Ist Vollkommenheit so gut?


In einer nicht ganz ernst gemeinten Diskussion in einem Forum kam das Thema Vollkommenheit auf, und ich begann etwas darüber nachzudenken, vor allem, ob es etwas gibt, das die Vollkommenheit gar nicht so erstrebenswert macht.

Dabei kam ich zu folgendem Gedankengang:  Vollkommenheit hat etwas langweiliges an sich. Interessant sind Dinge oder Zustände dann, wenn die Vollkommenheit gebrochen ist, und Spannung entsteht zwischen dem, was ist, und dem, was sein könnte.

Diese Spannung ist Triebkraft für Entwicklung und Veränderung, auch Anpassung an Veränderungen.

Das Vollkommene ist statisch. Es gibt nichts mehr, was verbessert oder verändert werden könnte. Es ist zwar vollkommen, aber auch wie tot.

Ich glaube das geht in die Richtung des gödelschen Unvollständigkeitsatzes. In unserer Welt ist sogar das Vollkommene nicht vollkommen, es hat einen inneren Widerspruch zum eigenen Vollkommenheitsanspruch.

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4 Kommentare zu “Ist Vollkommenheit so gut?”

    1. Ich denke, das ist so ganz richtig vormuliert.

      Gödel hat (vereinfacht gesagt) herausgefunden, dass unsere Welt Volkommenheit nicht zulässt. Zumindest was Welterklärungen angeht – entweder, die Erklärung ist nicht vollständig, oder sie enthält innere Widersprüche.

      Man sieht es auch an solchen Beispielen: Angenommen es gäbe ein allmächtiges Wesen. Dann muss es in der Lage sein, einen Stein zu schaffen, der schwerer ist, als es heben kann.

      Hier wird der innere Widerspruch deutlich – entweder scheitert das Wesen daran den Stein zu erschaffen, oder es kann ihn nicht heben.

      Das Ideal als Vorstellung, ist von dieser Einschränkung frei.

  1. Warum soll sich Vollkommenheit darauf beschränken, dass man alles lösen/heben kann? Vielleicht ist es ein Zeichen von Vollkommenheit, dass man die Dinge sie selbst sein lässt und sie – mitsamt den Grenzen des eigenen Könnens und Wollens, die sie einem aufzeigen – einfach so akzeptiert. Das oft zitierte Wasser kann den Stein auch nicht heben, kann aber je nach Situation damit umgehen: z.B. sich vor ihm stauen, ihn unterspülen oder ihn abtragen. Das ist alles andere als statisch geschweige denn tot.

    1. Mein Satz bezog sich auf das Unvollständigkeitstheorem von Gödel, ich wollte den Gedankengang an einem einfachen Beispiel illustrieren. Das kann natürlich einen formalen beweis nicht ersetzen.

      Und wie Du schon fesrtgestellt hast, es hängt auch davon ab, was man unter vollkommen (in dem anderen Beispiel waren wir bei allmächtig) versteht.

      Die Welt akzeptieren wie sie ist, das ist eigentlich die einzige Möglichkeit zum Glück. Es gibt auch den Rat, das (zum Besseren) zu verändern, was man verändern kann, und das andere einfach zu akzeptieren.

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