Das Rotkraut-Rätsel


Rotkraut hat nie so richtig zu meinen Lieblingsgemüsen gehört, und ich habe auch nie so richtig über die Farbe nachgedacht bis vor einigen Wochen.

Es fiel mir auf, dass es nur sehr wenige Pflanzen mit roten Blättern in der Natur gibt. Ich kenne die Blutbuche, und eine rote Haselnussvariante, aber in der Natur sind diese selten. Soweit ich weiß, verwerten Pflanzen die roten und blauen Anteile des Tageslichtes, so dass sie grün erscheinen, weil sie den grünen Anteil des Lichts nicht verwerten und dieser übrig bleibt.

Rote Mutationen haben wohl den Nachteil, dass sie weniger vom roten Licht verwerten können, und sich deshalb gegenüber den grünen Pflanzen nur schwer behaupten können. Ähnliches gilt auch für blaue Pflanzen.

Und nun haben wir genau eine dieser seltenen roten Pflanzen als Nahrungsmittel ausgewählt und bauen diese zu Millionen an.

Was mich jetzt interessieren würde, wurde das Rotkraut schon als rote Pflanze entdeckt und dann selektiv weitergezüchtet, oder hat man zuerst das Weißkraut kultiviert und sind dann aus dem Kultur-Weißkraut ab und zu rote Mutationen entstanden, die dann weiter gezüchtet wurden?

Das Rotkraut-Rätsel harrt noch einer Antwort.

 

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3 Kommentare zu “Das Rotkraut-Rätsel”

  1. Am besten in wikipedia „Anthocyane“ nachschlagen. Sie absorbieren UV-Licht und strahlen je nach Struktur blaue, violette oder rote Wellenlängen ab.

    Die roten Farben findest Du vor allem an jungen Trieben und Blättern von allen möglichen Pflanzen, wo sie vermutlich die Zellschädigung infolge von DNA-Mutationen, hervorgerufen durch UV-Strahlung mindern.

    In meinem Garten überwinterten das Bohnenkraut, der Thymian, der Winterlattuchino unter dem Schnee und wuchsen dort weiter, das heisst die Phytosynthese war zumindest zeitweise unter dem Schnee aktiv. Hier vermute ich, dass die Anthocyane einen Teil des absorbierten UV-Lichtes in Wärme verwandeln. Das könnte dazu führen, dass in kritischen Situationen die Blattemperatur gerade genug angehoben wird, um die Photosynthese zu erlauben (ca. 10° C). Allerdings kenne ich keine experimentellen Arbeiten zu dieser speziellen Frage.

    Bei sehr vielen Alpenpflanzen gibt es diese roten und blauen Farben in Blättern und Trieben. Dort vermutet man beide Funktionen gleichzeitig: UV-Schutz und Erwämung des Blattgewebes.

    Das alles ist natürlich noch keine Antwort auf Deine Rot-/ Weisskohlfrage. Ich würde einmal bei der Wildpflanze schauen, ob diese in bestimmten Stadien rot-blaue Blattknospen bildet.

    1. Stimmt, im Steingarten meiner Eltern fanden sich einige rotblättrige Pflanzen aus alpinen Regionen. An die hatte ich gar nicht gedacht. Interessant auch dass diese Farbstoffe für die schönen Farben des Herbstlaubs mancher Bäume verantwortlich sind.

      Ich habe die Artikel zu den Kohlpflanzen auf Wikipedia gelesen, und es scheitn als wären die Wildsorten alle vrowiegend grün. Im Moment gehe ich davon aus, dass Rotkohl durch Auslese durch Züchter aus grunen Kohlsorten entstanden ist – dass man die stärker Rot/Blau gefärben Pflanzen aus Neugier selektierte und gezielt weiter züchtete.

      Für die heutige Zucht ist eine möglichst intensive Färbung jedenfalls ein Zuchtziel, so der Rotkraut-Artikel von Wikipedia.

      Ich wusste nicht dass die Photosynthese unter 10°C nicht funktioniert. Bislang ging ich davon aus, dass immergrüne Pflanzen bei uns auch im Winter Photosythese betreiben, sofern die Sonne intensiv genug scheint. Das anonsten für die Pflanzen unnütze UV Licht zur Erwärmung zu verwenden ist eine sinnvolle Strategie, und müsste in kalten Regionen einen Selektionsvorteil bieten.

      1. Ich glaube, es sind sogar 11° oder 12°. Aber damit ist nicht die Lufttemperatur gemeint, sondern die Temperatur der photosynthetisierenden Pflanzenzellen. Die Blätter bzw. die Tannennadeln sind ja nach der Sonne orientiert, um Licht abzufangen und die Stoffwechselvorgänge selber erzeugen auch Wärme. Das macht dann ein paar Grad aus im Vergleich zur Umgebungsluft.

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