Saatgut-Monopolismus, ein Kommentar


Ein Artikel, der Misstände in der Zucht neuer Sorten aufdeckt, aber auch auf die Schwierigkeiten des Saatgut-Monopolismus hinweist, hat mich dazu gebracht, diesen Kommentar zu schreiben.

http://cgarvay.wordpress.com/2014/04/22/die-inzucht-industrie/

Diese Saatgutgesetze sind eine knifflige Sache. Zum einen will man Züchter, die neue Sorten entwickeln, schützen – wenn es einen solchen Schutz nicht gäbe, dann würde fast niemand Jahre oder Jahrzehnte an Aufwand in die Zucht neuer Sorten investieren. So eine Investition muss sich auch lohnen.

Sicher, es gäbe auch ohne Schutz noch Züchter, die das einfach aus Spass an der Freude tun, aber es wären deutlich weniger, und der Gesetzgeber wünscht das wohl anders.

Die andere Seite, die mich etwas Wurmt – ich darf selbst gesammeltes Saatgut nicht verkaufen. Hey, die Pflanzen wuchsen in meinem Garten, ich habe sie gepflegt und großgezogen, und die Samen darf ich jetzt nicht verkaufen? Die Pflanzen und die Früchte aber schon?

Die Unterscheidung Saatgut – Frucht ist schon an sich widersinnig. Früchte enthalten Samen, z.B. im Falle von Getreide oder Leinsamen (-> Müsli) sind Frucht und Samen sogar identisch.

Aber wie man es dreht und wendet, im Endeffekt machen die Gesetze wieder einmal eine Einkommensmöglichkeit für Gärtner und Landwirte zunichte. In manchen Fällen dürfen Landwirte das gewonnene Saatgut nicht einmal für die Aussaat im nächsten Jahr verwenden, sondern müssen es kaufen – in anderen Fällen funktioniert es einfach nicht, weil man sogenannte „Hybriden“ anbietet, deren Samen nicht Sortenrein sind, und damit im nächsten Jahr nicht für eine Aussaat geeignet sind. Der Zwang jedes jahr neues Saatgut zu kaufen trifft vor allem Kleinbauern in armen Regionen sehr hart, weil sie kaum Geld übrig haben.

Irgendwie will das ganze nur schwer in meinen Kopf, trotzdem ich die Idee „Schutz für die Züchter“ an sich für richtig halte – aber nicht mit der Konsequenz, dass Saatguthandel nur noch Privilegierten möglich ist, bzw. dass Bauern gewonnenes Saatgut nicht für die Aussaat im nächsten Jahr verwedne dürfen.

Es gibt freie (alte) Sorten, aber für einen Laien ist es sehr schwer zu erkennen, welche Sorten geschützt sind und welche nicht. Z.B. ziehe ich dieses Jahr Spitzpaprika unbekannter Sorte auf. Die Samen habe ich aus einer Spitzpaprika, die ich im Supermarkt erstanden habe – Herkunftsland Israel. Das ist alles was ich darüber weiss. Und dass sie mir geschmeckt haben. Die Paprika werden übrigens mit den Samen verkauft – ist das eigentlich auch Saatguthandel?

Frage ist jetzt, dürfte ich die Samen aus meinen selbst gezogenen Paprika verkaufen? Ich kenne die Sorte nicht, und habe auch keine Möglichkeiten die Sorte herauszufinden. Und die einzige Möglichkeit, etwaigen Klagen zu entgehen, ist, es eben gar nicht erst zu versuchen.

Und so geht es mir mit vielen Pflanzen in meinem Garten – ich bin sicher, so geht es auch vielen anderen Hobbygärtnern. Der Tausch von Saatgut gegen Saatgut unter privat scheint möglich zu sein, ein Tausch von Saatgut gegen Geld, was dann „geschäftsmäßig“ wäre, aber nicht.

So richtig logisch und sinnvoll erscheint mir die ganze Sache nicht. Auf jeden Fall werden hier die großen Unternehmen geschützt, und der kleine Landwirt gegängelt.

 

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