Wissensmängel


Es muss wieder diese Zeit des Jahres sein, wenn die Parteien und politischen Bewegen ihre Bauernfänger auschicken, um Spender und neue Mitglieder zu werben.

Auch dieses Jahr hat mich wieder jemand von der BüSo angesprochen. Zumindest hat er nicht versucht, mir zu erklären, dass die Erde wärmer wird, weil unser Sonnensystem langsam auf die heißere Seite der Galaxis treibt, und wie technische Großprojekte brauchen um dem Klimawandel zu trotzen. Das war schon mal gut, und gab mir etwas Vertrauen zu dem Mann.

Statt Klimawandel war heute die Finanzkrise das Thema. Im Kern war ich mit dem Werber der BüSo völlig einig, unser Finanzsystem hat Probleme, und die Stabilität sowohl des Euros als auch des Dollars ist gefährdet – und damit unsere Ersparnisse.

Seinem Vorschlag, als Lösung den Präsidenten der USA zu tauschen konnte ich jedoch nicht zustimmen – ich glaube nicht, dass ein neuer Präsident der USA alleine etwas an der Finanzkrise ändern könnte, weil die Krise noch von vielen anderen Leuten, Politikern wie Bankpräsidenten und Wirtschaftsgrößen mit verursacht, oder gar betrieben wird, weil sie davon profitieren. Er holte dann etwas weiter aus und meinte auch Europa braucht andere Politiker. Nun, auch da mag etwas dran sein, ich stimme im Prinzip der Aussage sogar zu, aber ich war immer noch nicht überzeugt, dass ein Wechsel der Politiker etwas bringt – meiner Meinung nach müsste das Geldsystem selbst geändert werden, und damit auch das Bankenwesen. Vermutlich auch die Art und Weise wie Aktien ausgegeben und gehandelt werden können, aber davon sprach er nicht … nun er suchte ja Wähler und Spender für seine Bewegung, und nicht eine Diskussion über ein Lösung. Meine Idee einer Lösung geht in Richtung Vollgeldsystem, aber das soll hier nicht das Thema des Artikels sein.

Was mir während der Diskussion aufgefallen ist, ist, wie löchrig meine historischen Kenntnisse sind in Bezug auf Politik und Wirtschaft der letzten 100 oder 150 Jahre. Ich kenne ein paar Ereignisse, ein paar Schlagworte, aber viele Detail- und Hintergrundinformationen sind mir unbekannt. Z.B. habe ich eine grobe Vorstellung davon, wer Bismark war, und welche Position er innehatte, aber keine Ahnung über die Details, welche Ziele er anstrebte, welche Meinung er zu damals aktuellen Themen hatte und auf welchen Wegen er versuchte seine Ziele zu erreichen. Und das gleiche gilt für viele wichtige nachfolgende Politiker, aber auch einflussreiche Intellektuelle und Wirtschaftsgrößen.

Ich habe festgestellt wie schwer es politische Diskussionen macht, wenn einem dieses Wissen fehlt und man nicht prüfen kann, ob das Gegenüber einem gerade Lügenmärchen erzählt oder ob es wahr ist, was da behauptet wird.

Insofern möchte ich dem unbekannten Herrn von der BüSo sogar danken – er war ein guter Diskussionspartner, und hat mir gezeigt wo meine Bildungslücken liegen.

Eine ungelöste Frage ist, warum schickt diese Bewegung Leute auf die Strasse, die nicht fliessend deutsch reden können. Der Herr letztes Jahr war Däne der Herr heute war Brite. Es macht Diskussionen auch für diese Leute schwer, wenn sie die Hälfte der Zeit mit den Worten kämpfen und sich mit Umschreibungen behelfen müssen. Dem Fluss der Diskussion und der Rhetorik ist das nicht förderlich – Parteien müssten doch wissen, dass es gute Redner braucht, mehr als Fachwissen, um Leute zu überzeugen.

Wieder ein Rätsel für mich, aber es war gut zu sehen, wo mein Wissen Schwächen hat, und woran ich noch arbeiten muss. Somit, Danke an den unbekannten Herrn von der BüSo, für die lehrreiche Diskussion!

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