kontakt und haben Griffe aus anderen Materialien. Aber verchromte oder chromhaltige  Wasserhähnen, Kochgeschirr und Essbesteck erscheinen mir verdächtig.

Wenn ein Chemiker, Biologe, Mediziner oder auch sonst jemand mit Fachkenntnissen mitliest, und gerade denkt was für ein Unfug hier verzapft wird, ich bin für Aufklärung aufgeschlossen und auch dankbar. Bis dahin verbuche ich es unter „ungelöste Fragen“.

Nachtrag, 24.03.2014

Es sieht so aus, als wären Chromstähle unbedenktlich, weil das Chrom, das daraus gelöst wird, in der weniger toxischen dreiwertigen Form vorliegt, die auch natürlich vorkommt, und an die unser Körper angepasst ist:

Akute und chronische Toxizität liegt bei Chrom im wesentlichen bei sechswertigen Verbindungen (Cr VI) vor. Bei oraler Aufnahme würde lösliches sechswertiges Chrom zu dreiwertigem Chrom reduziert, bevor es im Verdauungskanal aufgenommen wird.

In Gebrauchsgegenständen oder Ausrüstungen für die Nahrungsmittelverarbeitung liegt Chrom in dreiwertiger Form vor, so daß keinerlei Toxizität zu erwarten ist. Es ist nicht nur unbedenklich, sondern sogar gesundheitlich förderlich.

http://www.edelstahltechnik.at/etz/images/TheSafeChoice_DE.pdf

Das ist jetzt von einem Hersteller, der natürlich die Sicherheit seiner Produkte herausstellen will. Aber auch andere Quellen bestätigen, dass Chrom vor allem in der sechswertigen Form giftig und krebserregend ist. Ein offener Punkt ist noch die Frage, warum, oder wodurch sechswertige Chromverbindungen, (falls solche beim Kochen entstehen können), beim Schlucken zu dreiwertigem Chrom reduziert werden, bevor sie Schaden anrichten.

Wenn das immer der Fall wäre, dann sollten auch alle als „hochgiftig“ deklarierten Chrom-VI-Salze bei oraler Einnahme ungiftig sein, was meines Wissens nach aber nicht der Fall ist (zumindest warnt mein Chemiebuch ganz deutlich davor).

Hoffen wir mal, dass beim Kochen keine Reaktionen stattfinden, die Chrom bis zu Chrom VI oxidieren können.

Allerdings, zeigt der Artikel auch, dass man mit Edelstahltöpfen in Bezug auf die Chrom III Konzentration nahe an den gesetzlichen Grenzwert herankommen kann:

Die europäische Richtlinie 98/22/EG über die Qualität von Wässern für den menschlichen Verbrauch gibt als Grenzwerte vor:

• 50 μg/l für Chrom
• 200 μg/l für Eisen und
• 20 μg/l für Nickel.

50µg/l sind also der Grenzwert für Trinkwasser. Und hier, aus dem gleichen Dokument ein Test mit kochender Fruchtsäure:

Die meisten Untersuchungen der Aufnahme von Chrom und Nickel aus nichtrostenden Stählen wurden unter Verwendung stark säurehaltiger Früchte durchgeführt (14,15). Untersuchungen an Werkstoff 1.4510 (AISI 430Ti), der ferritischen Sorte 1.4521 (AISI 444) und der austenitischen Sorte 1.4301 (AISI 304) in kochender Säurelösung zeigte, daß die Abgabe von Chrom und Nickel äußerst gering ist. Die beobachteten Konzentrationen lagen im Bereich der Nachweisgrenze, d.h. bei 30μg/l für Chrom und 10μg/l für Nickel.

Damit liegt man schon bei 50% des Grenzwertes für Nickel, bzw sogar bei mehr als 50% für Chrom. Kommt jetzt noch Chrom aus anderen Quellen dazu dann scheint der Grenzwert doch nicht so weit weg zu sein. Und wie in meinem einleitenden Artikel schon geschrieben, auch wenn wir für jede toxische Substanz in unserer Nahrung den Einzel-Grenzwert einhalten, dann habe ich doch bedenken ob die Summe der Substanzen nicht doch bedenklich ist, und man versuchen sollte die Zufuhr aller potentiell giftigen Substanzen so niedrig wie möglich zu halten.

Zu wenig Chrom ist allerdings auch nichts wie ich bei der Recherche erfahren habe.

Auf der Suche nach der empfohlenen Menge Chrom pro Tag bin ich schon wieder auf einen Widerspruch gestossen. Aber zuerst die Empfehlung – etwa 30-100µg pro Tag.

Quelle:

http://www.novafeel.de/ernaehrung/spurenelemente/chrom.htm

Allerdings auch hier wieder eine Warnung – und – auch dreiwertiges Chrom wird hier als „wenig giftig“ bezeichnet, das soll beruhigen, bestätigt aber, das auch das dreiwertige Chrom, wie es von Edelstahl und verchromten Gegenständen abgegeben wird, bei höherer Dosierung giftig ist:

Bei einer Überdosierung von Chrom muss zwischen zwei verschiedenen Chrom-Verbindungen unterschieden werden. Das in den Lebensmitteln enthaltene dreiwertige Chrom ist wenig giftig und wird auch nur in geringer Menge aufgenommen. Im Gegensatz dazu gelangt sechswertiges Chrom schnell in den Körper und besitzt neben einer allergieauslösenden sogar eine kanzerogene (krebsauslösende) Wirkung.

Und dann noch der schöne Widerspruch zum obigen Dokument. Während oben gesagt wurde „bei oraler Einnahme wird Chrom VI schnell zu Chrom III reduziert“ (und damit unschädlich), wird hier gesagt, dass Chrom VI Verbindungen schnell in den Körper gelangen und krebserregend sind (des weiteren sind sie giftig bis hochgiftig, wie verschiedene Quellen bestätigen).

So. Und was soll man jetzt glauben? Wie soll man sich verhalten?

Ich tippe auf Keramik- und Glasgeschirr, oder emaillierte Töpfe, wobei hier dann wieder die Frage ist, was steckt in der Glasur. Manche Glasuren sind schwermetallhaltig … *seufz*

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4 Kommentare zu “Giftiges Chrom?”

  1. 30mikrogramm/l liegt also 50% UEBER dem Grenzwert von 50mikrogramm?
    Genauso 10mikrogramm = 50% darüber?
    10 mikrogramm ist 50% des Grenzwertes von 20mikrogramm und 50% darüber müsste nach Adam Riese 30mikrogramm sein.

    1. Ich hatte geschrieben, „Damit liegt man schon über 50% der Grenzwertes“. Nicht „50% über dem Grenzwert“.

      Da ist allerdings ein Tippfehler, es müsste heißen „50% des Grenzwertes“ oder „50% der Grenzwerte“, wenn man Chrom und Nickel beide ansprechen möchte. Ich korrigiere das.

  2. ich bin zwar kein Chemiker oder Arzt, arbeite aber im Maschinenbau-Sektor. Von da weiss ich, dass Werkstoffe die „gifitges“ Chrom entalten oder abspalten können schon länger verboten sind und gar nicht mehr produziert werden.
    Des weiteren hab ich mal ein bisschen gegooglet und wurde auf Wikipedia fündig: das schädliche Chrom(VI)-oxid von dem du schreibst wird durch Chromate und Schwefelsäure gebildet, Chromate selbst werden wiederum selbst nur durch sehr sarke und sehr konsentrierte Säuren gebildet. Da du nie mit solch Starken säuren in deiner Küche oder in deinem Bad hantieren wirst ist es nahezu auszuschliessen, dass sich so was von selbst bilden könnte. Dazu kommt, das für die Erwähnten Reaktionen das Chrom in nicht rein MEtallischen verbindungen vorliegen müsste, was sowie so auch nicht der Fall ist bei den von dir erwähnten Ablagen und Wasserhähnen usw. also musst du dir keine Sorgen machen. Besonders da in der Krebsforschung vermehrt das Augenmerk auf ganz anderen karzinogenen Stoffen lieg wie Nanopartikel usw.

    1. Danke, das ist gut zu wissen. Persönlich habe ich nie aufgehört das Edelstahlgeschirr zu nutzen, auch wenn ich meine, den Einfluss der Fruchtsäuren zu bemerken, wenn der Topf wieder glänzt „wie neu“. Aber so lange es kein Chromat ist, ist es wenigstens nicht krebserregend.

      Ich wundere mich oft, wie viele Abrufe dieser Artikel bekommt, da ich zwar vor langen Jahren mal sehr chemiebegeistert war, aber es eigentlich andere Quellen geben müsste, die das Thema viel fachkundiger beackern.

      Ein Punkt, der mich weiterhin etwas stört, ist, dass es für viele Subtanzen Grenzwerte gibt, unterhalb derer ein Schadwirkung nicht vorhanden sein sollte, aber selten die Summe aller potentiell schädlichen Substanzen betrachtet wird mit denen man täglich in Berührung kommt – oft habe ich den Eindruck, dass unser Körper zwar ganz gut mit dem einen oder anderen fertig wird, aber die Summe dann doch (für manche) zu viel ist und krank macht, auch wenn jede einzelne Substanz unter dem Grenzwert liegt.

      Aber auch hier muss ich wieder sagen, das ist mehr so ein unbestimmtes Bauchgefühl, und keine fundierte Erkenntnis.

      Vielleicht noch ein kleiner Nachtrag – Kupferne Armaturen und Türklinken können scheinbar die Übertragung von Keimen reduzieren. Falls also doch noch jemand alternativen zum Chrom sucht. Kupferfarmaturen sind allerdings sehr pflegeinstensiv, und Kupferverbindungen wie grünspan sind dann ihrerseits wieder giftig, nicht nurt für die Keime sondern auch für den Menschen.

      http://theconversation.com/copper-is-great-at-killing-superbugs-so-why-dont-hospitals-use-it-73103

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