Wenn Dinge wichtiger werden als Geld


Eines muss ich zu diesem Artikel vorwegnehmen – ich bin kein ausgebildeter Betriebs- oder Volkswirt, und erhebe keinen Anspruch auf besondere Korrektheit meiner Hypothesen. Dieser Artikel soll vor allem ein Denkanstoß sein, und jeder Leser möge sich seine eigenen Gedanken machen – egal ob das Resultat dann heisst „völliger Blödsinn“ oder „gerechtfertigte Sorge“.

Geld, obwohl es auf der Bank sicher zu sein scheint, ist eine relativ verletzliche Anlage. Das wurde gerade in den letzten Jahren deutlich, als politische Entscheidungen zur Rettung der Eurozone immer mehr Einfluss auf den Euro und damit auch die Sparanlagen nahmen.  Der Sparer hat kein Mitspracherecht, er muss hinnehmen, was die Politiker und die europäischen Währungshüter entscheiden. Oder auch der IWF, im Falle überschuldeter Länder. Und der IWF hat sich schon ganz offen dafür ausgesprochen, die Geldvermögen der Sparer zumindest teilweise zu Pfänden, um kriselnde Wirtschaften zu retten. Und wer erinnert sich nicht an das „Die Renten sind sicher“ Mantra? Und was jetzt daraus geworden ist?

Jetzt schreibe ich das im Bewusstsein, dass ich eine Angsstörung habe, wenn sie im Moment auch eher moderat ist, und fällt es mir schwer zu sagen, wie viel meiner Sorgen und Ängste gerechtfertigt sind, und wie viel übertreiben ist. Ich möchte also keine Panik verbreiten, aber zum Nachdenken anregen.

Was ich beobachten kann ist folgendes – die Geldmenge im Umlauf nimmt schon seit langer Zeit zu. Aus ganz verschiedenen Gründen, sei es die Geldschöpfung der Banken, oder die neue Strategie der Zentralbanken zur Rettung schwächelnder Banken und Wirtschaftszonen. Das trifft den Dollar ebenso wie den Euro, und es trifft auch den Yen.

Schon lange habe ich daran herumgerätselt, was eigentlich den Wert einer Währung ausmacht. Einige Faktoren, die ich ausmachen konnte:

  • Reserven an wertvollen Ressourcen
  • Wirtschaftskraft
  • Infrastruktur
  • Politische Ordnung
  • Bevölkerungsstruktur (Bildung, Alter …)
  • Vertrauen

Einige davon sind harte Faktoren, wie z.B. der Wert der Infrastruktur in einer Region, anderes sind weiche Faktoren, wie z.B. das Vertrauen der Marktteilnehmer, das relativ schnell verloren gehen kann.

Der Wert einer Einheit einer Währung ergibt sich somit aus einer Art von Balance zwischen der Geldmenge im Umlauf, und der Summe der oben aufgelisteten Faktoren, und vielleicht noch ein paar weiteren, die mir entgangen sind. Wobei das hier alles andere als harte Mathematik ist, aber es geht zunächst einmal mehr um die grundlegenden Mechanismen, als um exakte Mathematik – letzendlich ist es das Vertrauen der Menschen, sowohl der Käufer als auch der Verkäufer, das der Währung ihren Wert gibt, und das ist schon an sich keine exakte Wissenschaft, sondern etwas sehr subjektives.

Nun gesellt sich zu der ersten Beobachtung, dass die Geldmenge wächst, eine zweite – das Gegengewicht der Balancefaktoren wächst eher nicht, und wuchs auch in der jüngeren Vergangenheit stets langsamer als die Geldmenge. Das führt zu einem Ungleichgewicht zwischen der Menge des Geldes, das im Umlauf ist, und dem Wert, der diesem Geld zugeschrieben wird.

Selbst wenn man Deutschland nimmt, von dem man sagt es steht gut da, stellt man fest, dass es um die Balancefaktoren nicht gut bestellt ist:

  • Begrenzte Reserven an wertvollen Ressourcen, Tendenz abnehmend.
  • Die Wirtschaft wächst nur langsam, viel langsamer als die Geldmenge.
  • Die Infrastruktur wird immer mangelhafter. Strassen, Brücken, Abwasserkanäle, Gas- und Stromleitungen, vieles ist alt, und der Zustand wird eher schlechter als besser. Wartungsmaßnahmen werden verschoben, es fehlt am Geld (und manchmal auch am Willen).
  • Skandale erschüttern die Politik. Fehlurteile belasten das Vertrauen in die Justiz. Korruption wird in immer weiteren Bereichen von Politik und Wirtschaft sichtbar. Die Handlungsfähigkeit der Politiker nimmt immer weiter ab.
  • Die Bevölkerung altert, und die Arbeitskraft schwindet. Immer weniger Jüngere müssen immer mehr ältere Versorgen.
  •  Die Bildung wird beschleunigt, nicht vertieft. Z.B. 8-jähriges Gymnasium, Bachelor statt Diplomstudiengänge, der Wunsch nach immer jüngeren Absolventen. Der Fachkräftemangel tut ein Übriges, um die Wirtschaft zu schwächen.

D.h. man kann beobachten, dass das Gegengewicht zur Geldmenge eher kleiner als größer wird. Was den Euro (und auch den Dollar oder den Yen) noch stützt ist hauptsächlich das Vertrauen der Marktteilnehmer. Eine Deckung im Sinne echter Werte, welche die Währung stützen, hat schon seit einiger Zeit abgenommen, und nimmt weiterhin ab. Und ich meine jetzt nicht die Golddeckung, die schon vor langer Zeit aufgegeben wurde, sondern eine Deckung allein über die Werte, die ein Land oder eine Wirtschaftsregion als Gegengewicht zur Geldmenge vorbringen kann.

Sollte jetzt auch noch das Vertrauen schwinden, so gibt es nur noch wenig, was der Währung noch einen Wert gibt.

Das ist meine Sorge – unsere Währung ist sehr verletzlich geworden, und auch wenn die Inflation im Moment noch gering ist, weil das Vertrauen vorhanden ist, kann die Inflationsgefahr schnell zu einer Realität werden, wenn zusätzlich zu den anderen Faktoren auch noch das Vertrauen schwindet – und wenn die Inflation erst mal eingesetzt hat, dann schwindet das Vertrauen noch schneller, und das System steuert in eine Hyperinflation.

Vielleicht kommt jetzt die Zeit der Sachwerte. Noch hat die Währung Kaufkraft. Die Rendite von Geldanlagen ist so niedrig, dass Sparen sich eigentlich nicht mehr lohnt, man kann das Geld durchaus auch anders investieren, ohne sich große Sorgen zu machen – ich meine jetzt nicht, das Geld zu verprassen, sondern eher, das Geld zum Erwerb von Dingen zu nutzen, die in, oder nach einer Währungskrise von Nutzen sein können.

Immobilien sind sicher eine Investition dieser Art. Egal ob es um Wohnraum geht, oder Land für Ackerbau und Viehzucht – in einer Zeit, in der das Geld nichts mehr Wert ist und die Wirtschaft darnieder liegt, ist beides wertvoll.

Aber nicht jeder hat so viel Vermögen angespart, um sich eine Immobilie leisten zu können. Es scheint dennoch einige weitere Möglichkeiten zu geben.

Edelmetalle können in Zeiten der Inflation als Zahlungsmittel dienen. Praktisch sind vor allem Gold- und Silbermünzen, deren heutiger Verkehrswert annähernd dem Materialwert entspricht, denn der Materialwert bleibt, wenn der Verkehrswert sinkt. Edelmetalle in Barrenform sind im Zahlungsverkehr unpraktisch, können aber als Anlage dienen, um Vermögen über die Krise zu retten. Vorausgesetzt, man kann Münzen und Barren sicher aufbewahren.

Für Handwerklich begabte sind Werkzeug, Maschinen und zu einem gewissen Grad auch Material eine Idee – in einer Gesellschaft ohne kaufkräftiges Geld wird Handwerk, vor allem Reparaturen, eine geschätze Leistung bleiben, die sich gegen anderes eintauschen lässt. Wer gut ausgerüstet ist, hat dann einen Vorteil, noch über die Eigenversorgung hinaus.

Fortbewegungs- oder Transportmittel sind vermutlich auch eine interessante Investition, aber ohne Geld oder andere Möglichkeiten, um Treibstoff bezahlen zu können, eher wenig nützlich. D.h. der Wert der Transportmittel hängt stark davon ab, wie leicht Treibstoff zu beschaffen sein wird. Gasmotoren, die Biogas verbrennen können, oder der uralte Holzvergaser in einer modernen Form werden dann Gewinner sein.

Eine weitere Idee, Geld sinnvoll auszugeben, so lange es noch etwas Wert ist, ist es, Anschaffungen und Reparaturen vorzuziehen. Wenn absehbar ist, dass der Kühlschrank oder die Nähmaschine es nicht mehr lange machen, dann kann es sinnvoll sein, den Kauf vorzuziehen, bevor die Inflation einsetzt. In der Krise wird die Beschaffung solcher Geräte sehr schwierig sein. Diese Art der Investition ist vor allem sinnvoll für Dinge wie die Nähmaschine, die in einer Krise ganz allgemein gute Dienste leisten werde. Zumindest so lange es noch Strom gibt – veilleicht ist es besser eine gebrauchte Nähmaschine mit Pedalantrieb zu erwerben. Und für den Kühlschränk auch gleich noch das Solarpanel dazu. Oder wiehern hier jetzt meine Paranoia?

Das Kuriose ist, dass viele dieser Vorsorgemaßnahmen helfen, die Krise weiter hinauszuschieben, weil Anschaffungen und Reparaturen die Wirtschaft unterstützen, und für Arbeit sorgen.

Ich glaube, die Frage ist im Moment weniger, ob die Krise kommt, sondern wann sie kommt, und wann man mit den Vorsorgemaßnahmen beginnen sollte. Ich gehe aber davon aus, dass die Inflation zu beginn eher langsam steigt, und man mit etwas Beobachtung und Nachdenken den Zeitpunkt erkennen kann, wann es dringlicher wird, sich vorzubereiten.

 

 

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