Stress, der unerkannte Dick-Faktor


Das Idealgewicht ist zum Ideal unserer Zeit geworden. Dutzende, wenn nicht hunderte Diät-Ideen wurden publiziert und ausprobiert, mit mehr oder weniger Erfolg.

Für mich als Naturwissenschaftler stellte sich die Situation relativ einfach dar. Fett ist die gespeicherte Energie, die der Körper nicht direkt verbraucht hat. Somit gibt es zwei Ansatzpunkte – die Energiezufuhr verringern (weniger essen, oder weniger gehaltvoll essen) und den Energieverbrauch steigern (Bewegung und Sport).

Nun, zwischen dem Essen und dem Fett im Gewebe liegt zum einen ein komplizierter biologischer Prozess, die Verdauung, und auch weitere Faktoren beeinflussen die Einlagerung von Fett im Körper. Ganz so einfach ist es also leider nicht.

Heute habe ich durch Zufall in der Sonntagszeitung von einem interessanten Zusammenhang gelesen. Stress beeinflusst unseren Hormonhaushalt. Und die Hormone wiederum beeinflussen die Verdauung, und auch die Frage, ob der Körper Fett speichern wird, oder nicht.

Es gibt verschiedene Arten von Stress, und auch verschiedene Typen von Menschen. Interessant ist, dass für einige, oder vielleicht sogar für viele, der Körper auf Stress mit der Einlagerung von Fett reagiert. In etwa so, als würde man Vorräte für schlechte Zeiten anlegen, und der Körper interpretiert Stress als Zeichen für kommende schlechte Zeiten.

Für die Anderen scheint es genau andersherum zu sein – Stress stört bei ihnen die Effektivität der Verdauung, die Energie wird für andere Tätigkeiten zur Verfügung gestellt, die der Körper im Moment als wichtiger interpretiert, und sie nehmen ab.

Neben dem schon bekannten Effekt des Frustessens oder des Essens als Trost, der gerne als Grund für die Gewichtszunahme bei Stress angeführt wird, gibt es also auch noch andere Faktoren. D.h. manche Leute werden bei Stress beginnen zuzunehmen, auch wenn sie alle anderen Lebensgewohnheiten beibehalten, und mitnichten mehr Essen als vorher.

Sehr viele Leute klagen über Stress. Dick sein alleine kann schon ein Stressfaktor sein, angesichts des Gesellschaftsideals vom Idealgewicht. Und wahrscheinlich hat Stress einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss auf das Gewicht.

Damit gibt zu den oben skizzierten Eckpfeilern zum erfolgreichen abnehmen – weniger Energieaufnahme und höherer Energieverbrauch – noch einen weiteren – Stress, bzw. weniger Stress.

Der Vorschlag „Weniger Stress“ ist vermutlich auch nicht einfacher umzusetzen, als die anderen Diatvorschläge, aber weniger Stress bedeutet fast direkt mehr Lebensqualität, wohingegen Diäten mit Einschränkungen verbunden sind, und Energieverbrauch durch Bewegung oft als anstrengend empfunden wird.

Wenn jemand also das Gefühl hat, zu denen zu gehören die unter Stress zunehmen, obwohl man Sport treibt und sich das Frustessen eisern verkneift, dann bietet Stress vermeiden einen Ansatzpunkt, der helfen kann, nicht weiter zuzunehmen, und auch generell die Lebensqualität erhöht.

Leider ist es unglaublich schwierig Stress zu vermeiden, weil man oft gegen ein anderes Gesellschaftliches Ideal verstossen muss – Leistungsfähigkeit. Leistung zu jeder Zeit und in jeder Situation. Das schafft Stress, und ich glaube man muss sich zuerst vom Ideal der Leistung befreien, bevor man mit dem Leistungsstress besser umgehen kann – das berühmte „lernen, Nein zu sagen“.

Beziehungsstress, Stress durch Belastungen wie Pflege von Angehörigen, oder der Stress, der durch Armut und miserable Lebensumstände verursacht wird, sind auch alle sehr schwer zu vermeiden.

Aber es ist ein Ansatzpunkt, zusätzlich zu Sport und maßvoller Ernährung, und ein lohnenswerter dazu.

Advertisements

4 Kommentare zu “Stress, der unerkannte Dick-Faktor”

  1. Ja, Du sdagst es! ‚Hunderte Diät- Ideen wurden publiziert und ausprobiert, mit mehr oder weniger Erfolg‘
    Doch Deine Stress- Erklärung ist genauso wieder auch nur eine von unzähligen Detail- Ideen! 😉
    Ich sag Dir die ‚wirkliche große‘ Ursache unserer Gewichtsprobleme!
    Und die wird Dir Naturwissenschafter einleuchten!
    Unsere nichtartgerechte Lebensweise!
    Wir haben uns einfach Jahrmillionen an eine gewisse,zuletzt an die Regenwald- Situation und Lebensweise, angepasst.
    Und nur für die und nur die sind wir ‚ausgelegt‘. Nur mit dieser ‚funkltionieren‘ wir perfekt.
    So einfach ist das! 😉
    Liebe Grüße vom
    payoli

      1. Ja, so kann man’s auch sehen! Interessant!
        Ich hab’s eher, als ich gelesen hatte, dass wir genetisch mit den Primaten zu 98,6% ident sind und die all unsere Probleme nicht haben, so gelöst, dass ich seither, und das sind mittlerweile 20 Jahre, wie ein – moderner! – Affe lebe 😉
        Dass ich damit gut liege, zeigt, dass ich topgesund bin und mich sauwo… äh, affenwohl fühle.
        Liebe Grüße!

        1. Im Prinzip sind wir aus biologischer Sicht Allesfresser, und recht anpassungsfähige dazu. Eskimos essen z.B. kaum Gemüse, aber viel Fleisch und Fett, Veganer essen nur Gemüse und Überleben das auch.

          Ich hatte mal eine Liste aufgestellt, was wir alles Essen können und vom der Würzel über den Stängel bis zu Blatt, Blüte und Samen, Würmer, Insekten, Maden, Pilze, Nüsse, Fische, Muscheln, Krebse, Weichtiere, vom Kaninchen über das Rind bis zum Walfisch, und sogar verfaultes und vergorenes – es gibt fast keine Kategorie aus der wir gar nichts Essen können. Deshalb konnte der Mensch auch so viele Lebensräume besiedeln.

          Wir sind schon eine selten verfressene Spezies 😀

          Und wir müssen uns bewuisst sein, dass unser Körper vieles Umwandeln kann, d.h. auch wenn wir kein Fett zu uns nehmen, kann unser Körper Fett aus Zucker synthetisieren.

          Das zeigt schon, dass viele Diät-Ideen nicht greifen, weil unser Körper oft das was wir weglassen, eben durch Umwandlung aus dem gegessenen herstellt. Das ist eigentlich auch wichgtig, sonst würde man bei Mangel an einem Nahrungsbestandteil sehr schnell verhungern, obwohl insgesamt noch genügend Nahrung da ist.

          Das Schweinist steht uns Ernährungstechnisch und auch sonst biologisch recht nah. In einigem sogar näher als mancher Affe, daher kommt auch ab und zu die Idee, Organe aus Schweinen zu verpflanzen, die sind von der Größe und der Funktion unseren eigenen sehr ähnlich.

          Du darfst Dich also gerne sauwohl durch die gesunde Ernährung fühlen, das passt schon 😀

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s