Warum noch an (allmächtige) Götter glauben?


Unlängst wurde ich an Alan Turing erinnert, sein Werk, und sein, aus meiner Sicht, tragischer Tod. Und ich wurde erinnert, was die nach ihm benannte Maschine, das mechanistische Modell des Begriffs „Berechenbarkeit“, für uns bedeutet.

Alles was man prinzipiell berechnen kann, kann man mit einer Turing Maschine berechnen. Sie zeigt uns, was wir sicher wissen können. Fragen, die sich mit einer Turing Maschine nicht beantworten lassen, lassen sich auch auf anderen Wegen nie mit abschließender Sicherheit beantworten. (Siehe: Entscheidbarkeit)

Das ist der eine Pfeiler meiner Argumentation, die Grenze dessen, was man in unserer Welt sicher wissen kann. Ich schreibe hier bewusst „man“ und „in unserer Welt“, weil die mathematischen Beweise, die der Frage nach der Entscheidbarkeit zugrunde liegen, universelle Gültigkeit haben – im Gegensatz zu vielem anderen was als Beweis gehandelt wird, sind mathematische Beweise absolut, wenn etwas mathematisch bewiesen ist, dann gibt es keinen Zweifel mehr, ausser, der Beweis selbst sei fehlerhaft.

Festzustellen ist hier: Unserer Welt enthält Phänomene, die nicht abschliessend beantwortet werden können, weil die Erkenntnisfähigkeit jedweder Logik oder Mathematik dazu nicht ausreicht.

Das führt zum anderen Pfeiler meiner Argumentation – die Frage, ob es überhaup eine Art und Weise geben kann, in unserer Welt zu kompletten Wissen zu gelangen. Es geht nicht, und die Grenze zeigt uns der Gödelsche Unvollständigkeitssatz.

Kurz formuliert hat Gödel gezeigt, dass jede Beschreibung unserer Welt unvollständig oder widersprüchlich sein muss. D.h. egal auf welchem Weg, Vollkommenheit ist in unserer Welt nicht möglich – jedes Konstrukt krankt entweder an Unvollständigkeit oder an inneren Widersprüchen.

Ich denke, Turings Maschine und Gödels Unvollständigkeitssatz definieren die Welt, bzw. die Grenzen der Welt. Sie definieren was man mit Sicherheit wissen kann, und zeigen, dass man nie alles wissen kann, und auch, dass es Grenzen des Tuns gibt – z.B. manifestiert in der Frage, „Kann ein Allmächtiges Wesen einen Stein schaffen, der so schwer ist, dass es ihn nicht heben kann?“ – das ist eine umgangssprachliche Formulierung des Unvollständigkeitsprinzips von Gödel – etwas als allmächtig vorausgesetztes krankt an inneren Widersprüchen, welche die Allmächtigkeit verhindern. D.h. Gödels Satz betrifft nicht nur Mathematik, Logik und Erkenntnis, sondern auch das Handeln.

Etwas weiter gefasst zeigen uns die Erkenntnisse von Turing und Gödel also, dass es in unserer Welt keine allmächtigen Wesen geben kann, weil alles was in unserer Welt existiert, den von Gödel und Turing gefundenen und in der Folge mathematisch bewiesenen Grenzen unterworfen ist. Irgendwo anders, in einer anderen Welt, einer Welt von grundlegend anderer Struktur, mag es allmächtige Wesen geben, aber in unserer Welt nicht – und Einfluss können sie nur nehmen, wenn sie Teil unserer Welt sind oder Teil unserer Welt werden, was ihnen aber wiederum die Allmacht nimmt.

Ich wundere mich, warum trotz der Erkenntnisse von Turing und Gödel, immer noch so viele an allmächtige Götter glauben, und immer noch über Gottesbeweise geredet wird – ich interpretiere die Sätze so, dass es längst beweisen ist, dass Allmacht in diesem Universum nicht möglich ist – für niemanden, und dass damit die Existenz allmächtiger Götter widerlegt ist. Und das liegt nicht am Wesen oder seiner Macht, sondern in der Art und Weise, wie unsere Welt gemacht ist. Und damit liegt ausserhalb der Möglichkeiten dieser Wesen, etwas an diesen Einschränkungen zu ändern – sie müssten unsere Welt durch eine Andere Ersetzen, mit anderen Regeln.

Das schliesst allerdings die Existenz von Wesen nicht aus, die uns stark überlegen sind.

 

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