Weihnachten im Pflegeheim


Im Mai 2013 hat meine Mutter einen Schlaganfall erlitten. Das muss schon am Vormittag passiert sein, aber ich habe sie erst abends in der Wohnung gefunden, und obwohl der Notarzt sehr schnell eingetroffen ist, war die Zeit seit dem Schlaganfall doch schon viel zu lang, um noch viel helfen zu können.

Nach etlichen Wochen im Krankenhaus ist meine Mutter nun im Pflegeheim, und auf Betreuung angewiesen, weil ihre linke Körperhälfte fast vollstandig gelähmt ist, so dass selbst das Sitzen im Rollstuhl eine große Anstrengung für sie darstellt.

2013 war das erste Weihnachten im Pflegeheim, und ich habe versucht, das Zimmer mit etwas Weihnachtsdekoration und Kerzen weihnachtlich-stimmungsvoll zu gestalten, soweit das in einem Pflegeheim eben möglich ist.

Weinachten im Pflegeheim
Weinachten im Pflegeheim

Ich musste auch lernen, dass unser Pflegesystem zwar eine Art Basisversorgung für die Patienten sicherstellt, die aber mehr oder weniger nur ausreicht, um am Leben zu bleiben, obwohl selbst diese Versorgung ganz und gar nicht billig ist. Für die Lebensqualität der Pflegepatienten sind die Angehörigen viel gefordert, was für mich bedeutet, etwa 4x die Woche 3 Stunden für die Pflege meiner Mutter aufzubringen. Das klingt zunächst nicht nach viel, ist aber zusätzlich zur Arbeit und dem Alltag doch eine deutlich spürbare Mehrbelastung.

Ich will nicht meckern, die Pfleger im Heim kümmern sich mehrheitlich sehr gut, sogar bewundernswert, es sind mehr oder weniger die Umstände (Personalnot), die ihnen eine bessere Pflege gar nicht möglich machen, vor allem nicht für bettlägerige Patienten.

Patienten, die noch mobil sind, finden im Pflegehim tatsächlich ein recht reichhaltiges Angebot an Unterhaltung, Sport, Gymnastik und auch Kultur.  Leider kann meine Mutter daran nicht teilnehmen, so dass es an uns Kindern liegt, hier auszuhelfen.

Was mich sehr getroffen hat ist die Tatsache, dass Pflegebedürftige ohne Angehörige es wirklich schwer haben, weil ohne etwas Kontrolle und Nachhilfe bei der Pflege immer wieder Dinge auf der Strecke bleiben, und sich die Patienten nicht selbst helfen können, oft nicht einmal richtig artikulieren können, um Hilfe zu erhalten.

Auch wenn es nur Kleinigkeiten sind, wie etwa dass die Klingel außer Reichweite des Patienten zurückgelassen wird, weil sie im Weg war als das Bett frischgemacht wurde. Für einen teilweise gelähmten Patienten kann das ein echtes Problem sein. Auf Rufen reagieren die Pfleger erst gar nicht, was auch verständlich ist, da demente Pfleglinge immer wieder schreien und auch um Hilfe rufen, auch ganz ohne Grund und Not. Vielleicht sind es Kriegserinnerungen oder ähnliches was die alten Leute treibt, Tatsache ist aber, dass die Pfleger dadurch Hilferufe von anderen nicht mehr ernst nehmen, und auch nicht ernst nehmen können, weil keine Zeit da ist sich immer wieder um Fehlalarme zu kümmern.

Mir graust vor meinem Lebensabend, sollte ich selbst pflegebedürftig werden, da vermutlich niemand da sein wird, der sich um mich kümmern kann (unverheiratet, kinderlos, mit großem Abstand das Jüngste der Geschwister). Hier wird Sterbehilfe von einem abstrakten dann schnell zu einem sehr konkreten Thema. Aber ich hoffe, dass bis dahin noch viele Jahre ins Land gehen, und sich die Bedingungen noch verbessern.

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