Gibt es noch Hoffnung für das unsterbliche Gehirn?


Eine Zeit lang ging man davon aus, dass Nerven nicht, oder nur sehr langsam altern, und ein Gehirn mittels einer geeigneten Maschine praktisch unendlich lang am Leben erhalten werden könnte, zumindest viel länger als der alternde und zerfallende Körper.

Das wurde in der Sci-Fi Literatur immer wieder aufgegriffen, Gehirne in verschiedenen Lebenserhaltungsumgebungen, von stationären, nährlösungsgefüllten Gläsern mit Möglichkeit zu Kommunikation, aber nicht zur Aktion, bis hin zu Gehirnen als kontrollierendes Organ in Maschinenkörpern vom Roboter bis hin zum Raumschiff.

Bis heute verbinde ich den Begriff Cyborg mit diesem Konzept, wenn auch der Begriff mehrheitlich als Beschreibung einer technischen Verstärkung des Körpers und nicht als kompletter Ersatz für den Körper gesehen wird.

Es ist eine faszinierende Idee, wenn Maschinen übermenschlicher Größe und Kraft durch ein eingebautes Gehirn den Intellekt, die Klugheit und die Reaktionsfähig eines Menschen erhalten, und so im Prinzip zur Person werden. Wenn eine Person auf diesem Weg endloses Leben und übermenschlichen Fähigkeiten erlangt, ohne Schmerz und den körperlichen Niedergang durch Alterung.

Machmal wurde jedoch auch in der Literatur gerade der Niedergang thematisiert, denn auch Maschinen benötigen Wartung, und selbst  die perfektest konstruierte Maschine wird nach hunderten, tausenden oder millionen Jahren nicht mehr funktionieren, und somit der Traum vom endlosen Leben, von übermenschlicher Kraft, abhängig wird von externer Hilfe und Unterstützung. Hier spiegelt sich auch eine soziale Komponente wieder, auch der Starke benötigt ab und zu die Hilfe der Schwachen, und nur zusammen kommt man zum Erfolg.

Leider scheinen Nerven und das Hirn auch zu altern, somit wurde dieser Traum hinfällig bevor er richtig begonnen hatte.

Allerdings sind gerade in den letzten Jahren bei der Kopplung von Nerven und Elektronik große Fortschritte gemacht worden, und die Steuerung von Maschinen durch Nervenimpulse ist näher gerückt als je zuvor. Auch der Anschluss von Nerven an Sensoren hat Fortschritte gemacht, wenn auch nur über Krücken und Brücken, aber erste technische Ersatzlösungen für Ohren und Augen gibt es jetzt. Nachtsichtige, auf infrarot oder auf anderen Technologien basierende Augen scheinen nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Noch ein paar Schritte und die robotische Vollprothese kommt in Reichweite.

Mit etwas Glück habe ich noch 40 Jahre zu Leben. Ob die Technik bis dahin so weit ist, dass es robotische Vollprothesen gibt? Ich würde mich freiwillig melden, um es auszuprobieren. Endlich die Einschränkungen des Körpers überwinden, Aussehen und Funktion nur abhängig von den technischen Möglichkeiten, die über die Zeit sogar noch zunehmen sollten.

Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass das Hirn doch nicht so schnell altert, und man gegen Parkinson, Alzheimer und andere neurodegenerative Erkrankungen ein Mittel findet, das auch für Hirne im Maschinenkörper funktioniert.

Und dann wäre da noch das Problem was wir tun, wenn junge Leute Kinder bekommen, die Menscheit sich weiter vermehrt und alle älteren nahezu unsterblich sind, indem sie ihre Körper durch robotische Vollprothesen ersetzen, und damit eben nicht Platz machen für die nächste Generation, wie es bislang der Fall ist. Die Überbevölkerung wird dadurch zu einem noch viel drängenderem Problem als sie es heute schon ist.

Oder müssen wir die Gehirne dann doch in Glaskolben stapeln, weil durchrotiert werden muss, wer heute Ausgang im Robotkörper hat, damit die Welt nicht aus den Nähten platzt?

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4 Kommentare zu “Gibt es noch Hoffnung für das unsterbliche Gehirn?”

  1. Also dazu ist erst mal zu sagen: es gibt keinen Unterschied zwischen lebendiger und toter Substanz in der Wirklichkeit. Wo sollte man denn diese Trennlinie ziehen? Und wie sollte plötzlich Lebendigkeit in die Substanz kommen, wenn sie nicht schon vorher dagewesen ist?

    Lebendig und tot sind Vorstellungen des Gehirns, welche das Bewusstsein sieht. Lebendig ist ein Ding so lange, wie es sich bewusst als lebendig empfinden kann. Vorstellung (alter philosophischer Begriff) = Software (moderner Begriff). So lange eine Software am Laufen gehalten werden kann, nehmen wir z.B. die Software „Adolf Hitler“, wird sie sich als lebendig empfinden. So lange lebt sie auch. Wenn man es schafft, die Software in eine Maschine zu packen, und bevor die kaputtgeht auf die nächste, dann kann die „Adolf Hitler“ ewig leben.

    Wenn es jemand schafft, deine Software in ein anderes Gehirn zu kopieren, dann gibt es 2 von dir. Welche Bedeutung haben die sicherlich vorhandenen Unterschiede in den 2 mit den Gehirnen verbundenen Leibern? Eventuell gar keine! Und warum nicht? Weil die Software sagt, ob die Unterschiede relevant sind oder nicht. Die Software kann zu komplett unterschiedlichen Leibern sagen: das ist „Adolf Hitler“ und jenes genau so. Nicht glaubwürdig? Das macht fast jede Gehirn-Software: sagt zu einem Bild von einem Baby „das bin ich“, zu einem Bild von einem Kind „das bin ich“, zu einem Bild von einem Greis „das bin ich“. Und wo liegt da die Logik? Würde die Software in einem Haufen Scheiße laufen, könnte sie doch genau so sagen „das bin ich“. Ist nicht im Leib ständig ein Haufen Scheiße?

    1. Guter Einwand, dass es keinen prinzipielen Unterschied uwischen belebter und unbelebter Materie gibt! Die Möglichkeit, das Bewusstsein auf eine nicht-biologische Maschine zu übertragen, hatte ich übersehen. Das eröffnet einerseits interessante Möglichkeiten, wirft aber auch neue Fragen auf.

      Das Problem der Duplikate hast Du schon angesprochen. Ich fürchte das wird ein echtes Problem, denn die meisten Leute mögen die Idee dass sie „einzigartig“ sind, und möchten ungern mit einem Duplikat streiten, wer nun der „echtere“ von beiden ist.

      Ich vermute es bedarf einer ähnlich komplexen Maschine wie das menschliche Gehirn, um ein menschliches Bewusstsein aufzunehmen. Ich vemute auch, dass Bewusstsein eine emergente Eigenschaft ist, die ein hirn-ähnliches System ab einer bestimmten Komplexität entwickelt. Damit hätte ein solch komplexes System ein eigenes Bewusstsein, das mit der Erschaffung des Systems ensteht. Die Übertragung eines anderen Bewusstseins würde dann vermutlich das ursprüngliche Bewusstsein des System überschreiben. Ist das dann Mord, und ethisch vertretbar?

      Und falls Duplikate nicht erwünscht sind, ist es vertetbar eines davon nach der Kopie auszulöschen? Der Selbsterhaltungstrieb existiert in beiden, und ich vermute keines der Duplikate wird sich freiwillig auslöschen lassen. Eine „Narkose“ d.h. stillegen der Denktätigkeit und das „stille“ Auslöschen eines Duplikats nach der „aktivierung“ des anderen scheint ein gangbarer Weg, weil dann kein bewusstes Leiden entseht, und vorausgesetzt, das Individuum hat vorher diesem Vorgang zugestimmt.

      Eine ziemlich knifflige Angelegenheit.

      Vielleicht erleben wird das sogar noch, Netzstrukturen wie das Gehirn sind wieder populär in der Forschung und es werden sicher bald neuronen-artige Netze gefertigt, die kleinen Säugetieren entsprechen könnten. Dann wird man sehen, ob diese Systeme spontan eine Art Selbsbewusstsein erlangen. Falls wir besser werden in der Fertigung von 3D Strukturen, dann werden auch komplexere „Kunsthirne“ denkbar, und die Fragen werden dann sehr aktuell.

      Danke für den Kommentar! Eine spannende Sache 🙂

  2. Zum Thema der Kopie: sobald die Software überspielt ist befindet sie sich in zwei unterschiedlichen Organismen, die nicht zur selben Zeit am genau selben Ort sein, also nicht das Selbe erleben können. Sie (die Organismen mit der selben Anfangssoftware) werden sich zwangsläufig zu zwei unterschiedlichen Personen entwickeln, Je nach dem wie ähnlich oder unähnlich ihre Erlebnisse sind kann das langsamer oder schneller gehen. (Das denke ich jedenfalls)

    1. Ich denke auch so. Im Prinzip sind es geistige Zwillinge, die ab der Trennung beginnen, eigene Leben zu führen. Jede neue Erinnerung, jede neue Erfahrung wird die Unterschiede verstärken.

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