Technikfeindlichkeit oder Technikmüdigkeit?


Ich bin gerade in einem Blog über folgende Aussage gestolpert:

Eine der Triebkräfte, die zu der feindlichen Haltung gegenüber Fortschritt, Wissen und Erkenntnis führt, von der wir hier schreiben, ist eine Technikfeindlichkeit, die in Deutschland tief verwurzelt zu sein scheint und periodisch an die Oberfläche gespült wird.

Quelle: http://sciencefiles.org/2014/06/29/willkommen-in-der-wissenschaftsfreien-nach-moderne/

Bislang dachte ich, die Technikfeindlichkeit in Deutschland sei eher eine neue, wahrscheinlich sogar vorübergehende Erscheinung, dadurch geprägt dass Lehrer aus den Zeiten der 68er Generation in den Schulen eine eher technikkritische Haltung verbreiteten, und jetzt langsam in den Ruhestand treten, so dass das Klima an den Schulen wieder neutraler oder gar technikfreundlicher wird.

Grob gesehen, in den Jahren 1900 bis 1950 schien mir eine große Technikbegeisterung in Deutschland zu herrschen, mit vielen Erfindungen und Fortschritten, zuerst vor allem in der Metallurgie und Schwerindustrie, später in immer weiter verfeinerten Maschinen.

Zugegeben, das Elektronikzeitalter und das Kommikationszeitalter haben wie verschlafen, aber beides fällt in die Zeit nach 1950. Die Frage, wieso die Technikfeindlichkeit in Deutschland tief verwurzelt sei, will sich in meinem Kopf dadurch nicht auflösen.

Vielleicht ist inzwischen auch keine Feindlichkeit mehr, sondern eine Technikmüdigkeit? Vieles was uns als neue Technologie angepriesen wird, bringt uns für das tägliche Leben keine deutliche Erleichterung mehr, verglichen mit der jeweils schon etablierten Technik. Gegenüber der Handwäsche war die Waschmaschine eine große Erleichterung, ebenso der Geschirrspüler, der Kühlschrank, das Automobil und vieles mehr das in der Zeit bis 1950 entwickelt worden war.

Aber heute? Was mir in der Werbung als großer Fortschritt angepriesen wird, ist oftmals kaum besser als die Vorgängergeneration. Richtig große Durchbrüche sind selten geworden. Ich denke, das Mobiltelefon war einer der letzten.

Ich muss zugeben, ich bin technikmüde geworden, aber nicht per se technikfeindlich. Ich habe kein Smartphone, aber nicht weil ich Technik hasse, sondern weil ich das Gefühl habe, dass ich mit Handy und meinem Notebook bereits gut versorgt bin, und nochmal ein neues Gerät im Moment nicht brauche. Irgendwann wird mein Handy den Geist aufgeben, und dann werde ich mir auch ein Smartphone kaufen, oder was es eben in dem Bereich dann aktuell geben wird.

Ich könnte mir vorstellen, dass ein guter Teil der wahrgenommenen Technikfeindlichkeit eher eine Müdigkeit ist, die daraus resultiert, dass der Nutzen der sogenannten Fortschritte in den vergangenen Jahrzehnten immer kleiner wurde, und man sich einfach ausreichen gut versorgt fühlt, und keinen Bedarf an weiterer Technik hat.

Der einzige Bereich wo ich eine richtige Feindlichkeit ausmachen kann ist die Gentechnik und die Biotechnik. Und das sind sehr spezielle Bereiche. Technik verbindet sich hier mit dem Leben, und greift direkt in das Leben bzw. in die Entwicklung des Lebens ein. ich glaube, die Feindlichkeit richtet sich auch hier weniger gegen die Technik, sondern gegen die Manipulation des Lebens, bzw, die Beeinflussung wie neue Lebensformen enstehen – bislang geschah das durch natürliche Auslese (bei der Zucht dann durch menschliche Auslese), nun geschieht es auch durch Manipulation und Konstruktion, eine Änderung, die von vielen als sehr fundamental empfunden wird, und wohl wegen des drastischen Wandels eher abgelehnt wird, als der neue, besser isolierte und resourcenschonende Kühlschrank.

Vielleicht sieht der Durchschnittsbürger den Nutzen der Gentechnik einfach auch weniger. Eine Dampfmaschine konnte man vorführen, und die überwältigende Kraft und Ausdauer der Maschine war ein gutes, sichtbares und erfahrbares Argument.  Ähnlich das erste Telefon, die rußfreie elektrische Beleuchtung, oder die Übertragung von Kraft über große Entfernungen durch den elektrischen Strom.

Die Gentechnik hat es vergleichsweise schwer, einen solcherart erkennbaren Fortschritt für den Menschen vorzuzeigen. Und wie schon gesagt, sie rüttelt an einem fundamentalen Prinzip wie sich das Leben (weiter-) entwickelt. Solche fundamentalen Neuerungen wurden auch in der Vergangenheit (und nicht nur in Deutschland) sehr misstrauisch betrachtet.

 

 

 

 

 

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Ein Gedanke zu „Technikfeindlichkeit oder Technikmüdigkeit?“

  1. Technikmüde!
    Das ist genau mein Wort…
    Das schlimme an der Technik ist ja nicht das es sie gibt, sondern, dass man sich ihr kaum noch entziehen kann.
    Ob im Auto, Fernseher, Wasserkocher oder wo auch immer… Alles ist vernetzt und schreibt mir vor wie ich was zu machen und wahrzunehmen habe.
    Ich bin müde von der Bevormundung durch die Technik.
    Eigentlich bin ich Techniker von Beruf – und habe begeistert den Computerhype seit den Zeiten des C64 mitgemacht. Aber die universelle und fast schon omnipotente Gegenwart der Technik hat mich inzwischen ermüdet.
    Ich hab keine Lust mehr noch eine neue Bedienung, ein neues Gerät, ein neues Verfahrensmuster für all die Dinge zu erlernen, welche ich ganz einfach nur benutzen möchte.
    Wozu benötigt meine Waschmaschine eine Registrierung und ein Internet-Update?
    Und eigentlich möchte ich auch nur mal einen Film sehen, und nicht in einer multimedialen, virtuellen Welt gefangen, und vom wirklichen Leben abgelenkt werden.
    So ist das für mich!!!

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