Schlaftabletten mit K.O. Wirkung gesucht


Seit Wochen, oder eher Monaten ist es jetzt das gleiche – ich bin müde, gehe ins Bett und schlafe Ewigkeiten nicht ein. Ein, zwei Stunden wach liegen sind inzwischen „normal“.

Später ins Bett gehen hilft nicht, dann liege ich im Prinzip genauso lange wach, nur fehlt mir am anderen Tag dann der Schlaf.

Ich versuche alle mir bekannten Tipps einzuhalten. Abends nichts aufregendes machen, nicht zu viel Essen, Computer rechtzeitig ausschalten, keine Hektik. Immer zur gleichen Zeit ins Bett gehen. Schlafzimmer dunkel, gut gelüftet, angenehme Temperatur.

Einschlafen war immer schwierig, aber in den letzten Wochen  ist es, zumindest gefühlt, noch schlimmer geworden. Im Moment wünsche ich mir Schlaftabletten mit K.O. Wirkung. Ob es überhaupt eine gibt, die bei mir wirkt? Im Krankenhaus habe ich ab und zu Schlaftabletten bekommen, davon hat nichts gewirkt. Baldrian entspannt, das ist schön, bringt mich aber auch nicht zum Einschlafen. Melisse genausowenig. Alkohol hilft auch nicht, eher im Gegenteil.

Ich schaffe es einfach nicht, das Denken ruhen zu lassen. Und es müssen nicht mal Sorgen sein, die mich wachhalten. Oft sind es Ideen oder Pläne, die mich wach halten. Manchmal stehe ich auf, um die Ideen zu notieren, in der Hoffnung, dass Ruhe ist, wenn ich sie aufgeschrieben habe. Nach dem dritten mal Aufstehen für eine Notiz wurde dann aber klar, dass das auch nichts bringt – naja, es bringt so viel dass die Idee ganz sicher nicht vergessen ist bis zum Morgen. Ob sie dann je umgesetzt wird ist wieder etwas anderes – ich habe viel mehr Ideen als ich Freizeit habe. Einmal habe ich stundenlang über Lösungen für ein Papierfalt-Problem nachgedacht (eine Blüte mit 6-facher Symmetrie, aus einem 4-eckigen Blatt Papier). Sicher ein hervorragendes Training für das räumliche Vorstellungsvermögen, aber eigentlich wollte ich schlafen, und kam nicht von dem „Problem“ los. Ein anderes Mal ging es um Reime für ein Gedicht. Dann wieder Pläne für den Garten. Oder Ideen zur Umgestaltung der Wohnung. Optimierung von Stauraum. Energie oder Wasser sparen. Manchmal auch Probleme von der Arbeit, oder über eines meiner anderen Projekte.

Es nervt langsam, immer müde zu sein, und trotzdem Nachts keine Ruhe zu finden. Und zur Zeit habe ich wirklich keine großen Sorgen, die mich wachhalten müssten, es ist alles mehr oder weniger normal, nicht besonders toll, aber sicher auch nicht schlecht.

Warum ist es so schwer, das Denken einfach mal sein zu lassen?

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7 Kommentare zu „Schlaftabletten mit K.O. Wirkung gesucht“

  1. Kenne ich. Mein mittel: Hörspiele die ich bereits kenne (ich höre gerade Harry Potter, Lord oft the rings odes hitchhikers). Das beschäftigt genug, um nicht in das gedankenkarusel zu kommen, ist aber nicht so spannend, dass es mch wachhaelt. Klassische Musik geht auch ganz gut.

    1. Ich hoffe, das klappt. Es darf auf gar keine Fall spannend sein, sonst will ich unbedingt weiter hören. Vielleicht sollte ich so eine Meeresrauschen-CD oder so etwas probieren.

  2. Rituale können helfen. Meines entstand zufällig. Ich habe damit vor ca. zwei Jahren begonnen, weil ich schlecht einschlafen konnte: im Radiowecker SWR2 eingestellt, da kommt nachts meist klassische Musik. Den Sleep-Timer auf 30 oder 60 min eingestellt und angefangen zu lesen. Am Anfang musste ich den Timer oft nochmals einstellen. Letztes Jahr irgendwann fiel mir auf, dass ich nur noch wenige Seiten lesen konnte, weil mir von selbst die Augen zufielen. Mittlerweile habe ich das System perfektioniert: mit bereits geschlossenen Augen das Buch weglegen, Brille daneben, blind nach dem Lichtschalter tasten, Licht aus – und einschlafen. Es ist wohl eine Art Konditionierung, die da greift. Damit habe ich die vorherige Selbstkonditionierung (wenn man partout nicht einschlafen kann und sich dabei verrückt macht) ersetzt.
    CDs mit Meeresrauschen oder Meditationsmusik haben mir eher nicht geholfen, da ich immer recht schnell wusste, was als nächstes kommt. Das Radio hingegen überrascht mich nur selten mit bekannten Stücken.
    N.B.: Dass man auch bei Depression nicht schlafen kann und es zu Gedankenandrang kommen kann, weißt Du, oder?

    1. Die Depression mag eines der Probleme sein, dazu kommt, dass meine Anti-Depressiva auch Schlafstörungen verursachen. Zum Glück ist es wieder besser geworden, ohne dass ich viel ändern musste. Die Einschlafprobleme hatte ich allerdings so lange ich denken kann, schon als Kind, bis hin zu dem Punkt dass mich meine Eltern zum Kinderpsychologen gebracht haben. Der brachte mir autogenes Training bei, das ist toll als Entspannungstechnik, und ich bin froh dass ich das gelernt habe, aber zum Einschalfen hat es nicht viel gebracht.

      Die Depression an sich kam erstmals 2005 so richtig zum Vorschein. Angstprobleme hätte ich schon mein ganzes Leben lang, als Kind waren es meist irgendwelche Monster, die nur darauf warteten dass ich einschlafe, und die mich so wachhielten.

      Im Schullandheim und später bei der Bundeswehr habe ich immer die Leute beneidet, die praktisch sofort einschlafen konnten. Toll, dass Du Dir das antrainieren konntest 🙂

  3. Im meinem Bekanntenkreis gibt es einen sofort-und-bei-jeder-Gelegenheit-Schläfer. Der hat mir insofern geholfen, als er mir sagte: a) „was machst Du Dir Gedanken darüber, was andere von Dir denken? Die denken was sie wollen, egal was Du tust. Du kannst es nicht beeinflussen.“ b) „Heute nacht kannst Du eh nichts mehr ändern. Warum schläfst Du nicht einfach?“. Seitdem übe ich das Loslassen. Und damit wohl auch das Sterben. Nicht umsonst nennt man den Schlaf auch den kleinen Bruder des Todes.

    1. Sczilla, ich stimme zu, dass das loslassen eine ganz wichtige Sache ist. Und eine, in der ich notorisch schlecht bin.

      Aber warum solltest Du damit das Sterben üben? Loslassen nimmt die Angst vor dem Tod, aber deswegen würde ich nicht sagen, man übt damit das Sterben.

      Ein Punkt über den ich lange nachgedacht habe ist der „was machst Du Dir Gedanken darüber, was andere von Dir denken? Die denken was sie wollen, egal was Du tust. Du kannst es nicht beeinflussen.“

      Man kann es schon beeinflussen,indirekt, durch die Art und Wiese wie man Auftritt, was man sagt, wie man es sagt, und wie man handelt.

      Es ist auch wichtig, was andere über einen denken, insbesondere wenn es der Chef oder der Vermieter ist.

      Aber die Nacht ist der falsche Zeitpunkt, um sich darüber Sorgen zu machen, das ist ganz richtig. Und ab und zu hat es mir schon geholfen, wenn ich wieder dabei war über solche Sachen nachzudenken, zu mir selbst zu sagen „Nicht jetzt“. Das funktioniert sogar ganz gut, das Unterbewusste scheint damit zufrieden, wenn etwas vertagt wird, während Ablehnung nicht funktioniert.

      Schlaf und Tod waren in der griechischen Mythologie Brüder, aber eher wie der gute und der böse Zwilling. Der Schlaf spendet Kraft, der Tod nimmt das Leben.

      Danke für den Kommentar! Das hat mich an manches erinnert was ich schon mal wusste und konnte und wieder vergessen hatte.

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