Ein Leben nach dem Tod?


Die Frage nach einem Leben nach dem Tod wird oft diskutiert. Verschiedene Religionen und Weltanschauungen gehen fest von einem Leben nach dem Tod oder einer Wiedergeburt aus. D.h. sie gehen davon aus, dass da etwas ist, was den Tod überstehen kann, um anzudauern oder gar wiedergeboren zu werden.

Eine Frage die sich mir dabei stellt, ist, was ist dieses etwas? Materiell kann es nicht sein, denn der Körper zerfällt üblicherweise nach dem Tod. Nun bleiben Konzepte wie „Bewusstsein“, „Geist“ oder „Seele“.

Für mich persönlich interessant wäre ein Leben nach dem Tod, das noch ein „ich“ hat, und die Erinnerungen, die ich während des Lebens gesammelt habe. Nur dann würde ich mich weiterhin als die gleiche Person erleben können. Fehlt das „ich“, und die Erinnerung, dann, finde ich, ist es keine Weiterexistenz, sondern eher etwas neues. Es gibt dann keine richtige Kontinuität in der Existenz vor und nach dem Tod.

Normalerweise wird das Bewusstsein als Sitz des „ich“ und der Erinnerung betrachtet. Deswegen lasse ich die weniger klar fassbaren Konzepte der „Seele“ und des „Geistes“ vorerst beiseite.

Wenn ich jetzt das Bewusstsein betrachte, dann stellen sich erste Zweifel ein, ob ein Leben nach dem Tod für das Bewusstsein möglich ist. Die Zweifel rühren von der Beobachtung, dass Krankheiten und Schädigungen des Gehirns oft mit Beeinträchtigungen des Bewusstseins einhergehen, im Falle von Alzheimer sogar mit dem Verlust des „ich“ und der Erinnerungen.

Hier drängt sich dann der Analogieschluss auf:

Hirn beeinträchtigt -> Bewusstsein beeinträchtigt
Hirn tot -> Bewusstsein tot

Gerade am Beispiel Alzheimer lässt sich das Problem gut illustrieren. Ein Patient der in den letzten Lebensjahren seine Erinnerungen und einen großen Teil seines „selbst“ verloren hat, müsste dann nach dem Tod ein gesundes, sich selbst bewusstes Bewusstsein hinterlassen, das alle Erinnerungen wieder erlangt hat, die während der Krankheit verloren waren.

Das ist zwar nicht unmöglich, aber unwahrscheinlich. Und daher kommen meine Zweifel, ob dem Bewusstsein eine Weiterexistenz nach dem Tod möglich ist, zu sehr scheint es an die Gesundheit des Gehirns gebunden zu sein.

Bleiben also noch die Konzepte der Seele und des Geistes. Wie schon im vorigen Abschnitt ausgeführt, stirbt das „ich“ und auch die Erinnerungen höchstwahrscheinlich mit dem Gehirn. Was ist es dann was hier noch weiterexistieren kann? Ein Funke Leben, eine Seele, die, im Falle der Wiedergeburt, einen anderen Körper beseelen kann?

Dabei stellt sich die Frage, woher die zusätzlichen Seelen kommen, denn es werden seit langem mehr Kinder geboren als alte Leute sterben. Und wenn Kinder an sich schon mit einer Seele ausgestattet sind, was passiert dann mit den Seelen der Kinder in deren Körper eine alte Seele wiedergeboren wird? Kommen die dann auch in die Wiedergeburts-Warteschlange bis neue Kinder geboren werden? Diese Warteschlange würde dann recht rasch über alle Maße wachsen. Es sind Fragen, auf die ich keine guten Antworten finden kann, und die wiederum Zweifel am Konzept eines Lebens nach dem Tod aufkommen lassen.

Und selbst wenn die Seele weiter existiert, dann muss ich sagen, ohne meine Erinnerungen, und ohne „ich“, nun, diese Seele, das bin dann gar nicht mehr ich, das ist etwas anderes.

In diesem Sinne ist es mir sogar egal ob die Seele weiter existieren kann, denn das was mich ausmacht, das Bewusstsein meiner selbst, und die Erinnerungen an mein bisheriges Leben, das ist dann weg, und _ich_ habe damit aufgehört zu existieren.

Kurz, ich habe große Zweifel an einem Leben nach dem Tod. Zumindest wenn man eine Fortdauer des „ich“ und der Erinnerungen betrachtet. Im Moment betrachte ich den Tod als das Ende. D.h. meiner Meinung nach sollte das Leben nach bestem Vermögen gelebt werden, so wie man es kann, und man sollte nicht hoffen, dass nach dem Tod noch etwas besseres kommt. Es kommt ziemlich sicher nichts.

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4 Kommentare zu “Ein Leben nach dem Tod?”

  1. Zu dem Thema empfehle ich Ihnen folgendes Buch:
    Beweise für ein Leben nach dem Tod: Die umfassende Dokumentation von Nahtoderfahrungen aus der ganzen Welt von Jeffrey Long.
    Ein kritischer wissenschaftlicher Mensch der eine ähnliche Ansicht wie Sie hatte und nun vom Gegenteil überzeugt ist.

    1. Ich bin ein wenig skeptisch was Nahtoderfahrungen angeht. Das Gehirn befindet sich dabei in einem sehr ungewöhnlichen Zustand, und ich habe Zweifel wie viel Aussagekraft Erinnerungen aus dieser Phase haben.

      Aber ich muss zugeben, die Berichte sind sehr interessant, vor allem wenn es um Erinnerungen geht die verifizierbar sind, z.B. weil Patienten die im Prinzip Tod waren über Details aus der Umgebung berichten konnten, die sie eigentlich nicht wissen konnten.

      Das irritierendste für mich sind Krankheiten wie Alzheimer. Im Pflegeheim treffe ich Patienten, die fast alles von ihrer geisteskraft eingebüßt haben, und ich frage mich, wie diese Leute nach dem Tod wieder ein gesundes, funktionsfähiges selbnst entwickeln sollen. Jemand hat mir mal gesagt, das liegt daran, dass das Gehirn nur Vermittler sei zwischen der Seele und der Aussenwelt, und ein defekter Vermittler eben diese Anzeichen hervorbringt – als Techniker muss ich sagen, dass defekte Vermittler eigentlich andere Symptome als Gedächntisverlust und Verlust der Persönlichkeit zeigen müssten.

      Dennoch Danke für den Hinweis auf das Buch! Wie oben schon geschrieben, finde ich diese Berichte sehr spannend, weil ich denke sie könnten uns Hinweise geben in der Richtung auf außersinnliche Wahrnehmung, die hier extrem verstärkt zutage tritt.

  2. Ist das Glas Wasser, dass Du in den Fluss geschüttet hast, weg, wenn der Fluss ins Meer gemündet ist? Nein – und genauso ist es mit der Seele. Das Wesen(tliche) ist für unsere Augen & unseren Intellekt unsichtbar, aber man kann es spüren. Das Böse – und das Gute.

    1. Ich glaube, das Glas Wasser ist ein gutes Bild für das, was ich mit dem ‚Verlust des „ich“‚ auszudrücken versuchte. Die Menge Wasser ist noch da, aber es hat aufgehört ein Individuum zu sein. Auch ist, ausser der Menge, die im Vergleich zum Ozean fast nicht feststellbar ist, die Form, die Erinnerung erloschen.

      Das Bild passt auch zu einer anderen Idee von mir, dass alles von einer Art Lebenskraft durchdrungen ist, die in manchen Dingen präsenter ist, und in manchen weniger, aber alles verbindet. Das ist ein bischen wie der Ozean, in den das Wasser zurückehrt.

      Ich denke, das passt sogar gut. Das „ich“, die Person erlöscht, so wie das Glass Wasser aufhört ein Individuum zu sein, aber die Substanz (Wasser, Lebenskraft) existiert weiter, allerdings ohne größere Spuren an die frühere Existenz, vieleicht sogar ganz ohne solche Spuren.

      Vielleicht ist der Ozean auch das selbe Bild, wie das Nirvana in der indischen Glaubenslehre.

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