Ich verstehe das nicht mit dem Öko-Saatgut


In der letzten Zeit wird immer häufiger Öko-Saatgut angeboten. Ich verstehe nicht, was für einen Vorteil das gegenüber normalem Saatgut haben soll.

Selbst ein schwer verseuchtes Samenkorn wird nur noch winzige Spuren in der fertigen Pflanze hinterlassen, wenn die Gifte nicht schon komplett ausgeschieden oder abgebaut worden sind, bis die Pflanze erntereif ist. Die Masse des Samenkorns ist im Vergleich zu den geernteten Früchten, oder der Pflanze an sich, einfach zu gering, um einen nennenswerten Einfluss zu haben. Eine Pflanze nimmt aus unserer verseuchten Luft, Regen und Böden sicher ein mehrfaches an Schadstoffen auf, als sie aus dem Samenkorn mitbekommen könnte.

Ähnlich ist es mit der Gewinnung des Saatguts. Im Gegensatz zum Ertragsanbau von Pflanzen benötigt man für die Saatgutgewinnung nur relativ wenige Pflanzen, bzw. wenig Fläche, und da die Pflanzen bzw. deren  Früchte nicht direkt in den Handel kommen, muss auch nicht so sehr auf makellose Anmutung geachtet werden, wie im Ertragsanbau. D.h. ein Betrieb der an Gewinn interessiert ist, wird allein schon der Wirtschaftlichkeit wegen so wenig Dünger und Pflanzenschutzmittel wie möglich einsetzen, wobei wie schon gesagt, der Bedarf auch geringer ist als wenn die Pflanze bzw. deren Früchte direkt für den Handel bestimmt sind, und über das Aussehen verkauft werden.

Ich finde keine vernünftigen Argumente für Öko-Saatgut. Ausser, dass eben aus Prinzip Öko sein muss, weil, Öko.

Kann mir hier jemand auf die Sprünge helfen, was die Vorteile von Öko-Saatgut sind?

 

Advertisements

7 Kommentare zu “Ich verstehe das nicht mit dem Öko-Saatgut”

  1. Trivial:
    Ökosaatgut ist ein Kaufsargument für die Menschen, die Bio wollen. Interessant wäre es, ob auch Samen aus der Mutationszüchtung als Ökosamen verkauft werden…

    1. Ich vermute mal, dass auch solche Samen als Öko verkauft werden können, und sich das Öko nur auf die Wachstumsbedingunen der Mutterpflanze bezieht und nicht auf die Ahnenreihe der Sorte.

      Eine kurze Google-Recherche hat allerdings nichts ergeben. Ausser ein paar beängstigende Fakten, wie im Freiland mit Radioaktivität experimentiert wird. Ich warte ja immer noch darauf, dass in so einem (absichtlich oder unabsichtlich, wie z.B. Chernobyl) bestrahlten Gebiet neuartige Krankheisterreger entstehen, weil auch alle Mikroben und Bakterien dort erhöhten Mutationsraten unterliegen.

  2. Ich kann Dir gerne sagen, was an Bio-Saatgut vorteilhaft ist:
    – man unterstützt nicht Konzerne wie Monsanto, Syngenta und Beier und wie sie alle heißen
    – man erhält Arten, die nach und nach vom Markt verschwinden, da sie angeblich nicht genügend Erträge bringen (was ich anzweifel, die Gemüse sind lediglich oft nur etwas aus der Norm, schmecken jedoch besser)
    – man kann mit Bio-Saatgut Nachkommen produzieren. Die meisten anderen Saaten produzieren keine. Das ist Absicht der Konzerne.
    . Bio-Saatgut ist immer Gentechnikfrei, sehr sehr wichtig.

    Ansonsten: Lies Dich gerne mal bei dreschflegel.de, bantam-mais.de usw. durch die Seiten.

    Ich kaufe und tausche fast nur noch Bio-Saatgut, außer das von Sperli und Kiepenkerl, sie wurden von der Firma mit dem „M“ vorne bereits aufgekauft… Darf man aber nicht ins Internet schreiben, weil sonst Unterlassungsklagen drohen.

    1. „man kann mit Bio-Saatgut Nachkommen produzieren. Die meisten anderen Saaten produzieren keine.“

      Das ist meiner Erfahrung nach nich richtig. Ich sammle Samen sowohl von Gemüse als auch von Blumen, weil das für mich zum Kreislauf dazugehört (Anzucht bis Ernte und neue Anzucht nächtes Jahr aus dem gesammelten Saattgut), und fast alles was ich zu Beginn aus konventionellem Saatgut aufgezogen habe ließ sich sich wieder mit Samen vermehren.

      Das einzige was mir bislang nicht gelungen ist aus Samen wieder zu ziehen ist Lavendel. Frag mich nicht, warum, es ist mir ein Rätsel. Ich habe mich beim Lavendel jetzt auf Stecklinge verlegt.

      Alte Sorten gibt es auch als konventionelles Saatgut, z.B. die „Rote Kugel 2“ ist eine recht alte Sorte von Roten Rüben und fast überall im Handel. Ähnlich die Tomatensorte Moneymaker, die schon über 1000 Jahre alt ist. Aber es stimmt, dass andere (nicht nur alte) Sorten verschwinden, und es ist gut, diese zu erhalten. Allein schon der Vielfalt wegen, und um für spätere Züchtungen eine breitere Ausgangsbasis zu haben.

      Ich glaube nicht, dass der Verkauf von Samen an privat für Monsanto ein wichtiges Geschäftsfeld ist, bzw, dass sie es spüren wenn dort weniger verkauft wird. Aber ich mag es auch nicht wie diese Firmen dem Ertragsanbau mit dem Verkauf von Hybrid-Saatgut die Möglichkjeit nehmen, Pflanzen selbst weiter zu vermehren, und noch weniger die unsinnige Gentechnik-Variante mittels Chemie-Resistenter Pflanzen den Einsatz von Pflanzenvernichtungsmitteln und Schädlingsvernichtungsmitteln auf dem Acker zu vereinfachen.

      Generell bin ich leicht Pro-Gentechnik, allerdings nicht in der Ausprägung wie sie im Moment stattfindet. Ich hoffe eher auf Entwicklungen die Pflanzen hervorbringen mit wertvolleren Früchten – ich glaube in China gab es einen Versuch Reis mit Karotinoiden anzureichern, um die Versorgung der Bevölkerung mit Vitamin A zu verbessern. ( http://de.wikipedia.org/wiki/Goldener_Reis ) Solcherart Gentechnik finde ich besser, d.h. Pflanzen dahingehend zu verändern, dass sie für den Menschen wertvoller werden, vom Inhalt her.

      Die Gentechnik, die nur den Einsatz von noch radikaleren Pflanzen- und Schädlingsvernichtungsmittlen als Ziel hat, halte ich für verfehlt. Genauso wie die frühen Versuche Schweine in Rindergröße zu züchten. Aber wie viele Technologie ist nicht die Gentechnik an sich schlecht, sondern gut oder schlecht ist es, was man damit macht. Ich bin sicher, dass man mit der Gentechnik mehr gutes bewirken kann, als wir bislang gesehen haben. Aber das müsste den Menschen oder die Natur in den Mittelpunkt stellen und nicht das Gewinnstreben von Konzernen. D.h. mit der momentanen gesellschaftlichen Struktur, in der Geld für Forschung vor allem von Konzernen kommt, wird eine Mensch- oder Naturzentrierte Gentechnik-Forschung eine kleine Nische bleiben, falls sie überhaupt stattfindet.

  3. Es können durchaus chemische Rückstände in den „ausgewachsenen“ Pflanzen bleiben, die so gering dosiert sind, das sie dem Menschen vlt kaum schaden. Dafür leiden Insekten darunter, für die selbst diese geringe Dosierung schädlich bis tödlich sein kann. Bienen bspw. können durch bestimmte neuronale Gifte den Orientierungssinn verlieren und sterben dann, weil sie nicht mehr in ihren Stock zurück finden.

    1. Das war die Geschichte mit diesem speziellen Mais und dem behandelten Saatgut? Das ist richtig, aber das würde ich nicht in einer normalen Saatguttüte vermuten. Mein Artikel drehte sich um das Saatgut, das im Einzelhandel an privat verkauft wird, und die Frage, ob es dort Sinn macht, speziell „Öko“ Saatgut zu kaufen.

      Im Gegensatz zu dem speziell gebeizten Mais-Saatgut würde ich hier höchstens Rückstände aus der Düngung und den Pflanzenschutzmitteln für die Mutterpflanze vermuten, was deutlich weniger sein sollte als bei gebeiztem Saatgut – wie im anderen Kommentar schon erwähnt haben die Saatguterzeuger eigentlich kein Interesse mehr Dünger und Pflanzenschutzmittel als nötig einzusetzen, da diese geld kosten, und zudem vermute ich, dass der Einsatz dort auch geringer ist als in anderen teilen der Landwirtschaft, z.B. dem Obst und Gemüseanbau, wo es auf möglichst große und optisch makellose Ernte ankommt. Bei Saatgut wird kaum jemand über die Optik kaufen, im Gegensatz zu z.B. einem schönen Apfel.

      Pillensaat ist extra ausgezeichnet, d.h. so etwas kann man vermeiden, ohne spezielles Öko-Siegel.

      Kurz: Du hast recht mit dem Mais und den Bienen, aber das war nicht die Art Saatgut, die ich meinte.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s