Mein persönliches „uncanny valley“ mit 3D Spielen


„Als Uncanny Valley (engl. „unheimliches Tal“) bezeichnet man allgemein einen empirisch messbaren, paradox erscheinenden Effekt in der Akzeptanz von dargebotenen künstlichen Figuren auf die Zuschauer.“

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Uncanny_Valley

Seit Mitte der 1990er Jahre wurde 3D Technik für Computerspiele immer populärer, und es wurde immer realistischere Grafik entwickelt.

Ich habe mich immer wieder gefragt, warum diese Spiele meine psychischen Probleme zu verstärken scheinen, und bin im Moment zu folgender Analyse gelangt:

Die Darstellung ist so realistisch, dass ein Teil meines Gehirns beginnt, die Darstellung als Realität zu akzeptieren, während andere Teile sich an kleinen Details stören, die diesen Hirnteilen zeigen, dass es etwas mit der Darstellung nicht stimmt. Dieses „etwas stimmt hier nicht“ manifestiert sich dann je nach psychischer Kondition in einem unterschwelligen Unbehagen, über Spannungen hin bis zu Angstgefühlen. Ich denke die Angst kommt daher, dass die „etwas stimmt hier nicht“ Erkenntnis, die sich sonst nicht recht zur Wirkung bringen kann, weil der bewusste Teil versucht, das Spiel zu geniessen, dann als sozusagen letztes Mittel Angst auslöst, die dann zum Abbruch des Spielens führt. Es hat allerdings eine Zeitlang gedauert bis mir dieser Zusammenhang so klar wurde – letztendlich erst als ich ein Spiel das diesen Effekt besonders stark ausgelöst hatte, nach eine Pause noch mal ausprobiert hatte, und ich im Laufe von etwa zwei Wochen wieder eine heftige Verschlechterung meiner Angstprobleme hinnehmen musste.

Inzwischen meide ich Spiele mit 3D Darstellungen, ähnlich wie ich schon seit vielen Jahren konfliktbeladene Filme meide – und welcher Film dreht sich nicht um Konflikte, emotionale oder handlungsorientierte?

Wenn die Darstellung wie z.B. in Comics abstrakt genug ist, um deutlich als Fiktion erkennbar zu sein, dann habe ich kein Problem – je „packender“ und „realistischer“ die Darstellung wird, desto stärker manifestieren sich meine Probleme. Seit einiger ist es so übel, dass ich auch keine Romane lesen kann, weil mich die Konflikte der Handlung emotional schwer belasten. Sachbücher sind kein Problem, es ist also nicht das Lesen an sich, sondern der Inhalt.

Meine Eltern haben immer gesagt „es ist nur ein Film“, aber das hat mir nie geholfen, weil mein Hirn oder auch mein Fühlen das nicht geschafft hat, z.B. eine Dokumentation als „real“ einen Film aber als „Fiktion“ zu erkennen – selbst wenn das bewusste Denken diesen Schritt schafft und sich bewusst ist „das ist nur ein Film“, die Gefühle scheren sich einen Dreck darum, und für mich fühlt sich ein Film an, wie wenn ich das Geschehen in Realität betrachten würde. Die einzige Lösung, die ich gefunden habe, ist es, Filme im speziellen und Fernsehen im allgemeinen zu meiden – im Fernsehen kann man jederzeit von einer Filmvorschau überfallen werden, und ich hasse es, dann wochenlang daran zu nagen, weil mich die Vorschau auf einen Krimi oder Thriller wieder schwer belastet.

Um den Kreis zu schliessen, und noch mal auf die immer realistischer werdenden Computerspiele zurückzukommen – ich frage mich, ob ich der einzige bin, der solcherart „uncanny valley“ Probleme mit den Spielen hat, oder ob es noch mehr Leute gibt, denen insbesondere die 3D Darstellung in modernen Spielen Unwohlsein verursacht?

 

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