Vielleicht bin ich Fremdenfeindlich?


Heute habe ich mit Interesse einige Kommentare auf Telepolis anlässlich der Anschläge auf „Charlie Hebdo“ gelesen, die auch auf weitere Reaktionen auf die Anschläge eingehen.

Dabei ist mir in diesem Artikel http://www.heise.de/tp/artikel/43/43834/1.html ein Abschnitt besonders aufgefallen:

Auch in dem neuen Interview, veröffentlicht in einem Blog der islamkritischen und rechtskonservativen Szene, schimmert eine weniger auf den klassischen Rassismus, indes auf dessen kulturell begründetes Update fußende Fremdenfeindlichkeit durch. Oertel wird in dem sehr ausführlichen Beitrag zitiert mit den Worten:

Langfristig ist daher unser Ziel, dass die Politik insgesamt sich ändert und auch wieder nationaler denkt. Und sie der Überfremdung, nicht im Sinne von zu vielen Ausländern, sondern im Sinne von fremden Kulturen, vorbeugt. Es muss verhindert werden, dass sich fremde Kulturen hier platzieren und die deutsche Kultur eher an den Rand rückt. Wir sind hier in Deutschland und hier haben die deutschen Wertvorstellungen Vorrang.

Fremdenfeindlich ist man jetzt bereits, wenn man sich nicht gegen Fremde stellt, aber gegen fremde Kulturen.

Und ich dachte immer wir wären stolz auf die Kultur, die wir uns in den vergangenen jahrhunderten so hart erarbeitet haben. Die französische Revolution, die Aufklärung, der Humanismus. Der parallele Aufstieg der Wissenschaft. Die Nazi-Dikatur und die Befreiung davon, auch die erschütternden Erfahrungen aus zwei Weltkriegen, die Judenvernichtung, und der Entschluss, dass es zu so etwas nie wieder kommen darf. Die Kriege zwischen Protestanten und Katholiken, und die Erkenntnis, wie sinnlos das Morden des Glaubens wegen ist.

Unsere Kultur wurde mit viel Tränen erkämpft, auch mit Schweiss und Blut. Viele Leute haben Härten ertragen müssen, haben ihr Leben lassen müssen, so dass wir heute unsere Lehren daraus ziehen können, und es besser machen, als es in der Vergangenheit geschah.

Ich muss sagen, diese Kultur halte ich für wertvoll und auch für Schützenswert. Es ist ‚unsere‘ Kultur, im Sinne von ‚uns‘ als alle die sich dieser Kultur zugehörig fühlen, egal welche Nationalität. Verortet ist diese Kultur für mich in Europa, mit Schwerpunkten so grob in Mittel- und Westeuropa.

Ich muss sagen, ich finde diese Kultur verteidigenswert. Verteidigenswert, weil sie so hart errungen wurde, weil sie viele wichtige Gedanken enthält, die so schön in „Liberté, égalité, fraternité“ zusammengefasst wurden.

Ich bin dagegen, dass diese Kultur in meinem Heimatland ersetzt oder verdrängt wird durch andere Kulturen. Zumindest so lange andere Kulturen sich nicht deutlich überlegen darin zeigen, Frieden und Freiheit zu schaffen. Und ich muss sagen, dass mir im Moment der Kreis der islamischen Kultur, um die es im besonderen in dieser Diskussion geht, Frieden und Freiheit sehr fehlen, aus meiner Sicht ist in den von dieser Kultur dominierten Ländern Frieden und Freiheit selten gewährleistet oder gar über längere Zeit stabil. Auch deswegen stehe ich der Ausbreitung islamischer Kultur in meinem Heimatland skeptisch gegenüber, weil mein Eindruck ist, dass aus dem Umkreis dieser Kultur viele Unruhestifter und Fanatiker kommen, die alles andere als Frieden und Freiheit verbreiten.

Wenn das jetzt Fremdenfeindlich ist, dann stehe ich jetzt zu diesem neuen Attribut für mich. Ich werde dennoch jedem Fremden freundlich und hilfsbereit begegnen, aber ich erwarte von denen, die sich hier dauerhaft niederlassen, dass sie sich in unsere Kultur einfügen, und nicht, dass wir uns an ihre Kultur gewöhnen müssen.

 

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7 Kommentare zu “Vielleicht bin ich Fremdenfeindlich?”

  1. „Und ich dachte immer wir wären stolz auf die Kultur, die wir uns in den vergangenen jahrhunderten so hart erarbeitet haben.“

    Mir leuchtet das ein.

    Vor allem wundert mich die Asymmetrei: die angeblich nicht-rassistischen Vertreter anderer Kulturen bestehen ja ebenso auf ihrer Kultur und haben keineswegs vor, in unsere zu wecheln. Wie kann es da rassistisch sein, wenn wir Deutschen dasselbe machen?

    Oder man führt eine Asymmetrie durch Anrufung geheimniswoller Strukturen ein z.B. indem man behauptet, daß strukturell benachteiligte Minderheiten per Definition nicht rassistisch sein könnten – so wie das im Feminismus mit dem Sexismus läuft.

  2. Solange man sich immer bewusst macht, dass auch unsere derzeitige Kultur aus dem Einfluss vieler Kulturen erwachsen ist und sich weiter ändert, und solange man immer mal wieder fragt: Was, eigentlich, ist „unsere Kultur“? – solange stimme ich Deinen Gedanken zu.

    1. Ich hoffe, dass „unsere Kultur“ heute sich hauptsächlich vom Humanismus und der Aufklärung geprägt zeigt. Beides finde ich sehr wichtig, und beides sind Themen, die der Islam, wie er in den Nachrichten porträtiert wird, nicht unbedingt als Kernthemen hat. Ich würde sogar sagen, dass der Islam diesen beiden Strömungen ziemlich konträr gegenübersteht.

      Deshalb stehe ich dem Einfluss speziell des Islam auf unsere Kultur skeptisch gegenüber, weil ich fürchte, dass die Ideale der Aufklärung und des Humanismus wieder verloren gehen könnten, wenn wir dem Islam bei uns zu viel Raum zugestehen.

      Für mich sind Aufklärung und Humanismus wichtige Pfeiler unserer Kultur.

      1. Um die fürchte ich nicht. Nicht wegen des Islam jedenfalls! Da sind ganz andere, selbstgezüchtete Würmer zugange. „Aufklärung“ und „Humanismus“ haben allerlei Religionen zugelassen und sich mit ihnen beschäftigt. Sie sterben erst, wenn man vor lauter Angst vor einem Popanz das Hirn dicht macht.
        Lieben Gruß, Irja.

        1. Ich korrigiere mich selbst: Natürlich fürchte ich um Aufklärung und Humanismus! – Angesichts zunehmender Geschichtsklitterung in den Medien. Angesichts allgemeiner Verdummung. Angesichts … Usw. usf. Nichts davon hat mit „Islamisierung“ o.ä. zu tun, sondern mit einer Aushöhlung unserer o.g. Werte, die unsere Gesellschaft selbst betreibt.
          Zu „Islamisierung“ fällt mir im Augenblick eher was Positives ein: endlich werden überall auch Geflügel- und Rindswürste angeboten … 😀
          Lieben Gruß, Irja.

        2. Ja, böse könnte man sagen, unsere Regierung hat den Humanismus verkauft, und gegen neoliberale Ideale eingetauscht.

          Und die neoliberalen Ideale durchdringen inzwichen die gamnze Gesellschaft – Leistung und Individualität sind wichtig, wer aus irgend einem Grund nicht in der Lage ist Leistung zu erbringen (krank, behindert, andere Gründe) der wird schnell aussortiert.

          Du hast ganz recht, aktuell sind die Bedrohungen für den Humanismus weniger konservative Religionen, als Regierung und Organisationen, die andere Ideale verfolgen.

          Mit etwas Abstand betrachtet, die ganzen gemäßigten Muslime sind kein Problem, weder für usner Werte noch für die Gesellschaft. Das einzige Problem ist, dass sich im Moment viele Radikale auf den Islam berufen, und damit das Bild formen, dass der Islam eine brutstätte für Radikalismus sei. Leider ist der Islam zu zerspilttert, damit sich eine starke gemeinsame Position gegen die Radikalen „Islamisten“ formiert, aber erste Ansätze dazu existieren bereits. Ich hoffe, dass sich wie bei den christlichen Kirchen auch, eine gewaltfreie Interpretation des Islams durchsetzt.

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