Upcycling – Weinflasche zu Blumenvase


Nachdem das Wort Recycling von unseren Politikern so oft benutzt worden war, dass auf einmal sogar die Verbrennung von Müll als Recycling galt, musste für die „echte“ Wiederverwendung ein neues Wort her: Upcycling. Gemeint ist dabei die möglichst vollständige Wiedervertwertung, genauer gesagt, eine Aufwertung durch weitere Bearbeitung.

Das „Flasche zu Vase“ Projekt ist eines meiner typischen „ich will auch mal“ Projekte. Zurück geht es auf einen Fernsehbeitrag, in dem ein Künstler zeigte, wie er aus alten Flaschen Blumenvasen herstellt. Er schmilzt dazu nicht das Glas, sondern schneidet und schleift es im festen Zustand. Das ist Upcycling in bester Form, nicht nur das Material, sondern auch die bisherige Bearbeitung wird verwendet, und durch weitere Bearbeitung wird ein höherwertiges Produkt daraus – zumindest wenn man bedenkt, dass die Flasche als Altglas sonst unter Einsatz von Energie eingeschmolzen  worden wäre und der ganze Prozess des Formens bis zur Flasche noch einmal zu durchlaufen gewesen wäre.

Als Kind hatte ich schon Erfahrung damit gesammelt, Glasflaschen mit einer brennenden Schnur und folgendem Kälteschock in kaltem Wasser zu trennen, aber bei meiner ersten Versuchsflasche wollte das Verfahren nicht funktionieren. Es hängt wohl vom Glas und auch vom Herstellungsverfahren der Flasche ab, ob der Kälteschock das Glas an der richtigen Stelle zum Springen bringt.

Deshalb habe ich mich diesmal dafür entschieden, die Flasche mit einem Winkelschleifer und einer Trennscheibe für Keramik aufzutrennen. Das funktioniert gut, allerdings ist der Rand nicht glatt, sondern gezackt, und muss nachgeschliffen werden. Das Trennen mit Hitze und Kälteschock ergibt bessere Ränder – wenn es funktioniert.

Das Nachschleifen des Randes gestaltete sich mühsam. Auf der einen Seite ist es überaschend, dass man Glas überhaupt mit Sandpapier schleifen kann, aber es dauert lange, und der Verschleiss des Papiers ist hoch.

Zum anderen bin ich immer noch unsicher, was die Gefährlichkeit von Glasstaub angeht. Chemisch gesehen ist er mit Sand verwandt, also nicht besonders giftig, und weitgehend inaktiv, aber er ist scharfkantig und soweit ich weiss, kann unser Körper eingedrungene Glaspartikel nicht abbauen.

Ich habe mich dem Prinzip Hoffnung zugeneigt, und hoffe, dass der Schleifstaub in etwa so ungefährlich ist wie feiner Sand.

Züruck zuer Flasche – Nachdem sie aufgetrennt war und der Rand geschliffen, stellte sich die Frage nach dem Motiv. Einen Schmetterling als Motiv hatte ich schon für eine andere Flasche eingeplant, also musste diese ein anderes Motiv bekommen. Die erste Idee einer Blüte erschien nach kurzem Nachdenken nicht mehr so gut, die Blumen in der Vase haben ja selbst schon blüten. Das wäre also doppelt gemoppelt. Meine Mutter schlug bei einem meiner Besuche im Pflegeheim, als ich von dem Flaschenprojekt erzählte, dann vor, ein Blatt zu nehmen, und so entschied ich mich die ein Ahornblatt.

Hier ein Bild der noch-nicht-ganz Vase mit geschliffenem Rand und einer aufgemalten Skizze für das Ahorn-Blatt:

Blattskizze
Blattskizze

Die eigentliche Gravur war dann im Vergleich zu den Vorarbeiten eher einfach. Es reichte, den Bereich des Blattes leicht aufzurauhen, tiefe Schnitte sind für ein Motiv wie dieses nicht notwendig.

Das Ergebnis sieht jetzt so aus:

Blatt, Gravur
Blatt, Gravur

Einerseits bin ich sehr zufrieden damit. Alle Arbeitschritte haben funktioniert, Unfälle gabe es keine, und das Ergebnis ist in etwa so, wie ich mir das vorgestellt habe.

Andererseits bin ich doch nicht ganz zufrieden, weil der Künstler aus dem Fernsehbericht wesentlich bessere Ergebnisse erzielt hat, aber er hatte auch eine komplette Werkstatt mit Maschinen für den Schliff und die Gravur von Glas. Dazu kommt noch, dass ein Blatt zwar schön ist, die Vase aber eigentlich mehr Dekor bräuchte. Doch ich fürchte, für eine komplett gestaltete Vase fehlt mir die Ausdauer, und auch die Zeit, vor allem, wenn ich nicht gerade Urlaub habe, so wie jetzt.

Mal sehen, wie es weitergeht. Zwei weitere Flaschen sind vorbereitet, d.h. aufgetrennt, die Ränder müssen aber noch geschliffen werden. Vielleicht versuche ich es nochmal, vielleicht bin ich auch damit zufrieden, es einmal versucht zu haben, und zu wissen, dass ich aus einer alten Flasche eine verzierte Vase machen könnte, wenn ich wollte und mir die Zeit dazu nehmen würde.

 

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