Sterbehilfe


Ich frage mich immer wieder, warum das Thema Sterbehilfe so viel Widerspruch erfährt, und warum man keine einfachen Lösungen anbietet.

Eine meiner Katzen war schwer krank, und ich habe erlebt wie das Einschläfern vor sich geht. Der Arzt setzt eine Spritze an, injiziert, die Katze schliesst die Augen und schläft ein. Kurz danach hört das Herz auf zu schlagen. Das war einfach und schien für die Katze absolut schmerzfrei und leidensfrei zu sein – das Mittel ist meines Wissens nach ein extrem überdosiertes Betäubungsmittel.

Warum will man diese schöne Lösung den Menschen verweigern, die das Leben nicht mehr für lebenswert halten? Menschen, die aus ganz persönlichen Gründen nicht mehr Leben wollen , egal welcher Art diese Gründe sein mögen.

Mann kann Injektoren bauen, die man nur noch auslösen muss (findet man z.B. als Insulin-Injektoren für Zuckerkranke). Um als Selbstmord getarntem Mord per Injektor vorzubeugen, kann man Einschläferungs-Injektoren natürlich nicht frei abgeben, aber ich stelle mir so ein Szenario vor:

Ein Krankenhaus oder ein Institut bietet Räume an, in denen man sterben darf.  Beim Eintritt unterschreibt man (oder bestätigt mündlich, wenn man nicht schreiben kann), dass man wirklich sterben will, und bekommt einen Injektor zum Einschläfern ausgehändigt. Danach zieht man sich in den Sterberaum zurück. Wer körperlich dazu in der Lage ist, muss den Injektor selbst ansetzen, ggf. unter Anleitung eines Arztes, damit es auch funktioniert. Wer nicht kann, darf um Hilfe bitten. Auslösen ebenso – wer kann, muss den Injektor selbst auslösen, wer nicht kann (z.B. gelähmt ist) darf um Hilfe bitten.

Mann  kann hier auch Zeugen mit dazu nehmen, die später bezeugen können, dass der ganze Vorgang ordnungsgemäß ablief, und niemand Zwang oder Druck ausgeübt hat, und Hilfe nur auf ausdrücklichen Wunsch des Patienten gegeben wurde. Man kann sogar auch eine Art Notausgang vorsehen, so dass Leute die man vorher zum Selbstmord gedrängt  hat, auf Wunsch in eine Art Schutzhaft genommen werden können, und sicher vor Ihren Verfolgern sind.

Sicherlich kann man so einen Sterberaum auch pietätvoll gestalten oder der Sterbewillige kann sich vorher um die Gestaltung bemühen. Das muss keine kahle Kammer sein.

Ich hoffe jedenfalls, dass es so etwas geben wird, wenn ich in eine Situation komme, in der ich nicht mehr weiter leben möchte.

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2 Kommentare zu “Sterbehilfe”

  1. Du fragst: „Warum will man diese schöne Lösung den Menschen verweigern, die das Leben nicht mehr für lebenswert halten? Menschen, die aus ganz persönlichen Gründen nicht mehr Leben wollen , egal welcher Art diese Gründe sein mögen.“

    Vielleicht, weil es so viele missglückte Selbstmord(versuch)e gibt?

    Meinen ersten habe ich in der Schule erlebt, Oberstufe. Eine Mitschülerin futterte während des Unterrichts Tabletten in sich hinein. Wir haben das nicht bemerkt, so wie wir sie auch vorher nie richtig bemerkt haben. Irgendwann fiel sie vom Stuhl, bewusstlos. Die Lehrerin rief den Notarzt, sie kam ins Krankenhaus – und nie wieder zurück an die Schule. Später haben wir sie manchmal auf der Straße gesehen, mit dem Kinderwagen. Ob der kleine Bub darin der Grund für ihre Verzweiflung war? War sie überhaupt verzweifelt? Oder war das einfach nur ihre Vorstellung einer schönen Lösung, mitten in der Klasse zu sterben? Ich weiß es bis heute nicht, bin ihr auch weiterhin lieber aus dem Weg gegangen.

    Dem steht gegenüber die geglückte Selbsttötung eines anderen Menschen, gutaussehend, körperlich hochfit, beruflich erfolgreich, aber privat sehr unglücklich. Er ist gegangen, wie er gelebt hat: erfolgreich. Hat alles so geplant, dass niemand aus der Familie ihn findet, sondern Fremde und dass er auf gar keinen Fall gerettet werden konnte. Ihn hätte ich gerne gefragt, warum denn um Himmels Willen? Aber ob ich’s verstanden hätte?

    Bei einem weiteren Fall, den ich erlebt habe, ging es um einen jungen Mann, nach einem Unfall ab dem mittleren Brustwirbel gelähmt. Bei unserem ersten Gespräch schnorrte er von mir eine Zigarette, schien gut drauf zu sein. Sein dritter Satz war, dass er Mitglied der Gesellschaft für humanes Sterben geworden sei, um seinem Leben ein Ende zu setzen. Ganz ruhig hat er darüber gesprochen, es war fast surreal. Drei Jahre später habe ich erfahren, dass er es mit Hilfe eines Dritten geschafft hatte, zu sterben. Sieben Jahre hat er durchgehalten (müssen). Ihn konnte ich verstehen.

    Wer das Leben für nicht mehr lebenswert hält, sieht meist keinen Sinn mehr darin. Nicht im Leben und nicht im Leiden. Wozu soll letzteres denn auch gut sein… Buchempfehlung: Victor E. Frankl, „Trotz Ja zu Leben sagen…“ und viele andere Texte von ihm.

    Sog. schöne Lösungen sind oft trügerisch (einfach). Schwerer, aber schöner wäre es, wenn sichergestellt würde, dass jeder Mensch all die Hilfe bekommt, die er braucht. Angemessene medizinische Versorgung, ausreichend Schmerzmedikamente, und einen Menschen, der ihm zuhört, seine Hand hält und ihn unterstützt, im Leiden und bis hin zum letzten tiefen Atemzug – oder bis hin zum tiefen Seufzer, der das Ende der Verzweiflung anzeigt und Beginn ist für eine neue Phase, wieder voller Hoffnung und Mut zum (trotzdem) Weiterleben.

    1. Vielleicht habe ich zu viel schlechtes sterben miterlebt, und wünsche mir deshalb einfache Lösungen.

      Mein Vater war lange krank, und das letzte halbe Jahr wäre ohne starke Schmerzmittel sicher nicht mehr auszuhalten gewesen. Allerdings war es auch kein Leben mehr, da er nur mehr oder weniger betäubt im Bett lag. Wir alle wussten, dass es keine Hilfe mehr gibt. Er war vorher schon gelähmt, und der Krebs hat ihn zerfressen als der Körper zu geschwächt war.

      Im Moment ist meine Mutter im Pflegeheim, und möchte oft auch nicht mehr Leben. Kommentar eines Pflegers auf die Frage meiner Mutter, „Wir leisten hier keine aktive Sterbehilfe“. Es sieht so aus, als müsste meine Mutter auch noch Ihre Zeit „ableben“, bis es vorbei ist. Ihre Tage sind oft langweilig und ohne Freude, und sie kann das Bett auch nicht mehr verlassen. Sie ist, ähnlich wie mein Vater, seit einem Schlaganfall auf der linken Seite gelähmt, seit Mai 2013.

      Ich selbst, nun, ich möchte es niemand zumuten meinen zerschmetterten Körper von der Strasse zu kratzen, wenn ich von der Brücke springe. In dem Sinne wäre eine „schöne“ Lösung auch für die anderen Leute schön.

      Selbsmordversuche sind eher Hilfeschreie. Die Leute die es ernst meinen sorgen, so wie der eine Fall in Deinem Kommentar, dafür dass es klappt. Ok, es gibt sicher auch Fälle in denen es ernst gemeint ist und es funktioniert nicht, ein Mensch ist ganz schön robust und stirbt nicht so einfach – aber ich möchte ganz sicher nicht als Krüppel weiterleben müssen weil der Versuch nicht geklappt hat. Deshalb der Wunsch nach einer sauberen und vor allem sicheren Methode.

      Irgendwo dazwischen sind noch Erfahrungen mit Haustieren, die eine Katze, die eingeschläfert wurde, eine Katze die Überfahren wurde (deshalb möchte ich niemand zumuten so einen Körper aufzuräumen), und eine Katze die mit einem Hirntumor (der aber falsch diagnostiert worden war, und wir deshlab vom Einschläfern absahen, weil wir dachetne es könnte wieder ebsser werden) in meinen Armen gestorben ist. Das war für mich sogar intensiver als das sterben meines Vaters, da ich zuvor alles was in meiner Macht stand versucht hatte, die Katze wieder gesund zu bekommen, kein Geld und keine Zeit oder Mühe gescheut hatte, und dann – Tot. Das war für mich zum ersten Mal die Erfahrung, dass es Dinge gibt die kein Geld der Welt und kein Einsatz an Zeit und Kraft ändern können. Etwas ist in mir zerbrochen fdamals – mein Vertrauen in meine eigenen Fähigkeiten. Ich habe es bis heute nicht ganz wiedererlangt.

      Und es war die Nähe, ein Tier sucht Schutz, man hält es, will ihm helfen, und dann von einer Minute auf die andere, ein Zittern, erschlaffen, Tod. Ich habe meinem Kater oft in den Armen gehalten, und jetzt war er tot.

      Und wieder grub ich ein Loch, und wieder ein neues Grab für eine Katze. Es sollte das bsilang letzte sein, und soll das letzte bleiben. Seitdem wollte ich keine Haustiere mehr, egal wie sehr ich sie vermisst habe, ich wollte so einen Verlust nicht noch einmal erleben, es gschah zu oft und war zu schlimm.

      Eine Kater, der an einem falsch diagnostizierten lebertumor starb, habe ich vergessen. Auch hier wäre einschläfern gnädiger gewesen. Er ist allerdings beim Tierarzt gestorben, der ihn stationär aufgenommen hatte, ich habe den eigentlichen Momen des Todes nicht mitbekommen – nachst um drei brachte ich den Kater das letzte Mal zum Tierarzt, ich weiss nciht wie oft zuvor, und Vormittags erhielt ich die Nachricht, dass der Kater gestorben ist.

      eine Katze ging verloren, sie kam einfach nicht merh zurück. Vielleicht auch überfahren, wie ihre Schwester. Vielelicht entführt, vielleicht … man hat viel Zeit darüber nachzudenken.

      Auf jeden Fall will ich „sauber“ sterben, wenn ich denke meine Zeit ist gekommen. Nicht wie mein Vater und nicht wie meine Katzen (bis auf die, die eingeschläfert wurde) – nicht mit Qualen und nicht mit Warten bis man erlöst wird. Sondern, so lange man noch selbst entscheiden kann. Zumindest für mich, wünsche ich mir das was ich geschrieben habe – einen Sterberaum und das Mittel.

      Noch habe ich Hoffnung, noch will ich warten. Aber ich will selbst entscheiden, wann es Zeit ist zu gehen – oder eben sterben ohne es groß vorher zu wissen, und warten zu müssen, sei es durch einen Unfall oder über Nacht im Bett. Aber ich will nicht leiden und warten müssen.

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