Eine Packung Sorgenfrei und eine Dose Instantglück


Unlängst in der Apotheke, an einem Tag als mir meine Verwandschaft mal wieder zuerst eine leichte Panikattacke und dann einen Sack voll Sorgen gegeben hatte, kam mit spontan die Idee, und ich verlangte „Eine Packung Sorgenfrei und eine Dose Instantglück“.

Leider war beides nicht vorrätig und auch nicht lieferbar.

Das Thema Psychopharmaka hat viele Facetten. Auf eine möchte ich heute ein wenig eingehen.  Zum einen ist es die „Flucht vor der Realität“, und das „nicht-lösen der Probleme“, die oft als Argumente gegen solche Helfer angeführt werden.

Zum anderen ist es meine eigene Erfahrung – seit einigen Jahren bekomme ich Psychopharmaka gegen Depression und Angstzustände, und ich weiss, dass ich ohne diese kaum handlungsfähig wäre, sondern in Angst und Sorge in einer Ecke sitzen würde und hoffte, dass mich die Welt vergäße, und ich irgendwo Frieden finden könnte.

Auch dieses Blog könnte ich ohne die Medikamente nicht führen, ich hätte viel zu viel Angst vor kritischen Kommentaren, bis hin zum Verfolgungswahn – ich hatte so Zeiten schon, das ist also nicht nur so hingeschrieben. Ich bin heilfroh, dass es diese Mittel gibt.

Jetzt hat man die beiden Extreme – auf der einen Seite, dass die Psychopharmaka manchen Leuten wie mir helfen ein einigermassen normales Leben zu führen. Einen Job zu haben, und diesen, wenn auch immer wieder holprig und nur mit Unterstützung des Chefs, auch durchzustehen.

Dann das andere, die Sorge dass manche Leute diese Mittel missbrauchen könnten, um Probleme auszublenden, und am Ende nicht mehr in der Lage sind ihr Leben erfolgreich zu führen.

Interessant, dass diesen Mitteln beides zugetraut wird, den einen zu einem vernünftigen Leben zu verhelfen, und bei anderen das Leben zu ruinieren.

Leider gibt es so etwas wie die erwähnte „Packung Sorgenfrei und eine Dose Instantglück“ nicht auf Rezept. Oder nur mit so starken Nebenwirkungen, dass es dann auch kein Spaß mehr ist.

An Tagen wie diesem wünschte ich dennoch, es gäbe so etwas. Zu viele Spannungen in der Familie, zu viele Probleme mit meiner kranken Mutter und Probleme bei der Arbeit. Für jemand Gesundes mag das alles handhabbar sein, für mich ist es manchmal einfach zu viel, und ich wünschte, ich könnte Einsiedler werden, irgendwo hingehen, wo mich andere Leute dann in Frieden lassen müssen, weil ich dann einfach nicht mehr erreichbar bin.

Das ist wohl auch eine Flucht vor der Realität. Aber sie kommt ganz ohne Medikamente aus.

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