Kritik unterdrücken oder zurückschlagen


Im Umfeld einer Diskussion zwischen Feministinnen bin ich auf folgende Aussage gestossen:

“Kritik zu unterdrücken oder sofort zurückzuschlagen, kann in manchen Fällen sinnvoll sein, in anderen jedoch nicht.”

Die Gedankenwelt, die zu solchen Aussagen führt, macht mich schaudern. Kritik anzunehmen kommt nicht vor. Die Kritik kann entweder unterdrückt werden, also nicht-existent gemacht, oder sie muss bekämpft werden, als auch nicht-existent gemacht, besiegt werden.

Kritik zu unterdrücken halte ich für eine sehr bedenkliche Strategie. Das ist meist der Stil totalitärer Regime, Kritik zu unterdrücken. Es fällt mir schwer, das als gute Strategie für Personen zu sehen, welche die Freiheit (der Frau) als Ideal hoch halten, mehr noch, eine schlechte Strategie für alle freiheitsliebenden Menschen.

Die andere Alternative: “Sofort zurückschlagen” – Aua.

Ich denke, generell, “zurückschlagen”, ist nicht der richtige Weg, um mit Kritik umzugehen. Es ist ja kein Kampf oder gar ein Krieg. Jemand hat Kritik geäussert, das sollte zunächst einmal Anlass sein, sich selbst zu prüfen, ob der kritisierte Punkt kritikwürdig oder verbessungsfähig ist. Wenn er es ist, dann war die Kritik berechtigt, und die Reaktion sollte ein “Danke für die Anregung” oder “Danke dass Du mir die Augen geöffnet hast” sein, oder etwas in der Richtung. Kritik tut oft weh, das ist ganz klar, aber sie hilft uns, uns weiterzuentwickeln.

Wer Kritik nicht zulässt, wird in seinem goldenen Käfig gefangen bleiben. Wir brauchen die Reflektion durch andere Menschen, um uns weiterzuentwickeln.

Hat man geprüft und stellt fest, dass man alles richtig, oder den Umstanden entsprechend nicht anders machen konnte, dann kann man auf die Kritik ganz selbstverständlich antworten, dass man sie als unzutreffend empfindet. Man kann Belege beibringen, welche die Kritik entkräften.

Zurückschlagen ist erfahrungsgemäß die schlechteste Möglichkeit, weil man dann die Chance zur Weiterentwicklung verpasst, und schnell in einen Kleinkrieg hineingezogen wird der meist viel Kraft und Zeit kostet, und kaum eine Chance hat, zu einem guten Ende zu kommen.

Ich hoffe, die Einstellung „unterdrücken oder zurückschlagen“ ist im Feminismus nicht generell verbreitet, sonst disqualifiziert sich der Feminismus selbst, und findet sich dann auf einer Stufe mit totalitären Gesellschaftsformen wieder, die ich eigentlich überwunden glaubte.

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2 Kommentare zu “Kritik unterdrücken oder zurückschlagen”

    1. Ich denke das kan als schönes Beispiel für den Kleinkrieg gelten. Ich habe es schon gestern gesehen, aber ich habe nicht viel davon gelesen.

      Interessant auch, dass es eigentlich gar nicht um den Inhalt des Buchs geht, sondern um den Stil, wie dafür geworben wurde, bzw. wie andere Meinungen unterdrückt werden sollen.

      Als möchtgern Wisenschaftler muss ich sagen, diese Diskussionen öden mich etwas an. Der Aufruf, andere Rezensionen zu unterdrücken disqualifiziert die Autorin bereits – wissenschaftliche Arbeit lebt von der Kritik, erst eine Arbeit die der Kritik standhält (ohne Aufruf zur Unterdrückung anderer Meinungen) hat sich bewährt. Eine Arbeit die vor Kritik geschützt werden muss, ist zumindest verdächtig, dass sie nicht stark genug ist, um durch Ihren Inhalt und die daraus zu ziehenden Erkenntnise überzeugen kann.

      Gut sind Arbeiten wie Albert Einsteins Relativitätstherore, die revolutionär Neues Gedankengut verbreitete, ungläubig bis skeptisch aufgenommen wurde, geprüft, und wieder geprüft wurde, und bislang in allen Experimenten bestätigt wurde – Experimente die teilweise extra gemacht wurden, um sie zu widerlegen. D.h. eine starke Arbeit braucht Kritik nicht zu fürchten. Sie wird in der Kritik nur stärker, weil die Kritiker sich am Ende selbst widerlegen. Mich überzeugen die 100 Jahre Jahre kritische Betrachtung und wiederholte Bestätigung mehr als die Arbeit selbst.

      Mich wundert es, dass die Leute das nicht erkennen, dass sie sich mit solchen Aufrufen selbst ins Abseits manövrireren – angenommen das Buch wäre gut, dann wäre es jetzt dennoch in der Glaubwürdigkeit beschädigt, allein durch den Aufrufg der Autorin.

      Tja. Vermutlich ist es in 6 Monaten vergessen, und all die Aufregung war umsonst.

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