Mehr Durchblick – nur für Wohlhabende?


Ich benötige wieder mal eine neue Brille. Die alten Gläser sind zerkratzt, und die Stärke stimmt nicht mehr. Etwa fünf Jahre haben die alten Gläser gehalten, was eigentliche eine gute Zeit ist, manchmal kommen die Kratzer schon viel früher, trotz Nassreinigung und Vorsicht. Die kratzfeste Beschichtung verdient diesen Namen eigentlich gar nicht, und manchmal hatte ich schon den Eindruck, dass sich die Beschichtungen ablösen, wenn man die Brille häufig putzt.

Ich werde also beim Optiker meine Augen vermessen lassen, und mir einen Vorschlag für Gläser machen lassen. Ich erwarte einen heftigen Schlag ins Kontor, denn mit einer Kombination aus Kurzsichtigkeit, Hornhautvekrümmung und Alterssichtigkeit sind Gläser, welche die Sehfehler anständig korrigieren können, recht teuer.

Ich ging bislang von 500 Euro für die Gläser aus, ein Kollege erklärte mir, er habe fast 1000 Euro für seine Gläser hinlegen müssen – wohlgemerkt, nur für die Gläser, noch ganz ohne Gestell.

Auf die Frage, die ich stellen werde, ob es auch billigere Gläser gibt, wird der Optiker wie immer Antworten, dass es welche gibt, aber:

  1. Die Einsparmöglichkeiten klein sind
  2. Die Qualität deutlich schlechter ist

Da es dann wenig Unterschied macht, ob ich 460 oder 510 Euro zahle, werde ich die besseren Gläser nehmen, denn mit meinen Hobbies wie Fotografie, Grafik und Basteln ist das präzise Sehen sehr wichtig für mich, ganz zu schweigen von der Arbeit am Bildschirm. Wer schlecht sieht und einmal einen Faden in eine Nadel Fädeln wollte um etwas zu nähen, weiss wie wichtig es ist, dass man gut sieht.

Ich frage mich nun, wie ein mittelloser Mensch mit einer Fehlsichtigkeit wie meiner (oder der meines Kollegen) zu einer Brille kommt. Der Kassenbeitrag für eine Brille ist, glaube ich, um die 18 Euro pro Glas. Dafür bekommt man kein Glas, das einen solchen Sehfehler korrigieren kann. Müssen diese Leute halb blind durch das Leben gehen?

Google gab mir diese Information:

Die Brille ist aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen gestrichen und wird nur noch in sehr begrenzten Fällen bezuschusst.

Mit Brille erreiche ich an die 100% Sehschärfe, weil die Netzhaut gut ist, nur die Linse ist total verbogen. Ohne Brille dürfte ich die berühmte gelbe Binde mit den drei Punkten tragen, weil ich so wenig sehe.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass man es mittellosen Menschen antun kann, weitgehend Blind zu sein, aber ich traue es unserem Sozialstaat inzwischen durchaus zu, dass jemand, der einen solchen Sehfehler hat, und kein Geld, dann weitgehend Blind durchs Leben gehen muss. Von der (Un-)Möglichkeit auf diese Weise einer Erwerbstätigkeit nachzugehen ganz zu schweigen.

 

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6 Kommentare zu “Mehr Durchblick – nur für Wohlhabende?”

  1. Meine neue Brille hat rund 18 € gekostet – aber ich brauche sie „nur“ zum lesen, also auch zum nähen (beim Einfädeln gibt es einen Trick ;-)).
    Dafür ist die Brille nicht entspiegelt und ein Gestell, dass nichts gekostet hat, also auch nicht so gut bzw. bequem sitzt und die Mitarbeiterpolitik des Optikers ist menschenunwürdig, wie man mir sagte.
    Für meine alte Brille hatte ich so ca. 400 – 500 DM ausgegeben – mir war damals sehr gute Qualität sprich Haltbarkeit wichtig und ich konnte sie mir leisten. Tatsächlich hat sich diese Brille bis heute gehalten, obgleich ich nicht besonders gut mit ihr umging, sie täglich gebrauchte und sie mir oft aus der Hand fiel. Nur ein ganz leichter Kratzer ist auf ihr und sie ist ca. 14/15 Jahre alt.
    Die neue Brille hat jetzt schon einen leichten Kratzer. Kratzer sind nervig, denn sie stören das sehen. Wahrscheinlich wird es jetzt bei mir darauf hinauslaufen, dass ich mir alle 3 Monate so eine Billigbrille kaufen muss, damit ich vernünftig sehen kann. Mal sehen 😉 Ich versuche sie wie ein rohes Ei zu behandeln, aber so ganz will mir das nicht gelingen, weil eine Brille für mich halt nichts weiter als ein Werkzeug ist.
    Eine gute Brille würde mich heute ca. 400 € kosten (habe mich informiert). Auf 10 Jahre gerechnet würde sich das sehr viel mehr lohnen als im Vergleich zu 4 mal 18 € Billigbrille pro Jahr. Faktisch verdient die Wirtschaft also mehr Geld an / mit mir, einem Sozialhilfempfänger, als mit einem Gutverdiener. Da soll noch einmal einer auf meinereiner schimpfen 😉

    1. Das hast Du Glück, dass Du für 18 Euro eine Brille bekommst, die den Sehfehler korrigiert. Das geht so lange man nur einen „einfachen“ Sehfehler hat.

      15 Jahre ist ein stolzes Alter für die Brille. Leider verändern sich meine Augen und ich benötige immer mal wieder eine neue Brille, auch wenn die Gläser noch in gutem Zustand sind. Diesmal war es eher andersherum, aber der optiker hat doch Abweichungen von in Summe mehr als 1 Dioptrie pro Auge gemessen, wobei die Kurzsichtigkeit besser wurde, die Hornhautverkrümmung schlechter, und die Alterssichtigkait auch zugenommen hat.

      Das andere Problem, dass man Leute zwingt sich Billigprodukte zu kaufen, weil sie nicht genügend ansparen können (oder gar dürfen) um haltbare Produkte zu erwerben ist eigentlich nur pervers zu nennen. So hält man die Leute arm, weil sie sich nie etwas aufbauen können.

      Dazu kommt noch die Schwierigkeit heutzutage ein haltbares Produkt zu erkennen. Haltbare Produkte sind of teuer, aber nicht alle teuren Produkte sind haltbar, der Preis ist also kein guter Hinweis, und Verkäufer verkaufen einem, was der Marktleiter ihnen gerade aufgetragen hat.

      1. Ja das stimmt, was Du schreibst. Ich versuche immer wieder diesem „Raubkapitalismus“ ein Schnippchen zu schlagen – manchmal gelingt es
        Z. B. habe ich entdeckt, dass es statt Zahnseide auch einfach Nähgarn tut – mit der nötigen Übung 😉
        Danke für Deinen Bericht, ich glaube, die nächste Brille, wird wieder eine, die die nächsten 15 Jahre hält, kann ja sparen.
        Viele Grüße
        Zoe

  2. Manchmal frage ich mich, wo denn die angeblich so gute medizinische Versorgung ist. Es wird nur noch gestrichen und gute Versorgung gibt es fast nur noch gegen Bares.
    Meine Brille war das günstigte, was ich bekommen konnte, und sie hat mich auch fast 100 Euro gekostet.
    Jetzt kommt noch der Zahnarzt, der über 2000 Euronen von mir haben will….woher ich das nehmen soll, das weiß ich auch nicht.
    Und das in einem der reichsten Länder der Welt…,.

    1. Von „guter Versorgung“ kann man im Moment nur im Vergleich zu anderen Ländern sprechen. Dort ist es einfach noch schlimmer, und das nutzen unsere Politiker um zu behaupten, bei uns sei es gut, weil es besser ist als anderswo.

      Brillen, zumindests die Basisvariante zur Korrektur eines Sehfehlers aber ohne weiteren Schnickschnack wurden mal von den Kassen bezahlt.

      Zähne, Sehhilfen, ein Hörgerät usw. sollten in einem Sozialstaat von der Solidaritätsgemeinschaft getragen werden. Ansonsten ist die Solidarität eigentlich keine die diesen Namen verdient.

      Zahnersatz ist unverschämt teuer. Und die Zahnzusatzversicherungen auch.

      Das „eines der reichsten Länder der Welt“ ist so eine Sache. Einige Leute haben große Vermögen, aber das macht ein Land nur auf dem Papier reich. Die soziale Schere öffnet sich immer weiter, die Reichen werden reicher, die Armen werden ärmer und der Mittelstand wird immer kleiner.

      Unsere Staatschulden sind enorm. Etwa jeder fünfter Euro aus Steuern und Abgaben geht direkt in die Schuldentilgung. Unsere Infrastruktur (Strassen, Strom-/Gas-/Wasserleitungen, Abwasserkanäle, Schienenetz u.ä.) werden seit Jahren nicht vernünftig instand gehalten und die Schäden und Mängel werden immer mehr sichtbar. Die Solidargemeinschaft bröckelt, das Geld fehlt überall.

      Ich tue mir schwer, Deutschland noch als reiches Land zu bezeichen – sicher, Geld ist da, irgendwo in den Taschen von bestimmten Leuten, aber dieses Geld arbeitet nicht für das Land, es ist kein reichtum des landes, sondern einzelner Personen.

      Unlängst in einer Diskussion bekam ich auf meine Anmerkung „Volkswirtschaftlich gesehen ist das aber nicht gut“ die Antwort „Volkswirtschaft gibt es nicht mehr.“ D.h. die Gesamtbetrachtung, das was der Gesellschaft als Gewinn oder Verlust bleibt, wird zunehmend ignoriert, und es zählt nur noch die Gewinn- und Verlustrechnung einzelner Personen.

      1. Ja, die Verteilung des Reichtums ist eindeutig, deshalb schaut die Politik ja auch darauf, dass es den Reichen gut geht, die Armen laufen nur nebenbei,so habe ich den Eindruck.
        Dieses System kann so nicht weiterbestehen, denke ich. Es muss irgendwann zusammenbrechen.

        Die Solidargemeinschaft ist eine tolle Sache, schade, dass es sie nicht mehr gibt.

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