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Narf und das Seemonster


So, es gibt eine kleine Fortsetzung über Narfs Abenteuer. Die Geschichte spielt kurz nach Narf’s Flug und wer wissen will, was es mit dem Katapult und dem See auf sich hat, kann dort nachlesen.

Narf und die Hechtsuppe
Narf und die Hechtsuppe

Die Tür zur Taverne öffnet sich mit einem leichten Quietschen und Narf kommt herein, triefend nass und mit einem relativ großen Hecht über der Schulter.

„Mama, da sind Monster im See!“ Anklagend zeigt er zuerst auf den Fisch und dann seinen Schwanz, „Als ich versucht habe, das Ufer zu erreichen hat dieser Monsterfisch ständig nach meinem Schwanz geschnappt!“

„Mein Schwanz ist kein Wurm zum Fressen“, erklärt er, wieder dem Hecht zugewandt, „Hörst du mich, du doofer Fisch?“

Er gibt dem Hecht einen leichten Schlag mit der Faust, seufzt, „Nee, der hört nix, Fische sind alle taub“, und kommt ein paar Schritte näher zum Tresen wo er den Fisch auf den Boden gleiten lässt, „Hast du ein besonders schmerzhaftes Rezept, um den Fisch zuzubereiten, Mama?“

Kira hinter dem Tresen ist zunächst sprachlos angesichts der Szene, und braucht einige Moment um sich zu fassen, „Ein besonders schmerzhaftes Rezept?“, zuerst schüttelt sie den Kopf bis es Ihr aufgeht, „Oh, du meinst für den Fisch, nicht für den Koch!“ Sie muss lachen angesichts von Narfs Ideenwelt.

 

Aber nach einem weiteren Moment wird Ihr Blick wieder streng, „Sag nicht, du hast die Nummer mit dem Katapult noch mal probiert!

Narf richtet sich auf und versucht so groß und heldenhaft zu wirken, wie es einem Zwergdrachen möglich ist, „Und diesmal hat es funktioniert! Ich habe es bis zum See geschafft!“, er schrumpft jedoch wieder bevor er fortfährt, „Ich hab‘ nur nie Glück mit den Landungen.“

Kira nickt, immer noch streng blickend, „Ich hoffe Du lernst das eines Tages, dass Deine Spezies nicht für’s Fliegen gemacht ist, auch wenn Du Flügel hast“, spricht und kommt um den Tresen herum, um den Hecht näher in Augenschein zu nehmen.

„Narfijunge, ich glaub mit den ganzen Schnitten von deinen Klauen ist der Fisch nicht mehr für viel zu gebrauchen“, sie pausiert für einen Moment und geht in Gedanken die Möglichkeiten durch, aus dem Fisch  doch noch etwas zu machen, „Vielleicht ein Ragout oder Hechtsuppe …“

Narf streckt dem Fisch die Zunge ‚raus, „Hörst Du? Du bist zu gar nix gut!“, bis es ihm aufgeht, „Ragout … dazu wird der Fisch in kleine Stücke geschnitten, nicht?“

Er versucht wieder größer zu wirken, „Das ist die richtige Strafe, dafür dass er in meinen Schwanz gebissen hat!“

Kira muss wieder lachen über seine Reaktion, „Narf, der Fisch ist tot, und was auch immer wir mit ihm kochen, es wird ihm jetzt reichlich egal sein.“

Sie betrachtet ihn mit einem leichten Grinsen, die Wasserpflanzen über seinem Rücken und den Flügelansätzen, die Beine schlammig hoch bis zu den Hüften, der Schwanz immer noch vom schmutzigen Seewasser tropfend, „Ich schätze Du wäschst Dich jetzt erst mal, und dann kommst Du mit einem Eimer mit sauberem Wasser und einem Putzlumpen und machst die Sauerei hier weg“, sie zeigt auf die Pfütze unter Narf und die Dreckspur vom Eingang her.

„Waschen?“ Protest klingt in Narfs Stimme mit, aber er gibt klein bei und seufzt, „Na gut“, und ist auf dem Weg zu der Treppe hoch zu den Wohnräumen als ihre Stimme ihn stoppt, „Und der Fisch kommt in die Küche. Es können jeden Moment Gäste kommen, es ist fast Mittag!“

Er zuckt mit den Schultern, „Auch gut“, kommt zurück, packt den Hecht an der Schwanzflosse und schleift ihn um den Tresen herum zur Küche, einen neue feuchte und leicht schleimige Spur hinterlassend.

Kira schaut ihm zu und ruft ihm nach als er in der Küche verschwunden ist, „Du weisst schon, das Du auch das wieder sauber machen wirst?“

Ein leicht klatschendes Geräusch ertönt von der Küche, „Doofer Fisch“, und Narf bestätigt etwas lauter , „Ja Mama, ich mach‘ das auch wieder sauber.“

Narfs Flug


Eigentlich würde ich gerne öfter an ein paar Geschichten schreiben, aber entweder sind es Tage an denen ich einfach einen kreativen Durchhänger habe oder ich arbeite an Grafiken. Letzte Woche bin ich dann aber tatsächlich dazugekommen, eine ältere Idee für eine Geschichte zu Papier (oder muss ich sagen, zu Elektronen?) zu bringen.

Narfs Flug

 

Narf
Narf

 

Die Morgensonne sendet ihre Strahlen über das Land, und Narf liegt an seinem Lieblingplatz, dem alten Baumstamm hinter der Taverne. Die Flügel gespreizt, um möglichst viel der wohltuenden Sonnenwärme nach der kalten Nacht einzufangen, kommt ihm der alte Wunsch wieder in den Sinn.

„Fliegen … wenn die Flügel doch nur zum Fliegen taugen würden“, er seufzt, sein Kopf ruht auf dem Holz während er das ungerechte Schicksal beklagt, dass seine Flügel einfach zu klein waren, um ihn vom Boden zu heben.

Er schlägt testweise ein paar mal mit den Flügeln, spreizt sie aber bald wieder, der Wärme wegen, seufzt erneut und schält mit einer scharfen Kralle etwas lose Rinde vom Stamm, in der vagen Hoffnung drunter ein paar schmackhafte Insekten zu finden, als ihm eine Idee kommt, „Das Katapult!“

Nur ein paar Tage zuvor hatten die Stadtwachen ihre neueste Errungenschaft präsentiert, eine Maschine, die Steine hunderte Meter weit schleudern konnte, aber bislang war Narfs Interesse daran nicht besonders groß gewesen, es gab eigentlich niemanden, gegen den die Stadt hätte verteidigt werden müssen. Das Ding schien mehr Angeberei der Stadtwachen zu sein. Aber! Es liess selbst Steine fliegen!

Eilig faltet er seine Flügel rennt zur Hintertür der Taverne und durch den Gastraum, winkt kurz zu Kira hinter dem Tresen, „Guten Morgen, Mama! Ich bin bald wieder da!“, und zur Vordertür hinaus, bevor sie etwas erwidern kann.

Flotte schritte tragen ihn bis zur Wache, auf dem Vorplatz das Kapapult und eine Gruppe Wachleute, die sich unterhalten. Er hält inne, betrachtet das Katapult, nicht ganz sicher wie er sein Anliegen erklären soll, als einer aus der Gruppe der Wachleute auf ihn aufmerksam wird und ruft, „He, du da! Was hängst du da rum?“

Narf läuft auf die Gruppe der Wachleute zu und deutet auf das Katapult, „Könnt ihr mich damit fliegen lassen?“

Gelächter ist die Antwort, aber der Hauptmann nickt, mit einem gut gespielten ernsthaften Gesichtsausdruck, nur das Zucken der Mundwinkel verrät, dass er ebenfalls am liebsten laut loslachen würde.

„Aber sicher können wir das! Wo soll’s den hingehen?“, seine Worte begleitet vom Lachen seiner Männer, die eine Chance wittern, diesmal Narf etwas zurückzugeben für seine vielen Streiche und Ideen, mit denen er sonst die Nachbarschaft unsicher machte.

Narf zögert kurz, entscheidet sich dann für die sichere Variante, ungute Erinnerungen an gescheiterte Flugversuche und schmerzhafte Landungen noch recht frisch im Gedächtnis, „Reicht das Katapult bis zum See am Stadtrand?“

Der Hauptmann nickt, „Das reicht sogar noch weiter.“

Er schaut kurz zu seinen Leuten, „Ok, macht das Katapult klar, wir machen eine Übung!“, bückt sich und hebt Narf am Schwanz hoch, sein Gewicht abschätzend, und ruft nach hinten, „Gute 30 Pfund!“, setzt Narf wieder ab, als die Antwort kommt, „Jawohl, 30 Pfund Schussgewicht!“, und eine der Wachen justiert die Feder des Katapults neu.

Narf richtet sich zu seiner ganzen Größe auf, 3 Fuß, mit noch mal 2 Fuß empört schwingendem Drachenschwanz. Den Zeigefinger anklagend nach oben gerichtet lässt er den Hauptmann wissen, „Mein Schwanz ist kein Handgriff zum Hochheben!“, aber der Hauptmann schaut ihn nur kurz abschätzend an, „Drache oder Memme?“

Narf holt kurz Luft und erklärt dann entschieden, „Drache!“, fügt hinzu, etwas leiser, „Zwergdrache … aber dennoch!“, sein Zeigefinger rotiert unter der Nase des Hauptmanns, um seinen Protest zu unterstreichen.

Die Wachen haben das Katapult inzwischen vorbereitet, und einer ruft Narf zu, „He Burschi! Setz dich, wir sind bereit zum Schuss!“

Narf hüpft begeistert auf der Stelle, die rauhe Behandlung durch den Hauptmann schon vergessen, „Juhuu, ich werde fliegen!“, und klettert eilig in den Korb am Ende des Katapultarms, zögert noch mal kurz, „Das klappt, mit dem See, ja?“

Eine der Wachen nickt bestätigend, „Kein Problem. Das wird der Pflatscher des Jahrzehnts!“

Narf beschließt, den letzen Kommentar zu ignorieren und bringt sich in Position, die Nase zum Himmel, die kleinen Flügel gepfeilt, „Fertig zum Flug!“

Der Hauptmann nickt seinen Leuten zu, „Achtung!“, und beginnt zu zählen, „Drei! Zwo! Eins! … uuuund … Schuss!“

Der Schuss lässt das Katapult erbeben, und die Wachleute schauen Narf hinterher wie seine Silhouette im Himmel kleiner wird, einer fragt, „Kann Narf eigentlich schwimmen?“, ein anderen zuckt mit den Schultern, „Wäre nicht schlecht für ihn. Aber der See war seine Idee.“

Der Fahrtwind bläst um Narfs Nase und zerrt an seinen Flügeln, während es ihn in den Himmel hebt, er jubelt, „Ich fliege! Ich flieeeeeege!“

Die Stadt schrumpft unter ihm und der See kommt in Sicht, eine strohgedeckte Scheune das letzte Gebäude vor dem See.

Narf versucht mit den Armen und Flügeln zu lenken, um den See auch nicht zu verpassen, während sich seine Flugbahn langsam wieder senkt und die Scheune mit ihrem Strohdach immer weiter vor ihm aufwächst. Seine Augen werden größer als er feststellt, dass alles Strampeln und Wedeln nicht hilft, die Scheune ist zu hoch! Und unaufhaltsam kommt das Dach näher und beginnt sein Sichtfeld zu füllen, ein Schrei der Verzweiflung entfährt ihm, „Neeeeiiiiiinnn!“

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Kira spült einige Gläser und wundert sich noch immer etwas, was Narf so eilig zu erledigen hatte, als sich die Tür zur Taverne öffnet und ein kräftig gebauter Mann hindurchtritt, mit Narf über der Schulter, sicher von seinem Arm gehalten. Der Bauer nickt kurz in Narfs Richtung, „Das ist euerer, glaube ich?“

Nicht ganz sicher was sie von der Situation halten soll, nickt Kira langsam, „Ja, wir kümmern uns um ihn, er hat keine Familie mehr.“

Der Farmer schreitet näher, „Der Kleine kam gerade durch mein Scheunendach gekracht und hat auf dem Dachboden ein ganz schönes Chaos hinterlassen.“

Narf versucht zu protestieren, „Ich wollte zum See! Zum See! Und deine doofe Scheune war da voll im Weg! Aua!“

Ein Klaps des Farmers auf seinen Hintern unterbricht seinen Wortschwall, „Du bist jetzt erst mal ruhig!“ Er setzt Narf auf die Theke vor Kira, „Überaschend lebendig der Kleine, nach dem Crash, das muss ich sagen“, aber Narf beginnt umgehend zu jammern, „Aua! Vorsicht! Ich habe mir die Knie angehauen! Und die Ellenbogen. Und ….“, anklagend zeigt er auf einige Schuppen, „Da! Total zerkratze Schuppen.“

Kira schaut ihn kurz an, mit einem säuerlichen Gesichtsausdruck, „Schwer verwundet, ich seh’s. Aber wie ich dich kenne, bist Du morgen wieder fit.“

Mit einem Seufzen wendet sie sich an den Bauern, „Viel Geld haben wir nicht um den Schaden am Dach zu bezahlen“.

Der Bauer pocht ein paar mal mit einem Finger auf die Theke, „Das Dach und den Hausrat …“, nur um von Narf unterbrochen zu werden, „Hausrat nennst Du das? Der ganze Müll der da rumstand und wo man unmöglich dazwischen Landen kann?“, er schaut zu Kira, „Müll in Mengen, ich sag’s dir! Der ganze Dachboden voller …“, er verstummt als der Zeigefinger des Bauern seine Nase trifft, „Hausrat und Familienerbstücke, Du Möchtegerndrachenburschi!“

Narf lässt sich flach auf die Theke fallen, die Flügel zu den Seiten herunterhängend, „Ich wollte doch nur fliegen …“

Kira füllt einen Maßkrug mit Bier während sie nachdenkt, schiebt einen Bierdeckel zurecht und setzt den Krug auf den Bierdeckel als eine kleine Wiedergutmachung für den Bauern, „Auf’s Haus.“

Sie schaut den Bauern an, „Kann Narf die Schulden bei dir abarbeiten? Das sollte ihn auf bessere Gedanken bringen“, lacht aber ein bischen hilflos, als ihr in den Sinn kommt was Narf alles schon angestellt hatte, „Naja, man kann ja noch hoffen.“

Der Bauer nickt, „Er kann das Dach flicken und den Dachboden aufräumen“, wird aber von fast sofortigem Protest von Narf unterbrochen, „Was? Den ganzen Müll da soll ich jetzt auch noch auf…“, diesmal ist es ein Klaps von Kira der ihn still sein lässt, „Ja, Du räumst da auf“, und der Bauer fährt fort, „Und ich brauche jemanden, der die Gänse hütet. Mein Sohn wurde zu oft gebissen und will jetzt nicht mehr.“

Narf setzt sich umgehend wieder auf, „Was? Bissige Kampfgänse hüten? Die sind ja fast so groß wie ich!“

Kira lacht über seine Reaktion und tätschelt seine Schultern, „Du hast den Crash mit der Scheune überstanden, da können ein paar Gänse so schlimm nicht sein, oder?“, sie denkt kurz nach, „Wie hast Du es überhaupt geschafft so hoch zu fliegen? Bislang bist du doch kaum vom Boden hochgekommen? Nein, sag nichts, ich denke, ich will das gar nicht wissen …“

Sie nickt dem Farmer zu, „Ich schicke Narf dann morgen früh zu dir, damit er mit dem Aufräumen anfangen kann“.

Narf schaut hoch, „Echt jetzt, Mamma?“, und sie nickt, „Echt jetzt. Ich glaube das tut dir ganz gut.“

Narf seufzt und lässt sich wieder auf die Theke sinken, der Farmer hebt den Bierkrug und nimmt eine großen Schluck, „Zwei Wochen Gänsehüten sollten in Ordnung sein, denke ich, als Ausgleich für den Schaden.“