Projekt Weltraumdecke oder Da ist Wahnsinn in meiner Methode


Ewig und ewig und noch viel länger ist’s her … nun, einige Jahre bestimmt. Ich hatte im Internet Bilder von (Zimmer-) Decken entdeckt, die mit Weltraummotiven gestaltet waren.

Bei so etwas setzt bei mir fast sofort der „Ich will auch“-Reflex ein. Früher war das oft ein „haben“, heute ist es mehr ein „machen“. Aber ganz klar – meine künstlerischen Fähigkeiten, ganz besonders mit Wandfarbe, gaben das zu Zeitpunkt der ersten Entdeckung einfach nicht her. Eine Motivtapete kaufen und an die Decke kleben kann jeder, und ein jedermann wollte ich noch nie sein. Auch wenn es die Decke schöner gemacht hätte …

Immer noch vor einigen Jahren hatte ich die Decke der Wohnung mit Styroporplatten isoliert, weil an manchen Wintertagen die Heizung die Wohnung einfach nicht warm bekommt, und ich nach Nebenkostenabrechnung sowieso schon fast 50% der gesamten Heizkosten habe. Einige Jahre lebte ich dann mit der Decke, offenes Styropor, nicht gestrichen, nicht tapeziert, weil meine Mutter schwer krank war und ich weder Zeit noch Muse hatte, mich weiter um die Decke zu kümmern. Es mag nun einige Monate her sein, als ich Zuspruch von meinem Bruder und einem Brieffreund bekam, es trotz aller Bedenken doch zu tun, und Zeit und Mühe in die Gestaltung der Wohnung zu investieren. Also begann ich in einem Zimmer die Styropordecke vorzubereiten und erst mal alle Fugen und Unebenheiten auszugleichen.

Vergipste Fugen
Vergipste Fugen

Danach kam dann ein Großeinkauf an Farbe. 150 Euro – also billig wird das Gemälde schon mal nicht – und nach dem Abmischen einiger Basisfarben habe ich mich dann an die erste Form gewagt, ein grob S-förmiger Nebel.

S-förmiger Nebel
S-förmiger Nebel

Ja ich weiss, Galaxien sind nicht rosa, nicht pink und auch nicht violett. Aber ich habe mir hier die Freiheit genommen, die Decke wird Violett und Blau. Das zentrale Motiv soll dennoch mal eine Galaxie werden. Als nächsten Schritt habe ich dann den Umriss des Halos in Weltraumblau skizziert. Das ist unerwartet schwierig, weil einem so nah an der Decke der Überblick fehlt, und es ätzend ist, immer wieder von der Leiter zu steigen und sich auf den Boden zu legen, um die Decke als Ganzes sehen zu können. Der Umriss hat deshalb auch einige „Ecken“, die so nicht beabischtigt waren. Eventuell kann ich die eine oder andere in späteren Arbeitsschritten noch etwas korrigieren.

Umriss des Halos
Umriss des Halos

Die gekauften Farben sind an sich gut, sie lassen sich gut streichen, und haben eine hohe Deckkraft. Was ich vermisse ist Brillanz. Ich wollte ein leuchtendes Violett. Aber ich bekomme es nicht hin – Mischungen der Volltonfarben sind dunkel, aufhellen geht nur mit Weiß und dann wird die Mischung pastellfarben. Vielleicht liegt es an mir, aber in einem Buch über Malerei hat ein Maler  über Probleme geschrieben, helle, satt-farbige Lichtquellen wie Neon-Leuchtreklame mit Ölfarben nachzubilden – kurz, er hat es auch nicht zufriedenstellend geschafft. Es müsste aber gehen, Fotografie und Digitaldruck zeigen, dass es geht, auch mit Farbe auf Papier.

Das andere Problem ist die Deckraft der Farben – das ist eigentlich gut für Wandfarbe, aber es ist höllisch schwer mit diesen Farben schöne Farbverläufe hinzubekommen. Vermutlich geht es, wenn man viel Erfahrung hat. Die habe ich nicht, zumindest nicht für diesen Versuch, das mein erstes großes Deckengemälde mit Dispersionsfarbe.

Was dann besser funktioniert hat, sind Wolkenstrukturen im Halo der Galaxie.

Galaxie mit Halo
Galaxie mit Halo

So wie es aussieht, brauche ich ab jetzt noch mindestens vier Wochen, um die Decke fertigzustellen. Nach der Galaxie kommt noch ein deckenfüllender Weltraumhintergrund mit Schattierungen in Blau, Schwarz und Violett, einige weitere Nebelstrukturen und viele bunte Smarties. Nein Sterne! Sterne wollte ich sagen …

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