Veraltet und zunehmend nutzlos


Veraltet und zunehmend nutzlos – so fühle ich mich immer wieder. Zuerst machte es sich bei der Arbeit bemerkbar, dass mein Fachwissen immer weiter veraltete, teils weil ich lange mit alten Systemen gearbeitet habe, und Neuerungen einfach an mir vorbeigegangen sind, und teils weil ich aus krankheitsgründen Reisen scheue, und deshalb an vielen Fortbildungen nicht teilgenommen habe. Teils auch, weil es Jahre gab, in denen die Firma sehr an Fortbildungen gespart hat, oder vielleicht auch sparen musste.

So kam das Gefühl auf, immer nutzloser zu sein, zumindest in der Firma. Und ich erklärte mir das auch mit einem Wandel meiner privaten Interessen, weg von der Softwaretechnik.

Aber inzwischen erreicht das alle möglichen Bereiche. Unlängst wollte ich an einer Diskussion über Autoreparaturen teilnehmen, und ich dachte, ich weiss viel über Auto-Technik. Bald stellte sich heraus, wie alt dieses Wissen ist. Es ist nicht falsch, nur hoffnungslos veraltet. Vieles davon stammt aus Büchern, die ich als Kind von meinem Vater bekam, und die er selbst, noch früher, zum Lernen herangezogen hatte. Das Wissen war damals noch halbwegs aktuell, heute aber total veraltet – das Wissen ist älter als ich selbst, und bezieht sich auf Autos, die heute als Oldtimer gelten.

Nun gut, ich war ja nie der große Auto-Freak, auch wenn ich mich, zumindest in früheren Jahren, ganz allgemein für Technik interessiert habe.

Dann erst kürzlich, Thema Computergrafik. Genauer, Zeichnen am Computer. Nun, das ist etwas was ich seit vielen Jahren aus vielerlei Gründen immer wieder getan habe, allerdings meist per Maus und einfachen (kostenlosen) Grafikprogrammen. Vor etwa drei Jahren habe ich mir dann ein Grafiktablett gegönnt, aber nie wirklich benutzt, auch weil mir die Programme fehlten – Photoshop ist einfach zu teuer. Und unlängst in einer Diskussion stellte sich heraus, dass auch diese Art von Tablett schon wider veraltet ist, und es jetzt Flachbildschirme in Tablett-Form gibt, auf denen man zeichnen kann.

Hmmja. Eine Neuerung die faszinierend und ungeheuer praktisch ist, in einem Gebiet wo ich zumindest hobbyweise tätig bin, und die komplett an mir vorbeigegangen ist. Hier war die Diskussion auch ganz konkret mit der Frage verbunden, wo ich denn hängengeblieben sei – ich wusste nichts anderes zu Antworten als „Hinter dem Mond, wie üblich, und viele Jahre in der Vergangenheit.“

Es gab auch Zeiten da wusste ich über Computerhardware gut Bescheid, inzwischen wird mir teilweise sogar jede Kenntnis von Computerinnereien abgesprochen. Ich fühle mich da manchmal unfair eingeordnet, weil es meist um Produkte geht, die ich nicht kenne, und nicht um grundlegende Kenntnisse, aber ich muss zugeben, aktuelle Produkte und Technologien rund um den Computer sind wieder mal an mir vorbeigegangen. Der Computer hat sich von einem Bastelhobby zu einem Werkzeug verändert, das ich nutze, über dessen Innenleben ich aber nicht viel Wissen will, Hauptsache es funktioniert und ist leistungsfähig genug für meine Bedürfnisse.

Fotografie – auch hier, das gleiche Lied. Ich habe Fotografieren mit einer Kamera gelernt, die komplett von Hand einzustellen war, später dann konnte ich von meinem Vater eine Spiegelreflexkamera mit eingebautem Belichtungsmesser und Blendenvorwahl leihen. In meinem Kopf ist das immer noch „modern“, aber modern in der wirklichen Welt der Fotografie ist etwas ganz anderes.

Ich frage mich, was hier passiert ist. Eigentlich habe ich immer noch das gefühl an vielem interessiert zu sein, und täglich neues lernen und neues zu entdecken. Aber dennoch veraltet mein Wissen immer mehr.

Liegt es an den psychischen Zusammenbrüchen? Oder bin ich schon vorher müde geworden, jeder Neuigkeit hinterherzulaufen?

Was auch immer die Ursache war oder ist, diese Müdigkeit ist es, welche die eigentlich Ursache des veraltenden Wissens ist. Aus Interesse an Neuem ist Mühe und sogar Abneigung geworden, es ist ermüdent immer wieder neu zu lernen, weil sich die Welt etwas weiter gedreht hat, und manchmal fühle ich gewisse Abneigung „schon wieder etwas neues, schon wieder muss ich mich einarbeiten, neu lernen“, Abneigung dagegen, Zeit zu investieren, die mir dann woanders fehlen könnte, oder gar Zeit für etwas zu investieren, was in ein paar Jahren schon wieder wert- und nutzlos geworden ist, wie so viel Wissen, das ich mir früher angeeignet habe.

Manchmal habe ich auch den Eindruck, dass es nicht mal mehr Möglich ist, etwas gut zu beherrschen, bevor das können durch veränderungen in der Welt schon wieder nutzlos geworden ist. Bin ich zu langsam, oder ändert sich die Welt zu schnell?

Eine rhetorische Frage, denn für mich bleibt das Ergebnis gleich – ich hinke immer weiter hinterher, ich weiss viel, aber das Wissen wird immer wertloser. Und ich fühle mich damit oft nutzlos, weil ich anderen Leuten bei Fragen und aktuellen Problemen nicht mehr helfen kann. Manchmal sogar nicht mal mehr mitreden kann, und das auf Feldern, wo ich früher fit war. Ein seltsames Gefühl.

 

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