Sprachbarrieren in Medizin und Pflege


Unlängst wurde in Telepolis über das Thema geschrieben, „Müssen Patienten Englisch können?“

http://www.heise.de/tp/artikel/40/40762/1.html

Dieser Artikel hat mich an etliche Situationen erinnert, die ich im Pflegeheim meiner Mutter erlebt habe.  Und in denen, ehrlich gesagt, Englisch keine Hilfe gewesen ist. Meine Mutter spricht durch Zufall recht gut Englisch, aber die Pflegekräfte eher nicht.

Viele Pflegekräfte, besonders neu eingestellte, tun sich schwer mit der deutschen Sprache. Dazu kommt noch, dass viele Patienten Dialekt sprechen, der sich in immer wieder anderen regionalen Varianten zeigt (*).

Das Sprachproblem führt zu recht häufigen Missverständnissen zwischen Patienten und Pflegern, was für bettlägerige und hilflose Patienten durchaus ein Problem ist.

Selbst mir ist es während eines Klinikaufenthalts einmal so ergangen, dass ich einer Hilfskraft sagen wollte, die Klingel sei außer Reichweite, und ich war nach der Operation noch nicht wieder so beweglich das ich selbst etwas hätte tun können. Mit etwa 10cm Schnitt und drei Schläuchen im Bauch fühlt man sich eher tot als lebendig.

Nachdem ich das Problem mit langsam steigender Panik wahrgenommen hatte, war ich froh, als jemand das Zimmer betrat. Es war die Putzfrau, aber nun, jedermann kann einem die Klingel näher ans Bett hängen, auch die Putzfrau – so dachte ich. Nun war ich etwas neu und fremd im Krankenhaus, und mir nicht bewusst, dass das normale Wort dafür „Klingel“ ist. Ich hatte das Ding für mich einfach „Rufknopf“ getauft, und so bat ich die Putzfrau mir den „Rufknopf“ zu geben, was sie nicht verstand. Nach einigem Gestikulieren und Deuten verstand sie dann, „Ach, Klingel!“ und konnte mir helfen. Jemand, der Deutsch besser beherrscht, hätte vermutlich den gedanklichen Sprung vom Rufknopf zur Klingel geschafft.

Die Sprachprobleme in der Medizin sind nicht zu unterschätzen. Zum einen kann die Erreichbarkeit der Klingel nach schweren Operationen für den Patienten den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten, aber es ist für Patienten auch pychologisch sehr wichtig, sich verständlich machen zu können. Man fühlt sich ohnehin schon hilflos genug, und hat genügend Sorgen allein um wieder gesund werden. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, was es bedeutet, wenn Arzt und Patient nicht miteinander sprechen können, weil die Sprachbarriere viel zu hoch ist. Das kann nicht gut gehen.

*  z.B. „I zwengs nemme“ – das bedeutet auf Hochdeutsch: „Ich bin satt und kann nicht mehr mehr essen.“ Ich glaube nicht, dass man das nach einem Deutschkurs verstehen kann, wenn man nicht Muttersprachler ist, oder selbst dann wenn man nur aus einer anderen Region stammt.

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