Der Winter ist nicht mein Ding


Den Artikel hatte ich letztes Jahr (2014) im Dezember verfasst, mich dann aber doch nicht dazu durchringen können, ihn zu veröffentlichen. Noch ist der Winter zwar nicht da, aber die Kälte und die Feuchtigkeit sind bereits hier, und ich denke ich veröffentliche den Artikel jetzt doch, auch auf die Gefahr hin, wieder als Weichei abgewatscht zu werden, und von all den Winterportfreunden erklärt zu bekommen, wie „schön“ der Winter doch sei – für mich ist er es nicht.

Ich hasse den Winter. Es ist ein beständiger Kampf gegen die Kälte. Fast nie kann man sich richtig wohl fühlen. Irgendwo schleicht sich die Kälte immer ein oder an. Und ist man gegen die Kälte gepanzert und kommt in ein Kaufhaus, bekommt man einen Hitzeschock. Ist man für ein geheiztes Kaufhaus gekleidet, dann friert man auf dem Weg.

Das Gesicht lässt sich fast gar nicht isolieren.

Hat man dicke Handschuhe an und endlich alle Ritzen in der Kleidung dicht, dann braucht man ein Taschentuch oder ein Schnürsenkel geht auf, und man kann dann erst mal die Handschuhe wieder ausziehen, weil man sonst zu ungeschickt ist, oder die Hand erst gar nicht in die Tasche mit dem Tuch bekommt.

Der eisige Wind treibt mir die Tränen in die Augen. Wieder ist ein Taschentuch nötig. Die Tränen versauen die Brille. Ausserdem beschlägt die Brille bei jedem Wechsel von draussen nach drinnen, und man ist erst mal blind. Wenn ich die beschlagene Brille abnehme, bin ich auch blind. Einfach doof.

Sonne ist selten, Feuchtigkeit häufig. Ich hätte nichts gegen die Feuchtigkeit aber sie verschlimmert die Kälte. Ich hasse die Jahreszeit.

Der Mangel an Farben, und die schmutzige Präsenz von Grau und Braun machen den Winter auch nicht besser. Der Schmutz beleidigt mein Gefühl für Schönheit, und der Schmutz ist im Winter in der Stadt allgegenwärtig.

Zudem ist alles tot. Die Bäume sind nur noch Gerippe, Büsche sind Gestrüpp, das Gras welk und traurig. Alles rottet, alles fault. es ist ein trauriger Anblick, der sich im Winter bietet.

Ja es gibt Gegenden, wo der Winter schön aussieht. Das Randgebiet einer größeren Stadt gehört nicht dazu.  Und das ist, was ich täglich sehe.

Winter in der Stadt riecht auch nicht gut. Abgase sammeln sich, es stinkt. Neben dem Verkehr scheinen viele Heizungen schlecht eingestellt zu sein, man riecht es. Keine Blüten oder frischer Duft, nur Mief. Im Sommer ist die Luft hier jedenfalls wesentlich besser.

Mich ängstigt der Winter zudem – eine beständige Todesdrohung durch Erfrieren. Wenn man durch eine Katastrophe im Schlafanzug das Haus verlassen muss? Tja, kann man nur hoffen, dass schnell eine gnädige Seele mit einer Decke kommt, bevor man sich die Zehen, Füße und Finger erfriert. Oder gleich ganz erfriert.

Wenn man nicht mehr ins Haus kann? Glücklich wer in dem Moment warm genug angezogen ist. Eine Nacht im Winter draussen überleben, weil es nicht nach Hause gereicht hat? Viel Spass. Es sind schon mehr als nur ein paar wenige bei dem Versuch erfroren.

Im Sommer kann man sich problemlos draussen wohl fühlen, und muss keine Angst um das Leben haben. Man kann auch mal irgendwo übernachten und überlebt das ziemlich sicher. Der Winter jedoch ist eine permanente Todesdrohung.

Noch habe ich Kraft, aber der Kampf jeden Tag zehrt. Und oft ist im Spätwinter keine Kraft mehr übrig, und ich werde krank. Schwere Krankheiten haben mich alle im Winter erwischt. Im Sommer war ich nie im Krankenhaus. Die gute Laune, die bei mir eh selten ist, schwindet, woher soll sie auch kommen? Es gibt ja nichts erfreuliches in dieser Jahreszeit.

Vom Aufstehen an ist es ein Kampf gegen die Kälte. Jeden Tag, jede Stunde des Tages.

Ich hasse die Jahreszeit. Ich will mich wieder wohl fühlen können.

In 10cm Kältepanzerung kann ich mich nicht wohl fühlen. Dieser blöde Spruch „Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur falsche Kleidung“ ist der blanke Hohn. Es gibt Wetter gegen das keine Kleidung hilft um sich draussen wohl zu fühlen, und der Winter hat mehr als genug davon.

Dazu kommt noch: Ich kann vieles im Winter einfach gar nicht machen. Viele Maschinen sind zu Laut, um im Haus eingesetzt zu werden. Lacke usw. riechen in Zimmern viel zu sehr, von Lacksprühdosen gar nicht zu reden. Arbeitsräume dauerlüften? Dann ist gleich wieder alles kalt.

Alles, was ich im Sommer problemlos draussen machen kann, geht nur noch sehr eingeschränkt oder gar nicht. Kein passender Platz, oder zu wenig frische Luft. Oder schlicht zu kalt.

Habe ich schon erwähnt dass ich den Winter hasse? Es ist eine scheiss Jahreszeit, die ich nicht leiden kann, und die mich auf Dauer fertig macht.

Ich will Winterschlaf halten, aber man lässt mich nicht. Jeden Tag muss ich aus dem Haus, in die Kälte, und jeden Tag muss ich kämpfen. Bis der Akku leer ist, und ich wieder krank und seelisch an Boden bin. Ich will in den Süden auswandern, aber ich habe zu viele Verpflichtungen die mich hier festnageln.

Ich hasse den Winter.

Nachtrag: Oft wird eine Winterdepression mit dem Mangel an Licht begründet. Ich dachte das zunächst auch, musste dann aber feststellen, dass mir mehr Licht nur wenig hilft. Ich habe dann versucht, das Problem genauer zu analysieren, also, was meine Gefühlslage im Winter negativ beeinflusst, und bin auf folgende Rangfolge gestossen:

  • Kälte
  • Feuchtigkeit
  • Mangel an Farben, Dominanz von Grau und Braun
  • Tote Natur – nein auf mich wirkt das nicht wie Schlaf, es wirkt wie tot.
  • Mangel an Wohlfühlmomenten. Nur ein warmes Vollbad oder eine Sauna sind Momente, in denen ich mich im Winter wirklich wohl fühlen kann.
  • Einschränkung der Aktivität, wie im Artikel beschrieben. Vieles lässt sich im Haus nicht machen.

Ich habe den Verdacht, dass die übliche Diagnose „Winterdepression, Ursache Lichtmangel“, zu kurz greift. Der Lichtmagel ist eines der Probleme, aber weder das größte, noch das am schwersten zu behebende.

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