Integration von Migranten, Identifikation mit dem Land


Bevor ich den Schwenk auf Deutschland mache, möchte ich kurz auf die USA eingehen, einem Land das die meiste Zeit seiner Existenz ein klassisches Einwanderungsland war.

Zumindest in früheren Zeiten war es so, dass viele Personen die aus freien Stücken in die USA einwanderten, auch „Amerikaner“ werden wollten. In vielen Fällen hatten die Heimat verlassen, weil sie mit der Heimat unzufrieden waren. US-Amerikaner werden, war Teil des Traums. Nicht nur dort zu leben, sondern Teil der Gesellschaft zu werden, so zu werden wie die anderen Amerikaner.

Für Deutschland und Immigration nach Deutschland stellt sich die Sache wohl anders dar. Nicht wenige wollen zwar den Bedingungen ihrer Heimat entfliehen, aber ihre Wurzeln und alten Traditionen dennoch nicht abstreifen. Sie wollen die Vorzüge von Deutschland geniessen, aber sie wollen nicht Deutsche werden.

Zumindest habe ich so den Eindruck wenn …

In unserem Mütterzentrum eine türkische Mutter einen  türkischen Nachmittag auf türkisch für andere türkische Mütter organisiert. Deutsch? Fehlanzeige. Man bleibt unter sich, türkisch. In einem deutschen Mütterzentrum. Deutsche Mütter, die des türkischen nicht mächtig sind, haben an dem Nachmittag eben Pech. Protest? Nicht möglich, das wäre Ausländerfeindlich. Im Gegensatz, der Nachmittag wurde noch gelobt und in der lokalen Zeitung beworben.

Integration? Nein, Separation.

Ich fand das damals nicht gut, aber nicht schlimm genug um darüber zu schreiben.

Aber heute schoss für mich Herr Erdogan den Vogel ab, als er Immigranten in Deutschland, die türksicher Abstammung sind, skandieren liess, „Eine Nation – eine Fahne – ein Vaterland – ein Staat“ – wenn er das zu Hause macht, dann ist es nationalistisch. Würde es ein Deutscher in Deutschland machen, dann wäre der Protest groß – Rechtsextremismus! Aber türkischstämmige Migranten in Deutschland dürfen ganz klar erklären, dass sie zwar hier sind, aber sich nicht als Teil des Landes oder des Volkes sehen, und sich ganz deutlich von nicht-türkisch-stämmigen Abgrenzen, die auch hier leben. Für sie zählt nur Türke sein und die Türkei, auch wenn sie in Deutschland leben.

Integration? Nein, Separation.

Ich hätte gute Lust, diejenigen, die so riefen, postwendend wieder in Ihre Heimat zu schicken, wo sie „Eine Nation – eine Fahne – ein Vaterland – ein Staat“ sein dürfen, ganz türkisch.

Auch der Doppelpass, den unsere Regierung jungen Immigranten anbietet, halte ich für Unfug. Wer hierher kommt, und bleiben will, der soll auch einen deutschen Pass bekommen. Wer Türke bleiben will, soll den türkischen Pass behalten. Aber halbe-halbe? Man kann nicht gut zwei Herren dienen, das geht frühr oder später schief. Man merkt das schon, wenn mal Deutschland gegen die Türkei Fußball spielt. Man kann schwer für beide Teams jubeln. Wie viel schwerer wird es dann bei ernsthaften Angelegenheiten, wenn es schon für ein Spiel so schwer ist? Man sollte sich entscheiden, wo man hingehören will, auch beim Pass.

Ich weiss, dass wir Einwanderer brauchen, aus vielerlei Gründen. Aber ich möchte, dass die Leute, die hierher kommen, sich auch mit Deutschland identifizieren. Dass sie hierher kommen, weil sie Deutschland gut finden, weil unsere Werte für sie erstrebenswerte Werte sind, und sie in diesem Land nach den hiesigen Maßstäben leben wollen. Wer hierher kommt, um unter besseren Bedingungen eine Enklave für sein altes Land und seine Leute zu gründen, der ist meiner Meinung nach hier falsch, aller Probleme die wir ohne Zuwanderung bekommen werden, zum Trotz. Denn mit solchen Zuwanderern bekommen wir nur noch mehr Probleme als ganz ohne Zuwanderer.

Wenn die Leute hierher kommen mit dem Ziel, Deutsche in Deutschland zu werden, oder wenigstens, nach unseren Werten und mit unserer Sprache zu Leben, dann funktioniert Integration auch. Aber nicht durch Ghettobildung, Ausgrenzung und Skandieren nationaler Parolen des Landes, das man verlassen hatte, weil es woanders besser schien.

 

 

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