Warum Vegetarier manchmal angefeindet werden …


In der Stuttgarter Zeitung referierte unlängst ein Redakteur in einem halbseitigen Essay über seine Konversion zum Vegetarier, und den für ihn überraschenden Anfeindungen, denen er sich in den folgenden Monaten ausgesetzt sah. Er konnte diese Anfeindungen nicht verstehen …

Ich möchte ihm auf diesem Weg ein paar Erklärungsansätze liefern.

1) Essen in der Gruppe ist ein soziales Geschehen. Vegetarier machen gerade hier immer wieder ihre Sonderrolle deutlich. Menschen haben jedoch oft ein ausgeprägtes in/out Denken, was Gruppen angeht, und derjenige, der nicht isst, was die anderen Essen, ist dann schnell „out“, nicht mehr Teil der Gruppe.

2) Im Falle einer Einladung, sei es in der Familie oder im Freundeskreis, ist eine Ablehnung des Essens oft mit einer Kränkung des Kochs oder der Köchin verbunden. Je nach Naturell des Kochs oder der Köchin, wird diese Kränkung mehr oder weniger leicht verwunden. Aber man muss sich bewusst sein, dass manche Menschen auf kränkungen relativ heftig reagieren.

Des weiteren beklagt sich der Autor dass er als „fanatisch“ wahrgenommen wird, sich aber gar nicht fanatisch fühlt. Er sitzt hier einem Mißverständnis auf – die Außenstehenden beziehen den Fanatismus nicht auf eventuelle missionarische Versuche 8die er auch nicht unternommen hat), sondern auf die Kategorische Ablehnung von Fleisch. Es werden keinen Ausnahmen gemacht, weder als Zugeständnis an die Gruppe noch an die Situation. So ein kompromissloses Verhalten wird leicht als fanatisch verstanden, weil die Kompromisslosigkeit ein herausstechendes Attribut des Fanatismus ist, vielleicht mehr noch als missionarische Aktivitäten von Fanatikern.

Ich würde dem Autor raten, wenn er mit den Anfeindungen ein Problem hat, sich kompromissbereiter zu geben, und in der Gruppe, besonders unter Freunden oder in der Familie zu Essen was der Gruppe entspricht, bzw. was der Koch für den Gast zubereitet hat. Insbesondere gegenüber dem Koch ist es auch ein Zeichen der Wertschätzuing gerade für ihn/sie eine Ausnahme zu machen – ganz im Gegensatz zu der Kränkung, die der Koch durch die Ablehnung des Essens erfährt.

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