Religionsfreiheit


Es begann eigentlich ganz zufällig – mit einer kleinen Blödelei in einem Forum. Eine Forantin hatte sich beklagt über Schädlinge und Krankheiten, die ihre Rosen befallen haben, und ich habe als Frotzelei geantwortet, ob sie vergessen hätte den Göttern ein Brandopfer darzubringen. Und dass die Götter jetzt beleidigt sind und ihre Legionen an kleinen Plagen geschickt haben.

Es spann sich etwas weiter, und wir kamen über den Regentanz der Indianer zu der Idee eines Ameisen-Verteibungs-Tanzes. Worauf dann die Forantin antwortete, dass, wenn sie so einen Tanz im Garten aufführte, sie Sorge hätte, dass die Nachbarn sie für nicht ganz richtig im Kopf halten könnten.

Das hat mich daran erinnert, dass ich zu einer Zeit im Winter, als es schon wochenlang keine Sonne gab, in einem Forum nach Sonnenzaubern gefragt hatte, und mir empfohlen wurde, dem Sonnengott ein Brandopfer darzubringen – den Wunsch nach Sonne auf ein Stück Papier zu schreiben, und das Papier im Freien (in einer Schale) zu verbrennen, so dass der Rauch den Himmel erreichen kann.

Ähnlich wie die Forantin, die sich nicht traute im Garten zu tanzen, ging es mir – ich habe mich nicht getraut, mich mit einer Schale in den Garten zu stellen, das Papier zu entzünden und die Schale gen Himmel zu halten.

Jetzt haben wir Religionsfreiheit im Grundgesetz. Große Religionen wie das Christentum, der Islam, Buddhismus usw. sind alle anerkannt und die Mitglieder haben im Allgemeinen auch kein Problem, wenn sie sich dazu bekennen.

Vielleicht ist es nur Einbildung – aber es scheint ein gewisser sozialer Druck da zu sein, der es schwer macht, einer polytheistischen, einer Naturreligion oder einem privat ausgeknobeltem Glauben anzuhängen, wenn man dazu etwas für alle Sichtbar sichtbar tun muss – wie z.B. im Freien zu tanzen oder ein Brandopfer darzubringen.

Es ist sicher euch eine Frage der Courage, aber ich möchte keine Spannungen mit den Nachbarn, ich bin froh zu allen ein gutes Verhältnis zu haben.

Es wird viel über Toleranz geredet, aber so ganz selbsverständlich ist es noch nicht geworden. Zumindest gefühlt, auf die Probe habe ich es noch nicht gestellt. Es scheint mir zu riskant, wenn man einmal den Ruf weg hat, eine Macke zu haben, dann ist es schwer, oft sogar unmöglich, das wieder einzurenken. Es existiert also ein nicht ganz unerheblicher Druck, hin zum „normalen“, was dann im Fall der Religion eine der großen, etablierten Religionsgemeinschaften meint.

Dennoch, mein Wunsch nach Sonne wurde dieses Jahr erfüllt. Falls es den Sonnengott wirklich gibt, so möchte ich hiermit Danke sagen, auch wenn ich mich die Sache mit dem Brandopfer nicht getraut habe.

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2 Kommentare zu “Religionsfreiheit”

  1. Ich denke, dass deine Befürchtungen eher unbegründet sind.
    Die meisten Leute sind doch toleranter als man annimmt. So ist wenigstens meine Erfahrung.
    Als ich hierher zog und morgens mein QiGong auf der Wiese machte, da schauten auch alle verwundert, und als ich öfter mal Wünsche gen Himmel schickte durch abfackeln des Wunschzettels, da fragten mich doch einige, was ich denn so treibe. Mit einem Lachen erklärte ich es ihnen und sie meinten, naja, wenn es hilft, dann ist es doch gut.

    In der Regel machen wir uns viel zuviele Gedanken, was andere von uns halten können. Dabei haben wir ja keinerlei Einfluss auf das, was sie denken.

  2. Religionsfreiheit ist relativ, selbst bei Menschen jüdischen Glaubens gibt es leider auch heute noch Menschen in Deutschland, die aus Angst vor Gewalt sich nicht trauen damit in die Öffentlichkeit trauen.

    Kann verstehen, dass Du Dir Sorgen um das Urteil der anderen machst. Andererseits kann es ein (zu?) hoher Preis sein, den Du zahlst, wenn Du Dich dem Urteil anderer unterwirfst. Doch wer lässt sich schon gerne als verrückt bezeichnen? Schade, dass Angst so viele Mauern baut, denn letztlich könnte es doch interessant sein, was der Nachbar unternimmt. Viele sind vorsichtig, wenn sie in der Nachbarschaft oder gar am Arbeitsplatz ihre esoterische Neigung zeigen.

    Aus diesem Grund ziehen viele in eine Großstadt, denn dort interessieren sich viele Menschen mehr für sich selbst, als für andere und fast jeder kann so leben, wie er möchte.

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